Dr. Michael Buddrus vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und Angrit Lorenzen-Schmidt von der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. stellen seit dem 25. September mit einer Lesereise ihr Biographisches Lexikon „Ärzte in Mecklenburg im Dritten Reich“ vor. Porträtiert sind darin mehr als 2.300 Medizinerinnen und Mediziner, niedergelassene, angestellte und beamtete ebenso wie Angehörige der Medizinalbürokratie. Auch Flüchtlinge und Dienstverpflichtete, die aus anderen Regionen nach Mecklenburg kamen, sind berücksichtigt.
Ausführliche Studien zum historischen Hintergrund betten die Biographien in den beiden reich bebilderten Bänden ein. Dabei werden die Verhältnisse in Mecklenburg mit denen auf Reichsebene verglichen und der Bereich der Medizinverbrechen in das weit größere Feld der ärztlichen Normaltätigkeit eingeordnet. Lexikon und Studien basieren auf bislang meist unerschlossenen Quellen und bilden das derzeit umfänglichste Projekt seiner Art in Deutschland. Buchpräsentationen (Eintritt frei) finden noch an den folgenden Orten statt:
Zum letzten Mal in diesem Jahr führt am Sonntag, den 24. September, ab 10.30 Uhr Zettelträger Geisler alias Sandra Lembke durch die Stadt und plaudert aus dem Nähkästchen des bunten Neustrelitzer Theaterlebens. Ob Primadonna, Heldentenor oder komische Alte – zahlreiche Künstler*innen prägten über die Jahrhunderte das Theatergeschehen der Residenzstadt und bescherten dem Publikum wahre Sternstunden.
Treffpunkt der Tour ist im Kulturquartier. Die Teilnahme kostet 8 €, für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren 2 €, unter 6 Jahren ist die Teilnahme kostenfrei. Eine Anmeldung wird erbeten unter: 03981 23909-99 oder info@kulturquartier-neustrelitz.de
Der Stasi-Haftanstalt Töpferstraße Neustrelitz e.V. lädt ein zu einer Autorinnenlesung von Barbara Butzke aus ihrem Buch „Wilhelmine – Mit dem Unrecht leben lernen“. Die Veranstaltung findet am kommenden Sonntag, den 17. September, um 16 Uhr, im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz statt.
Barbara Butzke wurde als Zeitzeugin für die Erarbeitung der Dauerausstellung in der früheren Stasi-Haftanstalt interviewt. Die Autorin liest zum ersten Mal in der Öffentlichkeit aus ihrem Werk, eine autobiographische Geschichte über das Schicksal einer Familie in Mecklenburg und ganz speziell im Landkreis Neustrelitz in der Zeit zwischen 1946 und 1973.
Führung durch ehemalige Haftanstalt
Die Veranstaltung ist Bestandteil des „Kulturherbstes“ des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte und der „Tage der politschen Bildung“ der Landeszentrale für politische Bildung MV. Um 15 Uhr findet vor der Veranstaltung eine 45-minütige Zeitzeugenführung mit Dietrich Conrad statt. Treffpunkt ist an den Stelen in der Tiergartenstraße am Eingang zum Erinnerungsort. Der Eintritt zu beiden Angeboten ist frei. Zur besseren Planung wird um Anmeldung gebeten unter 03981-2390999 oder info@kulturquartier-neustrelitz.de
Den Aktivisten, die seit Jahren für die Wiedererrichtung des Neustrelitzer Schlossturms als „Leuchtturm für Demokratie“ kämpfen, reißt allmählich der Geduldsfaden. Bei dem ambitionierten Projekt gibt es seitens der Verantwortungsträger bei Stadt und Land jede Menge Ausreden, aber keine Fortschritte zu verzeichnen. Und die Rahmenbedingungen werden nicht besser. Jetzt wurde ein parteiunabhängiger Einwohnerantrag gemäß Kommunalverfassung angeschoben, zu dessen Untermauerung Unterschriften gesammelt werden.
Beantragt werden soll, dass die Stadtvertretung beschließt, den Schlossturm zum „Leuchtturm für Demokratie“ zu entwickeln. Prinzipiell wird dort die demokratische Entwicklung von Mecklenburg-Strelitz vom 18. Jahrhundert bis heute betrachtet. Der Bürgermeister wird verpflichtet, zu jeder Stadtvertretersitzung über den Sachstand „Schlossturm Neustrelitz“ zu berichten. Im Anhang zum Ausdrucken der Einwohnerantrag nebst Unterschriftenliste und das Nutzungskonzept für den „Leuchtturm für Demokratie“.
Mit einer VollmOnd-Lesung lässt der Hans-Fallada-Klub Neustrelitz am kommenden Donnerstag, den 31. August, den Sommermonat ausklingen. Zu Gast im Hotel Schlossgarten ist der Schweriner Autor Bert Lingnau mit seinem neuen Buch „Steile Hechte“.
Wahre Kriminalfälle aus Mecklenburg-Vorpommern zu ergründen, ist eine Spezialität des Autors, der er schon in seinen vorherigen Geschichten-Sammlungen „Rübe ab!“ und „Singende Barsche“ frönte. Im „bürgerlichen“ Leben Direktor der Landesmedienanstalt, erforscht er Hinter- und Abgründiges aus mehreren Jahrhunderten regionaler Geschichte und gewinnt üblen Vorkommnissen oft auch eine humorige Sicht ab. So auch in seinem neuen Buch: „Da ziehen Wunderheiler durchs Land und treiben Hokuspokus, Stromdiebe zapfen listig Leitungen an und bauernschlaue Gärtner erzählen was vom Pferd. Der Einfallsreichtum der Ganoven ist groß“, verspricht er.
Auch aus dem Strelitzer Land hat er kriminelle Geschichten aufgetan – vielleicht wählt der Autor sie ja aus für die VollmOnd-Lesung in der Residenzstadt. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr im Hotel Schlossgarten. Karten gibt es an der Abendkasse, im Eintrittspreis von 8,50 Euro ist ein Freigetränk enthalten.
Leider fällt die Führung durch Neustrelitz mit Sandra Lembke als Zettelträger Geisler am kommenden Sonntag, 20. August, um 10.30 Uhr, krankheitsbedingt aus. Das teilt das Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz mit. Strelitzius wünscht seiner Blogfreundin gute Besserung.
Am kommenden Wochenende findet im Slawendorf in Neustrelitz die schon traditionelle Sonderveranstaltung zur gelebten Geschichte statt. Neben dem Geschichtsschauspiel in drei Akten werden auf der Anlage am Zierker See historisches Handwerk, Kampfvorführungen und ein buntes Lagerleben zu sehen sein. Unter anderem gibt es am Sonnabend um 16.30 Uhr sowie am Sonntag um 16 Uhr Fachvorträge.
Die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MecklenburgVorpommern (SSGK M-V) laden am 19. Juli zum Luisen-Tag auf Schloss Hohenzieritz ein. Ab 13.30 Uhr können Besucherinnen und Besucher ein spannendes Veranstaltungsprogramm für Klein und Groß erleben.
Ein besonderes Highlight ist um 14 Uhr die offizielle Freigabe der Audio- und Medienguide-App der SSGK M-V durch die Kulturministerin Bettina Martin und die Direktorin der SSGK M-V, Dr. Pirko Kristin Zinnow. Die neue App bietet verschiedene digitale Spaziergänge durch die Geschichte des Schlossgartens Hohenzieritz – für Kinder und Familien, kunsthistorisch interessierte Jugendliche und Erwachsene, auch in englischer und Leichter Sprache. Interessierte Gäste können die App im Anschluss direkt auf das eigene Smartphone herunterladen und beim geführten Parkrundgang direkt ausprobieren.
Amüsante Unterhaltung für Kinder und Familien bietet zudem Puppenspielerin Katharina Sell vom Figurentheater „Ernst-Heiter“. Die Gäste erleben bei ihr Königin Luises Oberhofdame Frau von Voss als Figur im Schlosspark! Begleitet wird sie von Gitarrist Stefan Grasse mit malerischen Musikstücken.
Einen digitalen 360-Grad-Rundgang durch die frühere Haftanstalt auf dem Neubrandenburger Lindenberg zu ermöglichen, ist das Ziel eines aktuellen Kooperationsprojektes der Hochschule Neubrandenburg und der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg. Im Mai dieses Jahres wurden die Räumlichkeiten digital erfasst. Seitdem wird das Material bearbeitet und für die öffentliche Präsentation vorbereitet. Mit einem Ergebnis ist im Herbst 2023 zu rechnen.
Enge Zusammenarbeit mit Zeitzeugen
Aufgrund der Größe der Haftanstalt wurden einzelne Räume und Flächen ausgewählt, die später digital zu sehen sein werden. Dieser Prozess wurde von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen begleitet, die zwischen 1987 und 1989 Inhaftierte des Ministeriums für Staatssicherheit in der Haftanstalt waren. Die Entscheidung fiel vor allem für Orte, die den Alltag in der Haftanstalt prägten, Teile der originären Grundstruktur sichtbar machen und einen gesamträumlichen Eindruck vermitteln.
Das hohe öffentliche Interesse an einem Blick hinter die Mauer zeigte sich im Sommer 2022, als rund 1.000 Menschen den Aktionstag Lindenberg nutzten, um die Haftanstalt zu begehen. Der digitale Rundgang macht auch Räume sichtbar, die damals nicht zu sehen waren.
Die Haftanstalt wurde in den Jahren 1987 bis 1989 von der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) genutzt und Anfang der 1990er Jahre umgebaut. Danach folgte eine rund 30-jährige Nutzung als Justizvollzugsanstalt. Das Objekt wurde im Jahr 2018 geschlossen. Unterstützung erfährt das Projekt zur Digitalisierung des Objektes durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie Mecklenburg-Vorpommern e. V. (RAA MV e.V.).
Horst Conradt, Kathrin Matern und Dr. Marcus Doering (von rechts) im Hof der KOF.
Das Kulturzentrum Alte Kachelofenfabrik Neustrelitz besteht seit 30 Jahren. Es hat also allen Grund zum Feiern und will das in dieser Woche natürlich mit möglichst vielen Besuchern tun. Von Donnerstag bis Sonnabend wird dazu auf dem Festgelände zwischen Hof und Scheune ein buntes Veranstaltungsangebot (siehe Anhang) für wohl jeden Geschmack bereitgehalten, das die Vorstandsmitglieder des mehr als 30-köpfigen Vereins für Kultur, Umwelt und Kommunikation – Sozio-Kulturelles Zentrum Alte Kachelofenfabrik (VfKK), Kathrin Matern und Horst Conradt, sowie vom erweiterten Vorstand Dr. Marcus Doering heute Journalisten vorstellten. Der Vorstand hat sich erst vor zwei Monaten neu formiert, ihm gehört auch noch Friederike Fiß an. Ebenfalls verhindert war Martin Geyer, Geschäftsführer der basiskulturfabrik – gesellschaft für kunst & tourismus mbh.
„Es sah nicht immer so aus, als ob die Alte Kachelofenfabrik (KOF) als Kulturzentrum ihren 30. Geburtstag erleben würde“, blickte Conradt auf bewegte drei Jahrzehnte zurück. Heute stehe das Kulturzentrum mit Hotel und Gaststätte auf soliden Füßen. „Im Notfall könnten wir unsere Kultur auch allein finanzieren“ so der Kinoleiter, „wir sind aber froh über die kontinuierliche Förderung durch Stadt und Landkreis“. Auch die regelmäßig vom Land vergebenen dotierten Kinoprogrammpreise seien sehr hilfreich. Und für die unterschiedlichsten Projekte würden ohnehin unermüdlich Fördermittel eingeworben.
Zusammenbruch der Förderung wäre schmerzlich
„Ich kann angesichts der immer schwierigeren Rahmenbedingungen nur hoffen, dass die Kulturförderung durch Land und Bund stabil bleiben“, betonte Conradt auch mit Blick auf die Partner der KOF, darunter das aus seiner Sicht mit der KOF ideal kooperierende Landestheater Neustrelitz. „Ein Zusammenbruch wäre extrem schmerzlich“, ergänzte der frühere Weingroßhandelskaufmann und Lehrer, der 1991 aus dem Hessischen nach Neustrelitz kam. Hier hatte er die Alte Kachelofenfabrik von seinem Vater geerbt, und hier wurde er im Rathaus Amtsleiter für Kultur, Information und Tourismus. Seines Bleibens dort war aber nicht lange, seine Pläne waren andere. Nur zwei Jahre später erlebten das Fabrikkino und damit das Kulturzentrum KOF ihre Geburtsstunde.
Conradt trug beim Pressegespräch beeindruckende Zahlen vor. Rund 1,6 Millionen Euro sind in die denkmalgeschützte KOF und das Öko-Hotel geflossen, noch einmal 340.000 Euro in die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Scheune, letzte ihrer Art von ehemals acht am Sandberg. Über 4000 Filme in mehr als 12.000 Vorstellungen wurden aufgeführt, viele von starkem gesellschaftlichen und aktuell-politischem Bezug, begleitet von Gesprächen und Diskussionen, die immer von großer Fachkunde geprägt seien. Bis zur Corona-Pandemie erlebten die Aufführungen 12.000 bis 14.000 Zuschauer pro Jahr. Eine Erholung nach dem Einbruch ist leider noch nicht eingetreten. In diesem Zusammenhang würdigte der Kinoleiter die Verdienste des Filmclubs als exemplarisch für den ungeheuren Aufwand an ehrenamtlicher Arbeit, die das Kulturzentrum auszeichnet. „Das Jubiläumsfest wird auch Anlass sein, den vielen Ehrenamtlichen Dank zu sagen“, fügte Kathrin Matern hinzu.
Über 150 Ausstellungen von Künstlern aus der Region, ganz Deutschland und dem Ausland wurden in der Galerie gezeigt. Die nächste Vernissage mit Künstlergespräch ist für den 21. Juli angekündigt. Dann werden Arbeiten von Sebastian Maiwind und Ramona Seyfarth präsentiert.
Für die Scheune zwölf Jahre gekämpft
Seit Eröffnung der Fabrik.Scheune 2021 in ihrer schönen Würde, ob mit zwanzig oder mit 140 Besuchrn gefüllt, haben die unterschiedlichsten Konzerte einen wachsenden Anteil am Programm der KOF. „Der Baustein fehlte, der VfKK hat zwölf Jahre für die Scheune gekämpft“, informierte Horst Conradt. Jüngstes Pflänzchen, was in Ruhe gedeihen könne, sei die digitale Kunst, betonte der Lichtkünstler Marcus Doering. Die Bedingungen, die die KOF und die Scheune samt Gelände bieten, seien wirklich toll. „Was mich besonders beeindruckt ist, dass hier nichts drübergebügelt wurde, sondern alles organisch gewachsen ist.“
Durch die vielen Partner – vom Imkerverband bis zur Grundschule – bleibe die KOF immer dicht an der Realität, bekräftigten die Einlader übereinstimmend. Stärker zugegangen werden soll auf Kinder und Jugendliche, unter anderem durch eine beständigere Kooperation mit Schulen. So ist ein Literaturfestival für Schüler geplant. Gerade mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen, sei allerdings nicht einfach, räumte Horst Conradt nach Erfahrungen mit Jugendbeirat Neustrelitz und Fridays-for-Future-Aktivisten ein. „Aber wir bleiben offen und sehen, dass wir immer noch was Neues finden. Berührungspunkte sollte es eigentlich genug geben.“
Abschließend versicherte der Kulturarbeiter, dass in der Alten Kachelofenfabrik auch weiter „Woche für Woche an einem anspruchsvollen Programm gestrickt wird“. Conradt versäumte es nicht, die ideale Kombination von Kultur und Kneipe herauszustellen. „Die Kulinarik gehört unbedingt zu unserer Erfolgsbilanz. Leider stehen wir in der Gaststätte, vornehmlich in der Küche, immer noch vor einem Arbeitskräfteproblem. So können wir gastronomisch nicht alles umsetzen, was wir uns so vorstellen.“