Noch hat sich der Sommer gar nicht verabschiedet, da steht bereits der KulturHerbst 2023 in der Mecklenburgischen Seenplatte vor der Tür. Vom 9. bis 24. September können sich Kulturbegeisterte auch in diesem Jahr auf außergewöhnliche Konzerte, Lesungen, Theaterstücke, Workshops, Ausstellungen und viele weitere tolle Angebote freuen.
Zum Auftakt der beliebten Veranstaltungsreihe am 9. September um 18 Uhr in der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz lockt eine Vernissage, die Arbeiten regionaler und rumänischer Künstlerinnen und Künstler aus unserem Partnerkreis Bistritza-Nasaud zeigt. Der Clou dabei: die Exponate entstehen erst unmittelbar zuvor in einem gemeinsamen Symposium in Neustrelitz. Die Kunstschaffenden werden in einer kleinen Gesprächsrunde von ihren Erlebnissen während der gemeinsamen Woche berichten, und im Anschluss kann die Gemeinschaftsausstellung in den Galerieräumen im Obergeschoss besichtigt werden.
Horst Conradt, Kathrin Matern und Dr. Marcus Doering (von rechts) im Hof der KOF.
Das Kulturzentrum Alte Kachelofenfabrik Neustrelitz besteht seit 30 Jahren. Es hat also allen Grund zum Feiern und will das in dieser Woche natürlich mit möglichst vielen Besuchern tun. Von Donnerstag bis Sonnabend wird dazu auf dem Festgelände zwischen Hof und Scheune ein buntes Veranstaltungsangebot (siehe Anhang) für wohl jeden Geschmack bereitgehalten, das die Vorstandsmitglieder des mehr als 30-köpfigen Vereins für Kultur, Umwelt und Kommunikation – Sozio-Kulturelles Zentrum Alte Kachelofenfabrik (VfKK), Kathrin Matern und Horst Conradt, sowie vom erweiterten Vorstand Dr. Marcus Doering heute Journalisten vorstellten. Der Vorstand hat sich erst vor zwei Monaten neu formiert, ihm gehört auch noch Friederike Fiß an. Ebenfalls verhindert war Martin Geyer, Geschäftsführer der basiskulturfabrik – gesellschaft für kunst & tourismus mbh.
„Es sah nicht immer so aus, als ob die Alte Kachelofenfabrik (KOF) als Kulturzentrum ihren 30. Geburtstag erleben würde“, blickte Conradt auf bewegte drei Jahrzehnte zurück. Heute stehe das Kulturzentrum mit Hotel und Gaststätte auf soliden Füßen. „Im Notfall könnten wir unsere Kultur auch allein finanzieren“ so der Kinoleiter, „wir sind aber froh über die kontinuierliche Förderung durch Stadt und Landkreis“. Auch die regelmäßig vom Land vergebenen dotierten Kinoprogrammpreise seien sehr hilfreich. Und für die unterschiedlichsten Projekte würden ohnehin unermüdlich Fördermittel eingeworben.
Zusammenbruch der Förderung wäre schmerzlich
„Ich kann angesichts der immer schwierigeren Rahmenbedingungen nur hoffen, dass die Kulturförderung durch Land und Bund stabil bleiben“, betonte Conradt auch mit Blick auf die Partner der KOF, darunter das aus seiner Sicht mit der KOF ideal kooperierende Landestheater Neustrelitz. „Ein Zusammenbruch wäre extrem schmerzlich“, ergänzte der frühere Weingroßhandelskaufmann und Lehrer, der 1991 aus dem Hessischen nach Neustrelitz kam. Hier hatte er die Alte Kachelofenfabrik von seinem Vater geerbt, und hier wurde er im Rathaus Amtsleiter für Kultur, Information und Tourismus. Seines Bleibens dort war aber nicht lange, seine Pläne waren andere. Nur zwei Jahre später erlebten das Fabrikkino und damit das Kulturzentrum KOF ihre Geburtsstunde.
Conradt trug beim Pressegespräch beeindruckende Zahlen vor. Rund 1,6 Millionen Euro sind in die denkmalgeschützte KOF und das Öko-Hotel geflossen, noch einmal 340.000 Euro in die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Scheune, letzte ihrer Art von ehemals acht am Sandberg. Über 4000 Filme in mehr als 12.000 Vorstellungen wurden aufgeführt, viele von starkem gesellschaftlichen und aktuell-politischem Bezug, begleitet von Gesprächen und Diskussionen, die immer von großer Fachkunde geprägt seien. Bis zur Corona-Pandemie erlebten die Aufführungen 12.000 bis 14.000 Zuschauer pro Jahr. Eine Erholung nach dem Einbruch ist leider noch nicht eingetreten. In diesem Zusammenhang würdigte der Kinoleiter die Verdienste des Filmclubs als exemplarisch für den ungeheuren Aufwand an ehrenamtlicher Arbeit, die das Kulturzentrum auszeichnet. „Das Jubiläumsfest wird auch Anlass sein, den vielen Ehrenamtlichen Dank zu sagen“, fügte Kathrin Matern hinzu.
Über 150 Ausstellungen von Künstlern aus der Region, ganz Deutschland und dem Ausland wurden in der Galerie gezeigt. Die nächste Vernissage mit Künstlergespräch ist für den 21. Juli angekündigt. Dann werden Arbeiten von Sebastian Maiwind und Ramona Seyfarth präsentiert.
Für die Scheune zwölf Jahre gekämpft
Seit Eröffnung der Fabrik.Scheune 2021 in ihrer schönen Würde, ob mit zwanzig oder mit 140 Besuchrn gefüllt, haben die unterschiedlichsten Konzerte einen wachsenden Anteil am Programm der KOF. „Der Baustein fehlte, der VfKK hat zwölf Jahre für die Scheune gekämpft“, informierte Horst Conradt. Jüngstes Pflänzchen, was in Ruhe gedeihen könne, sei die digitale Kunst, betonte der Lichtkünstler Marcus Doering. Die Bedingungen, die die KOF und die Scheune samt Gelände bieten, seien wirklich toll. „Was mich besonders beeindruckt ist, dass hier nichts drübergebügelt wurde, sondern alles organisch gewachsen ist.“
Durch die vielen Partner – vom Imkerverband bis zur Grundschule – bleibe die KOF immer dicht an der Realität, bekräftigten die Einlader übereinstimmend. Stärker zugegangen werden soll auf Kinder und Jugendliche, unter anderem durch eine beständigere Kooperation mit Schulen. So ist ein Literaturfestival für Schüler geplant. Gerade mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen, sei allerdings nicht einfach, räumte Horst Conradt nach Erfahrungen mit Jugendbeirat Neustrelitz und Fridays-for-Future-Aktivisten ein. „Aber wir bleiben offen und sehen, dass wir immer noch was Neues finden. Berührungspunkte sollte es eigentlich genug geben.“
Abschließend versicherte der Kulturarbeiter, dass in der Alten Kachelofenfabrik auch weiter „Woche für Woche an einem anspruchsvollen Programm gestrickt wird“. Conradt versäumte es nicht, die ideale Kombination von Kultur und Kneipe herauszustellen. „Die Kulinarik gehört unbedingt zu unserer Erfolgsbilanz. Leider stehen wir in der Gaststätte, vornehmlich in der Küche, immer noch vor einem Arbeitskräfteproblem. So können wir gastronomisch nicht alles umsetzen, was wir uns so vorstellen.“
Anläßlich des 30jährigen Bestehens des Kulturzentrums Alte Kachelofenfabrik in Neustrelitz kehrt am kommenden Donnerstag, 13. Juli, um 19.30 Uhr der Film zurück ins Fabrik.Kino, der da vor genau 30 Jahren die Ära des Kinos am Sandberg eröffnet hatte. Der erste Film, der damals hier gezeigt wurde, war „Vincent van Gogh – Der Weg nach Courrières“. Und vor genau 30 Jahren waren die Regisseure des Films, Christoph Hübner und Gabriele Voss, im Fabrik.Kino. Und sie sind am kommenden Donnerstag wieder in Neustrelitz, um mit den Neustrelitzer Kunst-, Kultur- und Filminteressierten über ihren Film ins Gespräch zu kommen.
Der Film erzählt die weithin unbekannten Anfänge des Wirkens von Vincent van Gogh, gestaltet auf der Grundlage von van Goghs Briefen an seinen Bruder Theo. Geschildert werden drei Stationen in van Goghs Leben: sein Dasein als Laienprediger unter den Bergleuten der Borinage in Belgien (1878 bis 1880), sein einsamer Aufenthalt in der holländischen Moorprovinz Drenthe und sein Leben als Außenseiter im Elternhaus in Nuenen, wo er als Maler bis 1885 blieb. Die über hundertdreißig Jahre alten Briefe gewinnen in Verbindung mit zeitgenössischen Ortsansichten an überraschender Lebendigkeit.
„Wir wünschen uns ein interessiertes Publikum an diesem Abend, und ich bin gespannt, wie ‚frisch‘ der Film geblieben ist, bin aber sicher, daß die Begegnung mit dem Film und seinen Schöpfern – jetzt 30 Jahre später – ein absolut guter Auftakt sein wird für die nächsten Tage, an denen am Sandberg mit vielen Gästen das 30jährige Bestehen gebührend gefeiert wird“, so Horst Conradt, Mit-Gründer des Kulturzentrums und Kinoleiter.
Vintage Jazz Funk – ein LIVE-KONZERT vom Feinsten mit dem Jo Aldingers Downbeatclub ist am Donnerstag, 22. Juni, um 19.30 Uhr in der Fabrik.Scheune der Alten Kachelofenfabrik zu genießen. Der Downbeatclub groovt. Rockige, Blues-basierte Riffs lassen einen an Bands aus den 70ern wie “The Meters” denken, der über allem stehende lässige funky Groove auch an “Scofield Medeski Martin and Wood”. Meist mit Geschichten und Bezügen zu Kunst und Film garniert, erzeugen die drei Clubmitglieder mit ihren Songs in höchstem Maße mitreißende Stimmungen.
Die extrem kurzweiligen Songstrukturen, in denen sich immer wieder auch in den Gesamtklang eingebettete Soli ergeben, lassen ein einzigartiges Konzerterlebnis entstehen, das an Intensität seinesgleichen sucht. Pulsierende Beats lösen Raum und Zeit auf hypnotische Weise auf. Chamäleonartig passen sie ihre musikalischen Farbgebungen einander an und erschaffen so ein einzigartig homogenes und klares Klangbild. Energiegeladen. Treibend. Bewusstseinserweiternd.
Die flirrende Weite, die diese Band erzeugt, lässt tatsächlich mehr als drei Musiker vermuten. Ein beeindruckendes Zusammenspiel, erzeugt durch die ausgereifte Balance von Präzision und individueller Freiheit. In vier Worten? “Down, Dirty and Funky”. Das sagte der US Gitarren-Star Will Bernard schon 2012 zum Downbeatclub. Dieses Motto haben die drei Musiker konsequent weiterentwickelt. Die Konzerte sind zu hypnotischen Feuerwerken geworden.
Ein Jazz-Konzert mit der Band „Four Fauns“ findet im Rahmen des Neustrelitzer Strelitzienfestes am kommenden Sonnabend, 10. Juni, um 19.30 Uhr, in der Fabrik.Scheune der Alten Kachelofenfabrik statt. Der Eintritt ist frei! „Four Fauns“, das sind Tilo Weber (Druns & Compositions), Richard Koch (Trumpet), Claudio Puntin (Clarinet) und James Banner (Bass).
Der Berliner Schlagzeuger Tilo Weber besitzt die einzigartige Fähigkeit, sich komplett hinter seiner Musik zurückzunehmen. Diese Gabe hat er schon mit mehreren Formationen unter Beweis gestellt, aber nie zuvor zu so unerhörter Vollkommenheit geführt wie auf „Faun Renaissance“, der zweiten Platte seiner Band „Four Fauns“. Auf dieser findet sich „Se La Mia Morte Brami“, ein Werk, für das Tilo Weber 2022 den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie Arrangement des Jahres erhielt.
Alle guten Dinge sind drei“ heißt es bekanntlich, und so startet der dritte und nicht minder zuversichtliche und herzliche Anlauf zu folgendem Vortrag mit anschließender Diskussion am Mittwoch, den 7. Juni, um 19.30 Uhr, in die Galerie im 1.OG der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz einzuladen: Deutsche Berichterstattung in Kriegszeiten – Die Wahrheit stirbt zuerst. Der renommierte und mehrfach ausgezeichnete Journalist Roberto Sanchez kommt auf Einladung des #unteilbar-Bündnisses „Solidarisches Neustrelitz“ nach Neustrelitz.
Ein Live-Konzert mit der VICKI KRISTINA BARCELONA BAND – NEW YORK gibt es am Sonnabend, 6. Mai, um 19.30 Uhr, in der Fabrik.Scheune der Alten Kachelofenfabrik Neustrelitz. VKB Band, das sind Rachelle Garniez, Amanda Homi und Mamie Minch, ein Power-Trio von gefeierten New Yorker Künstlerinnen, die sich zusammengetan haben, um die Songs von Tom Waits neu zu interpretieren. Mit ihren erhebenden und einfallsreichen Gesangsharmonien und einem Schatz an Instrumenten wie Banjos, Flaschen, Quetschkommoden und Tröten schaffen sie eine Klangwelt, die zugleich kraftvoll, verspielt und ergreifend ist.
Jede von ihnen ist eine Mischung aus Geschichtenerzählerin und Multiinstrumentalistin, die ihr jeweiliges Handwerk mit über 100 Jahren Erfahrung im Showgeschäft ausübt. Sie treffen sich an der Kreuzung von Tragödie und Komödie, um die wunderschönen Rohdiamanten der Waits-Songs auszugraben und auf Schritt und Tritt neue Facetten freizulegen. Drei New Yorker Frauen, im “Best Ager Alter” fanden sich zusammen, um eine der interessantesten New Yorker Formationen zu bilden. Im Januar 2023 legen Sie bei JARO MEDIEN ihr zweites Album auf.
Was sind wir bereit, für unsere Freiheit zu bezahlen? Was können wir tun, um unsere Freiheit zu sichern? Und was zählt eigentlich mehr ─ die individuelle Freiheit oder das gemeinsame Gut der Freiheit?
Das sind nur einige Fragen, die im Theaterprojekt „Der Preis der Freiheit“ von Tatjana Rese, Matthias Eckoldt und Joris Löschburg zur Debatte stehen. In der Scheune der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz präsentieren Schauspieler*innen am kommenden Donnerstag, den 27. April, um 19.30 Uhr Szenen, Texte und Lieder aus dem mitreißenden Abend. Außerdem werden Ausschnitte aus dem eigens entwickelten „Archiv der Freiheit“ gezeigt, in dem Menschen aus dem Landkreis über ihre ganz persönlichen Träume von Freiheit sprechen.
Das Publikum ist im Anschluss herzlich eingeladen, mit dem Team über Freiheit und Theater zu diskutieren! Der Eintritt ist frei!