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Werbung ist doch ein ganz wunderbares Geschäft. Sie liefert aber auch genügend Munition, um sich daran zu wetzen. Mir genügte gestern ein Gang durch die Zierker Straße in Neustrelitz, um mal wieder nachzuladen. Da gibt es einen Anbieter, der für noch mehr Absatz der in diesen Tagen unentbehrlichen Mund-Nasen-Schutzmasken einen Aufsteller platzierte. Auf diesem wird angespriesen, dass die textile Bedeckung, halten Sie sich fest, mit Ohrenschlaufen versehen ist.
Das haut den Interessenten an einer neudeutsch „Munaske“ schon einigermaßen um. Die muss man einfach haben, Mensch, jetzt mit Ohrenschlaufen! Und dann noch made in Germany! Immerhin hat der Anbieter noch die Kurve gekriegt. Denn im Schaufenster daneben ist ein revolutionärer Ganzkopf-Coronaschutz zu bewundern. Der kommt nun glatt ohne Ohrenschlaufen aus. Wenn auch nicht ohne Schleifen.
Apropos made in Germany: Zu Beginn der Corona-Krise hatte sich ein deutscher Sportartikel-Hersteller der Kritik ausgesetzt. Der hatte vor lauter Wunsch schnell zu helfen eine Maske auf den Markt geworfen, die laut Konkurrenz völlig wirkungslos war. Das Teil war tatsächlich über zwei Schleifen am Hinterkopf zu befestigen und erinnerte so ein bisschen an die Modelle zu Zeiten der Spanische Grippe vor 100 Jahren.
Nun weiß man ja nicht, wie lange der Aufsteller in der Zierker Straße schon aufgestellt ist. Möglicherweise war die Ohrenschlaufe gerade erst erfunden.

Zu dieser Glosse schreibt mir Anke Klein vom Sanitätshaus Klein in Neustrelitz:
Lieber Herr Gross,
schön, dass unser Aufsteller Sie so erheitern konnte. Im Grunde treffen Sie mit Ihrem letzten Satz den Nagel auf den Kopf – das Schild haben wir aufgestellt, als die Maskenpflicht eingeführt wurde. Auslöser war ein Artikel im Nordkurier am 25.04.2020 mit dem Titel „Masken in Neustrelitz kaufen? Fehlanzeige!“ (https://www.nordkurier.de/neustrelitz/masken-in-neustrelitz-kaufen-fehlanzeige-2439169704.html). Leider wurden nur Apotheken über ihre Lieferfähigkeit befragt. Da wir auch zu diesem Zeitpunkt schon verschiedene Maskenmodelle anbieten konnten, landete das Schild vor der Ladentür.
Die Ohrenschlaufen sind dabei tatsächlich keine Selbstverständlichkeit. Als im März die ersten Angebote von Herstellern kamen, waren nur solche mit Nackenbändern und später dann mit Nackengummis zu haben. Und wir waren froh, dass wir überhaupt etwas anbieten konnten. Gar nicht mal wegen des „guten Geschäftes“, das wir wahrlich lieber mit anderen Artikel machen würden. Da die Pandemie jedoch nun mal da ist, beschäftigen wir uns seit Wochen mit der Beschaffung von Hygieneartikeln und Schutzausrüstung. Statt das Vorhandene zu horrenden Preisen zu verkaufen – was durchaus möglich wäre – halten wir die Preise moderat und geben nur so viel ab, dass der nächste Kunde und vor allem professionelle Abnehmer wie Ärzte und Pflegedienste sich auch in dieser Extremsituation auf unsere Lieferfähigkeit verlassen können. Und sogar öffentliche Einrichtungen in Neustrelitz und Umgebung konnten durch unsere gute Einkaufsorganisation ihre Wiedereröffnung zeitnah organisieren.
Um noch einmal auf die „Ohrenschlaufen“ zurückzukommen: nach wie vor werden Masken mit Nackenbändern und -gummis auch noch gern gekauft, zum Beispiel von örtlichen Restaurants für ihr Personal. Auch Ärzte bevorzugen mitunter – sogar bei den Einweg-OP-Masken – solche mit Bindebändern. Manchmal ist die Welt eben doch vielfältiger, als man sich bei einem sonntäglichen Spaziergang vorstellen kann. Aber wenn dabei Heiterkeit herausspringt und wir in Ihrem Blog landen, dann ist es doch – nach dem Motto „bad news are good news“ – eine sogenannte Win-Win-Situation. Bleiben Sie so fröhlich!