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Sebastian Tewinkel, Tatjana Rese, Malte Bähr und Sven Müller nach der Pessekonferenz.

Die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz geht mit einem prallen Programm breit aufgestellt in die neue Spielzeit. Das wurde auf der heutigen Pressekonferenz im Landestheater der Residenzstadt deutlich, in normalen Zeiten immer im Mai fällig. Im Namen aller Mitwirkenden seines Hauses brachte Intendant Sven Müller die Hoffnung zum Ausdruck, dass trotz derzeit wieder steigender Infektionszahlen in Deutschland und der Welt der Spielplan umgesetzt werden kann. Natürlich habe er auch einen Plan B und einen Plan C in der Schublade, könne Spielplananpassungen nicht ausschließen, aber noch setze er auf Plan A. Und so schlecht sehe es seitens des Gesetzgebers nicht aus. An der Pressekonferenz nahmen auch Schauspieldirektorin Tatjana Rese, GMD und Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie Sebastian Tewinkel und der Kaufmännische Geschäftsführer Malte Bähr teil.

Förderung bis 2028 gesichert

An Bähr war es, gleich zwei frohe Botschaften verkünden zu dürfen. Zum einen hätten sich Gesellschafter und Land über die Zuwendungen für die TOG geeinigt. Die Theaterförderung fließe in der geplanten Höhe, und es bestehe nun Planungssicherheit für den Spielbetrieb bis 2028. Auch am Personalbestand gebe es keine Abstriche, zudem seien wichtige Investitionen abgedeckt. „Ich bin froh, dass beide Seiten Wort gehalten haben, wir verfügen jetzt über eine solide Basis“, so Bähr. Er informierte zugleich darüber, dass die TOG im Herbst ihre neue Theaterwerkstatt am Bürgerseeweg in Betrieb nehmen wird. Hochbau und die Gestaltung der Außenanlagen seien abgeschlossen. Wie Strelitzius auf Nachfrage beim Intendanten erfuhr, soll dem Theater 2023 außerdem der gegenwärtig durch das Land in Umbau und Sanierung befindliche Marstall zur Verfügung stehen. Die Tage des Probenhauses sind also gezählt. Es wird nach Herrichtung vom Straßenbauamt genutzt.

Hoffen auf volle Besetzung

Zum künstlerischen Teil: Den Reigen eröffnete Sebastian Tewinkel. Die Neubrandenburger Philharmonie plant in dieser Spielzeit zwischen September und Juni unter anderem zehn Philharmonische Konzerte. Über einigen im kommenden Jahr steht noch ein Fragezeichen, da Tewinkel bekanntlich im Sommer 2023 seinen Abschied nimmt. Die Stelle ist ausgeschrieben und die Bewerber und Bewerberinnen sollen schon in der zweiten Spielzeithälfte dem Publikum vorgestellt werden. Der Generalmusikdirektor sprach von einem bunten, abwechslungsreichen Programm, darunter wegen Corona ausgefallene Stücke, die ihm besonders lieb waren.

„Artist in residence“ ist aktuell der amerikanische Posaunist und Komponist Mike Svoboda, der für die Neubrandenburger Philharmonie ein Stück geschrieben hat. Sebastian Tewinkel wünscht sich natürlich für sein Orchester eine volle Besetzung. Während in der Konzertkirche in Neubrandenburg die Abstandsregel eingehalten werden könne, sei sie im Orchestergraben des Landestheaters „ein Ding der Unmöglichkeit“ und zwinge zur Reduzierung des Klangkörpers. Im Spielzeitprogramm der Philharmonie sind außerdem wie gewohnt Sonderkonzerte und Gastspiele aufgelistet. „Wir hatten immer wieder wunderbare Projekte, und es war frustrierend, sie nicht realisieren zu können“, betonte Tewinkel abschließend mit dem Wunsch nach einem nun wieder geregelten Ablauf.

Welt im Umbruch

Schauspieldirektorin Tatjana Rese unterstrich bei ihrem Ausblick, dass sich die Welt vor einem großen Umbruch befinde, „der auch uns bewegt“, und sich das Theater dieser Situation selbstverständlich stellen müsse, wenn es seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft behaupten will. Exemplarisch dafür sei das vor seiner Uraufführung am 4. September stehende Kooperationsprojekt „Solaris – Requiem für einen Planeten“ nach dem Roman des „großen philosophischen Fragenstellers“ Stanislaw Lem über die Zukunft der Menschheit. „Wir stemmen da Großes“, kommentierte die Theaterfrau. Büchners „Woyzeck“ (Oktober) oder „Die Blechtrommel“ (Februar) nach dem Roman von Günter Grass seien hingegen Stücke, in denen in die Vergangenheit geblickt wird, um das Heute besser zu begreifen. Das Theater wolle aber auch mit seinem Publikum lachen. „Wir sehnen uns danach“, bekräftigte Tatjana Rese. Die Komödie kommt im Spielplan nicht zu kurz. Mit „Gott in Not“ (Strelitzius berichtete) ist der Auftakt vollbracht, es folgen „Hotel zu den zwei Welten“ (10. September) und „Der Familienrat oder Mama muss weg“ (März).

Außerdem kehrt im Mai kommenden Jahres das Spuktakel „Das Testament der Tante Abigail“ mit der hierzulande populären Magical Mystery Band in einer erweiterten Version „reloaded“ ins Schauspielhaus Neubrandenburg zurück. Grenzenloses Vergnügen ist auch bei der „Extrawurst“ garantiert, die wieder in den Spielplan aufgenommen wurde. Tatjana Rese fügte an, dass das pandemiebedingt betretene Neuland digitaler Theaterproduktionen weiter beschritten wird. „Hier werden wir Stück für Stück dazulernen.“ Auch an zwei Weihnachtsmärchen in Neubrandenburg und in Neustrelitz ist gedacht.

Vorfreude besonders groß

Nicht weniger als zehn Musiktheaterproduktionen sind in der zurückliegenden Spielzeit der Pandemie zum Opfer gefallen. Insofern ist die Vorfreude und Ungeduld der Theaterschaffenden in diesem Bereich besonders groß, und Intendant Sven Müller konnte wirklich tolle Aufführungen ankündigen. Zu den Premieren gehört die Humperdinck-Oper „Dornröschen“ am 25. September, der Komponist war vor 100 Jahren in Neustrelitz verstorben. Tschaikowskis „Eugen Onegin“ wird die Herzen der Opernfreunde im Januar ebenso mit Freude erfüllen wie Bizets „Carmen“ zu den Festspielen im Schlossgarten 2022. Musicalfreunde kommen bei „Blondinen bevorzugt“ im November auf ihre Kosten, Operettenliebhaber im Mai bei „Viktoria und ihr Husar“.

Ein großes Ereignis steht der TOG mit der Uraufführung der Oper „Sophie Charlotte“ von Torsten Harder im April kommenden Jahres ins Haus, die Sven Müller besonders anpries. Er leistete sich voller Bewunderung für die Strelitzer Prinzessin und spätere britische Königin einen Ausflug in die Geschichte. Der berühmten Landestochter eine Oper zu widmen, fördere den Heimatgedanken, sei ein Stück identitätsstiftender Theaterarbeit. Wieder aufgenommen werden das Musical „Heirat mich ein bisschen“ und die Oper „Der Kaiser von Atlantis“.

Das letzte Wort soll Tatjana Rese haben. Sie schreibt im Spielplanheft: „Keinesfalls ist Theater ein Luxus, es ist, wie Kunst und Kultur allgemein, ein demokratisches Grundnahrungsmittel.“ Wie recht die Frau hat!