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Ich wüsste ja, was der Tennisclub Neustrelitz ganz schnell angehen sollte. Ins Theater gleich nebenan pilgern und zuvor noch grillen. Besser noch tags darauf an den Rost, mit mehr Erfahrung. Immerhin, vier Mal besteht noch die Möglichkeit, die Komödie „Extrawurst“ in der Residenzstadt anzuschauen: am 12., 13., 19. und 25. September. Auch wenn mir nicht bekannt ist, wie hoch der Anteil von Neustrelitzer Clubmitgliedern ist, die einen Migrationshintergrund haben.

Allen anderen kulturbeflissenen Menschen kann ich nicht minder empfehlen, das Stück anzuschauen. Es ist ja so was von aus dem Leben gegriffen und auf den Punkt gebracht. Die sparsame Inszenierung, wer braucht mehr, ist ein Volltreffer. Oder, um beim Tennis zu bleiben: ein Ass.

Neuer Anlauf: Corona macht ganz offensichtlich erfinderisch. Die aus der Not geborene Freiluftaufführung vor dem Landestheater ist eigentlich ein Geniestreich. Das ehrwürdige Haus im Hintergrund, Schlossberg und Prinzengarten zur Seite, warum ist es nicht früher eingefallen, hier ausgangs der warmen Jahreszeit zu spielen? Das konnten nicht einmal strenge Auflagen verderben, tolle Idee und intelligente Umsetzung.

Inszenierung bis zum Bierbecher

Zurück zum Stück: Nicht oft so gelacht wie gestern Abend, und das, obwohl uns das Thema alle umtreibt, wenn auch hierzulande vielleicht ein bisschen weniger heftig. Wie gehen wir ach so weltoffenen Demokraten mit unseren Mitbürgern um, deren familiäre Wurzeln nicht in Deutschland liegen, die vielleicht gar noch einer nichtchristlichen Religion folgen? Wollen die überhaupt besonders behandelt sein? Oder braten wir einfach eine „Mehrheitswurst“?

Die Gutmitglieder im Tennisverein von Lengenheide/Utterforst sind der Meinung, dass nur noch kein Moslem den Grand Slam gewonnen hat, weil es beim vereinseigenen Vergnügen keinen separaten, schweinefleischfreien Grill mit „Türkenwust“ gegeben hat. Das andere Extrem: Wir stellen in euren Moscheen auch keine Ballmaschinen auf, meinen die Hardliner.

Dirk Schmidt, Michael Goralczyk, Felix Erdmann, Josefin Ristau und Daniel Felix Adolf bringen bei der Mitgliederversammlung in begeisternder Ensembleleistung die Vorlage von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob ebenso glaubwürdig wie unterhaltend auf die Bühne. Das hat schon Klasse, so lieben wir unser Landestheater und seine Schauspieltruppe. Die Regie führte Oliver Trautwein, die Dramaturgie besorgte Joris Löschburg. Nach einer kurzweiligen Stunde glaubten erprobte Theatergänger an eine Pause, aber da war leider schon Schluss. Zumindest wäre ein zweiter Akt gut denkbar gewesen, die Idee gäbe es allemal her.

Bitterböser, urkomischer Auftakt der Theater und Orchester GmbH in die neue, komplizierte Spielzeit. Ich werde es Herrn Erdogan auch nicht weitersagen. Grill me baby one more time, einfach hingehen! Meine Wurst ist auch deine Wurst!

Und weil wir gerade vom Grillen reden: Teil der tollen Inszenierung war, dass Michael Blum von der „Schiefen Ebene“ in Altstrelitz eingangs passend leckere Würste über Holzkohle legte und mit einem gut bestückten Getränkewagen auch sonst für das leibliche Wohl sorgte. Dazu demnächst hier im Blog mehr.

https://tog.de/projekten/extrawurst/