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Landestheater, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Spielt!, Uraufführung

Was für eine grandiose Uraufführung war da am Samstagabend in Neustrelitz zu erleben! In zwei Akten wurden mit der musikalisch-dramatischen Zeitreise „Spielt!“ 250 Jahre Theater für die Seenplatte auf die Bühne gebracht, und das Mammutvorhaben wurde mit Bravour umgesetzt. Das Publikum im Landestheater wusste das unbedingt zu schätzen, die Begeisterung im Saal kannte schier keine Grenzen (Strelitzius berichtete kurz).
Schauspieldirektor David Czesienski, der die Inszenierung besorgte und mit den Dramaturgen Oliver Lisewski und Martin von Bangen für die Konzeption von „Spielt!“ steht, hatte zuvor auf dem Theatervorplatz im Gespräch mit mir kein Hehl aus seiner Anspannung gemacht. Der tosende Schlussapplaus sei ihm, wie allen auf und hinter der Bühne Mitwirkenden, von Herzen gegönnt. Da dürfte so einiges an Last bei den Beteiligten abgefallen sein. Die exzellent umgesetzte Zeitreise durch ein Vierteljahrhundert Theatergeschichte war zugleich eine beeindruckende Leistungsschau der Theater und Orchester GmbH. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, und meine tiefe Verneigung.
Neubrandenburger Philharmonie in Höchstform
Die musikalische Leitung oblag GMD Daniel Geiss, der die Neubrandenburger Philharmonie zur Höchstform auflaufen ließ. Diesmal der Klagkörper auf der Bühne platziert, dem großen Anlass war es angemessen, zumal die Musikerinnen und Musiker dreifachen Grund zum Feiern haben. Ihr Orchester besteht seit 75 Jahren und hat vor 25 Jahren mit der Einweihung der Neubrandenburger Konzertkirche eine großartige Heimstatt gefunden. Mozart, Lortzing, Wagner, Verdi, Reger, Weill, Orff, Dessau, Eisler, ja sogar Musik von den Scorpions erklangen zum großen Jubiläum in der Residenzstadt, was für ein Genuss!
Der Opernchor, wieder hervorragend einstudiert von Joseph Feigl, ist wahrlich ein Juwel der TOG und hat auch diesmal maßgeblich zum großen Erfolg der Inszenierung beigetragen. Szenenapplaus für das vielbeschäftigte Ensemble, so bei Orffs „Carmina Burana“, hochverdient. Die Deutsche Tanzkompanie, unerlässlicher Partner, durfte bei dieser so ganz besonderen Aufführung nicht fehlen und war durch Nicola Clarissa Gehrling und Axel Rothe erfreulich vertreten.
Köstlich: Geister als Reiseleiter
Dann die Schauspiel-Garde: Köstlich die Idee und ihre Umsetzung, einen alten Schlossgeist und einen jungen Theatergeist als Reiseleiter aufzubieten. Matthias Horn, auch als Napoleon Bonaparte, und Lennart Klappstein sorgten immer wieder für Vergnügen und hatten es sichtlich auch selbst. Schauspieldirektor, Otto von Bismarck und SED-Funktionär waren mit Kit Kanke auch bestens besetzt. Unter die Haut ging ihre Interpretation von Bettina Wegners Lied „Immer wieder eine Lanze werfen“. Kevin Knobloch brillierte als Herzog Adolf Friedrich IV., Herzog Karl II. und Richard Wagner.
Das Musiktheater begeisterte mit den temperamentvollen Primadonnen Laura Scherwitzl, die zwischenzeitlich auch hinreißend die Philharmonie dirigierte, und Laura Albert sowie mit Sina Dollinger unter anderem als Germania. Mit Andrés Felipe Orozco und Robert Merwald sowie Alexander Kiechle und Krzystof Napierala als Chorsolist standen die Herren den Damen nicht nach. Wundervolle Stimmen erklangen an diesem denkwürdigen Abend, beglückend, bewegend.
Großartig gearbeitet
Die Würdigung der opulenten Uraufführung wäre sträflich unvollständig, blieben die Choreographie von Kirsten Hocke, das Bühnenbild von Antonia Bitter und das Kostümbild von Hanna Scherwinski außen vor. Auch hier wurde großartig gearbeitet. Chapeau!
Am 30. Mai und am 12. Juni, jeweils um 19.30 Uhr, erlebt „Spielt!“ noch zwei weitere Aufführungen am Landestheater. Meine unbedingte Empfehlung. Der historische Abriss im Programmheft endet mit dem Jahr 2028. Da läuft der Theaterpakt mit dem Land aus, und die Zukunft der Spielstätten in der Seenplatte sei dann ungewiss. Woran man nicht glauben will, und gleich gar nicht, wenn man Ministerin Bettina Martin am Samstagabend vor der Aufführung gehört hat. Alles Gute, liebes Theater!







