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Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Auch mir passieren Schreibfehler, aber ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen ohne Netz und doppelten Boden, nehme für meine Blogeinträge kein Geld und es gibt je nach Nachrichtenaufkommen Zeiten, zu denen ich am Fließband produziere. Das dürfte bei einer Werbeagentur grundsätzlich anders sein.
Mein „Fundstück des Tages“ stammt vom heutigen Sonntagsausflug ins schöne Neuruppin. Dort „im Corona-Exil“ haben wir es uns nach einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt auf der Seepromenade bei einem frisch Gezapften, einem Caffè Crema aus hauseigener Rösterei und später einer regionalen Bärlauch-Bratwurst, wenn auch alles nur auf die Hand, zwischen zwei Regenfronten gut gehen lassen.
Schlecht geworden ist mir allerdings in der Karl-Marx-Straße der Fontanestadt beim Betrachten der Auslage eines Sanitätshauses. Nicht, dass ich schon meine altersbedingte nähere Zukunft vor Augen hatte. Das nach Eigendarstellung größte ambulante Gesundheits-, Therapie- und Dienstleistungsunternehmen Deutschlands mit einem Jahresumsatz 2018 von 580 Millionen Euro offeriert nämlich auch im Ruppiner Land Rollatoren. Als Sprachkundiger ist man ja inzwischen einiges auf Plakaten in deutschen Landen gewöhnt. Aber wenn ich in einem übersichtlichen Kurztext zwischen Alluminium und Alluminum wählen kann und es sich wahrscheinlich um schnödes Aluminium handelt, dann ist das schon ein starkes Stück. Schade, dass das angebotene Spitzenmodell aus Carbon ist. Allumium wäre als Entgleisung noch frei gewesen.
Tatsächlich hätte ich auch als Mulimillionär für den Aushang mein Geld von der Werbefirma zurückverlangt bzw. hätte die Fehlleistung erst gar nicht öffentlich werden lassen. Selbst für den Aussteller der Werbetafel in Neuruppins Hauptstraße ist sie schlichtweg geschäftsschädigend. Und er dürfte in der Branche nicht allein sein mit dem Bock, der da geschossen worden ist.
Strelitzius bietet seit 1. Januar übrigens journalistische Dienstleistungen an. Ich lese auf Wunsch auch Korrektur, bevor es peinlich wird…
Zu diesem Beitrag schreibt mir Kati Heining aus Neuruppin:
Tatsächlich musste ich ein wenig schmunzeln, was den Bericht über das bekannte Sanitätshaus betrifft. Von was Ihnen offensichtlich schon schlecht wird, ist ja gruselig.Da kann man Ihnen tatsächlich nur wünschen, dass Sie nicht mal ernsthaft krank werden und auf die kompetente und zwischenmenschliche Beratung dort angewiesen sind, weil dann hätten die netten Damen und Herren da ein Riesenproblem.
Aber als „Mulimillionär“ hat man sicherlich ganz andere Luxusprobleme, wie Bärlauchwürstchen essen und Spaziergänge zu machen und sich beschämend über eine Gesundheitsversorgung zu äußern, auf die man offensichtlich alsbald selbst angewiesen sein könnte. Mädels ihr macht einen tollen Job, und euren Kunden ist es Wurscht, ob der Rollator aus Carbon oder Aluminium ist. Hauptsache er rollt und ermöglicht ihnen ein angenehmes Dasein, worauf es tatsächlich ankommt.
Hallo Frau Heining,
schade, dass Sie die Glosse offenbar nicht verstanden haben. Da sucht man als Schreiberling sofort die Schuld bei sich selbst. Es ist hier mitnichten um das Sanitätshaus gegangen. Im Gegenteil, es tut mir leid, dass es durch eine schlampig arbeitende Werbeagentur in Misskredit gerät. Auch bin nicht ich Multimillionär, sondern das Unternehmen, das die Werbetafel in Auftrag gegeben hat. Lesen Sie noch mal in Ruhe, bei mir zu entschuldigen brauchen Sie sich natürlich nicht. Beste Grüße
Strelitzius
Herr Strelitzius,
ich habe Ihre Glosse sehr wohl verstanden als auch, dass Sie nicht dem Geschäft an sich nahe treten wollten. Dennoch sollten Sie vielleicht auch (Mitgefühl vorausgesetzt) verstehen, dass das Personal sich angesprochen fühlt, weil es dieses Schild, ohne es vorher zu überprüfen, im Schaufenster präsentiert hat und den sich nachziehenden Spott der Leute durch den von Ihnen erstellten Bericht, über sich ergehen lassen muss für einen Fehler, den es nicht zu verantworten hat. Das hätte den Mitarbeitern vielleicht erspart bleiben können, wenn man es einfach weniger lächerlich aufgezogen hätte.
Sie brauchen mir natürlich nicht für den Hinweis auf Mitgefühl gegenüber den Mitarbeiter zu danken.
Auch an Sie beste Grüße, und bleiben Sie gesund.
Als Blogbetreiber nehme ich mir das letzte Wort heraus. Wenn die Mitarbeiter des Sanitätshauses tatsächlich entscheiden können, welche Fremdwerbung sie ausstellen und welche nicht, dann empfehle ich, die Tafel schnellstens zu entfernen. Und mein Mitgefühl würde sich in dem Fall, den ich bisher nicht angenommen habe, dann auch in Grenzen halten. Sobald der Lockdown Geschichte ist, kommen wir wieder ins schöne Neuruppin. Wenn auch nicht zum Rollator-Kauf…