Viele von euch werden bei diesem unglaublichen Herbstwetter heute auf Terrassen und Biergärten verteilt sein. Da kommt das obige „Fundstück“ vielleicht gerade recht, das ich vor einiger Zeit im schönen Neuruppin aufgespürt habe.
Ingo Becker (rechts) und Benoit Laine bei einer Modenschau vor ihrem Laden. Fotos: privat
Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich noch mal für einen Damen-Modeladen die Trommel rühre. Vor fünf Jahren hatte ich hier im Blog bereits ein Damen-Wäschegeschäft gerühmt, und das schien mir schon irgendwie grenzübertrittig. Ganz verrückt aber ist, dass beide Lobeshymnen ihren Ursprung in Neuruppin haben.
Schuld daran ist ja nur das Hochwasser. Es hat verhindert, dass wir uns gestern in Berlin eingeschifft haben, um nach Amsterdam zu fahren. Trostpflaster: Shopping in der Fontanestadt Neuruppin, und da sind die Holde und meine Wenigkeit in der Karl-Marx-Straße 34 (Bilderbogenpassage) in das „La Strada“ geraten. Genauer geschrieben, ich in die Sesselecke und meine Holde in die Umkleidekabine. Aus der sie von Zeit zu Zeit groß herauskam, denn Chef Ingo Becker und Partner Benoit Laine holten alles an italienischen Kreationen von den Kleiderstangen, was der ausgefallen kleinen Konfektionsgröße meiner besseren Hälfte entsprach. Und die Teile waren alles andere als von der Stange.
Ich wurde neben den regelmäßigen Zurschaustellungen der Holden – Vorhang auf, Vorhang zu – auf das Vortrefflichste von den Gastgebern unterhalten. Was kein Privileg war, auch weitere Kundschaft wurde zwischenzeitlich mit Freundlichkeit und Esprit überschüttet, wie sie hierzulande mittlerweile mit der Lupe zu suchen sind. Bella Italia, mitten in Brandenburg! Natürlich habe ich solchermaßen animiert auch alles aufgeboten, was mir an Unterhaltungstalent gegeben ist. Kurzum, wir hatten alle Spaß, und das „La Strada“ ist bei uns jetzt gelistet.
Ein gutes neues Jahr wünscht allen Lesern der Strelitzius-Gemeinde mein Blogfreund Gerhard Schneider aus Krümmel. Er macht auf die Abendandacht in der Dorfkirche seines Heimatortes am kommenden Sonnabend, 6. Januar, aufmerksam. Als Gast kommt der Neuruppiner Chor Chorisma. Um 19 Uhr ist Beginn.
Der Maler Schneider hat gleich noch einen Stimmungsaufheller mitgeschickt. „Auch wenn es draußen regnet, über den Wolken scheint die Sonne“, schreibt er zu seinem unten stehenden Bild. Herzliche Grüße zurück nach Krümmel.
Der Kammerchor Chorisma Neuruppin ist mit seiner hervorragenden Arbeit eine kulturelle Instanz in der Region geworden – und für die Musikakademie Rheinsberg ein wichtiger Partner. Der Beirat der Musikkultur gGmbH vergibt deshalb den Förderpreis der Musikakademie Rheinsberg 2023 an das Ensemble aus der Fontanestadt. Verliehen wird die Auszeichnung im Rahmen eines Förderpreiskonzertes, das am Sonntag, 3. September, um 17 Uhr, in der St. Laurentius Kirche Rheinsberg stattfindet.
„Mit dem Förderpreis wird das Engagement dieses stilistisch vielseitigen und künstlerisch hochwertigen Kammerchors gewürdigt, welches im vergangenen Jahr maßgeblich zur Weiterentwicklung des Angebots der Musikakademie beigetragen hat und für die Zukunft eine tragfähige Zusammenarbeit verspricht.“, so heißt es in der Begründung von Jonas Wolf, der im Namen der Musikakademie den Preis übergeben wird. Das Ensemble fungierte als Studiochor im Rahmen der von der Musikakademie neu angebotenen C-Ausbildung für Chorleiter*innen im April diesen Jahres. Außerdem nahm Chorisma am Amateurmusikprojekt der Musikakademie teil, das Ensembles und Chöre in Ostprignitz-Ruppin durch Workshops und Vernetzungsangebote gezielt fördert.
An der Neuruppiner Seepromenade liegen Licht und Schatten dicht beieinander. Dieser Tage gönnten wir uns wieder einmal einen Ausflug an die schönste Seite der Fontanestadt und wurden zunächst enttäuscht. Eigentlich wollten wir in die „Seewirtschaft“ einkehren. Hier hatten wir vor Jahr und Tag ein leckeres Süppchen genossen, das samt Restaurant Appetit auf Wiederkehr und dann mehr Schnabulieren gemacht hatte. Leider standen wir vor einer Information nach Corona mit dem launigen Beginn, es komme erstens anders, und zweitens, als man denkt. Die Gaststätte bleibe weiter geschlossen. Genaueres war nicht zu erfahren. Auf jeden Fall ein beklagenswerter Verlust.
Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Auch mir passieren Schreibfehler, aber ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen ohne Netz und doppelten Boden, nehme für meine Blogeinträge kein Geld und es gibt je nach Nachrichtenaufkommen Zeiten, zu denen ich am Fließband produziere. Das dürfte bei einer Werbeagentur grundsätzlich anders sein.
Mein „Fundstück des Tages“ stammt vom heutigen Sonntagsausflug ins schöne Neuruppin. Dort „im Corona-Exil“ haben wir es uns nach einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt auf der Seepromenade bei einem frisch Gezapften, einem Caffè Crema aus hauseigener Rösterei und später einer regionalen Bärlauch-Bratwurst, wenn auch alles nur auf die Hand, zwischen zwei Regenfronten gut gehen lassen.
Schlecht geworden ist mir allerdings in der Karl-Marx-Straße der Fontanestadt beim Betrachten der Auslage eines Sanitätshauses. Nicht, dass ich schon meine altersbedingte nähere Zukunft vor Augen hatte. Das nach Eigendarstellung größte ambulante Gesundheits-, Therapie- und Dienstleistungsunternehmen Deutschlands mit einem Jahresumsatz 2018 von 580 Millionen Euro offeriert nämlich auch im Ruppiner Land Rollatoren. Als Sprachkundiger ist man ja inzwischen einiges auf Plakaten in deutschen Landen gewöhnt. Aber wenn ich in einem übersichtlichen Kurztext zwischen Alluminium und Alluminum wählen kann und es sich wahrscheinlich um schnödes Aluminium handelt, dann ist das schon ein starkes Stück. Schade, dass das angebotene Spitzenmodell aus Carbon ist. Allumium wäre als Entgleisung noch frei gewesen.
Tatsächlich hätte ich auch als Mulimillionär für den Aushang mein Geld von der Werbefirma zurückverlangt bzw. hätte die Fehlleistung erst gar nicht öffentlich werden lassen. Selbst für den Aussteller der Werbetafel in Neuruppins Hauptstraße ist sie schlichtweg geschäftsschädigend. Und er dürfte in der Branche nicht allein sein mit dem Bock, der da geschossen worden ist.
Strelitzius bietet seit 1. Januar übrigens journalistische Dienstleistungen an. Ich lese auf Wunsch auch Korrektur, bevor es peinlich wird…
Ich habe fünf Jahre lang ein Büstenhalter-Schlüpfer-Trauma mit mir herumgetragen. Bewusst geworden ist es mir erst jetzt. Da stand ich vor einem Männer-Parkplatz. Kein markiertes Revier, in dem ich meinen fahrbaren Untersatz platzieren konnte, sondern ein Rückzugsort für mich höchstselbst. Die erfreuliche Oase habe ich vor „Carolas Miederstübchen“ in der Neuruppiner Bilderbogenpassage entdeckt. Und plötzlich brach das verschüttet Geglaubte wieder auf.
Sommer 2014 – die Holde einschließlich meiner Wenigkeit in Hamburg beim damals noch auswärtigen Kind. Eigentlich war ich ja nur der Chauffeur hin zum Werksverkauf des Unterwäsche-Giganten Hunkemöller irgendwo in der Hansestadt in irgendeiner Lagerhalle. Völlig unvorbereitet, geriet ich mitten auf einen Kriegsschauplatz. Gefühlte 5000 Amazonen rangen um Schnäppchen für Busen und Unterleib. Ich hätte ja die Flucht ergriffen, war als lebender Kleiderständer aber unabkömmlich. Andere Kerle müssen da mehr Erfahrung mit solchen Verkaufsveranstaltungen haben. Mein Geschlecht war so gut wie nicht vertreten.
Längere Zeit konnte ich mit keinem Gastrotipp aufwarten. Das heimische Revier ist weitgehend durchstreift, und für die weiteren Ausflüge fehlte es an Zeit. Deshalb freue ich mich, nach unserem gestrigen Bummel durch das auch um diese Jahreszeit wunderschöne Neuruppin wieder eine Empfehlung aufschreiben zu können. Das „Restaurant Seewirtschaft“ im Resort Mark Brandenburg, direkt an der Uferpromenade gelegen, hat keine Wünsche offengelassen.
Wunderschön eingerichtet, erstklassiger Service, und wäre für den Abend nicht Weihnachtsbaum-Verbrennen mit unseren Wesenberger Nachbarn angesetzt gewesen, hätte ich mir auch mehr gegönnt als die Rote-Bete-Orangen-Suppe. Aber die allein war schon so delikat, dass ich die Mundwinkel gar nicht mehr in die Waagerechte bekommen habe. Dazu gab es wunderbar frisches, gefülltes Brot und ein tschechisches Dunkles vom Hahn.
Wir werden auf jeden Fall wiederkommen – Neuruppin ist von Wesenberg aus über Canow und Rheinsberg in einer Stunde zu erreichen. Und dann steigen wir richtig in die verheißungsvolle Speisekarte ein. Eine Besonderheit: die gläserne Küche mitten im Gastraum. Hier kann der Gast dem Küchenchef beim Zaubern zuschauen.