”Blaubart” – Oper von André-Modeste Grétry, Musikkultur Rheinsberg, Premiere 7. August 2026. Foto: Stefan Gloede
Der Festivalsommer 2026 der Kammeroper Schloss Rheinsberg entwickelt sich erfreulich: Bereits 7.028 Besucher*innen haben in diesem Jubiläumsjahr „H300“ den Weg nach Rheinsberg gefunden. Nun der Höhepunkt der Saison: Am heutigen 7. August feiert André-Erneste-Modeste Grétrys selten gespielte Oper „Blaubart“ im Schlosshof Premiere.
Rasmus Raecke, Tatyana Kashytska, Diego Uzal, Katharina Uzal, Leonid Tenenbaum (von links).
Musique á la mode – am Sonnabend, den 8. August, spielt das Raecke-Streichquartett mit dem Klarinettisten Diego Uzal in der Musikbrennerei ein Konzert, wie es am Hofe von Prinz Heinrich stattfinden könnte. Dieser hätte sich zu seinem Geburtstag nicht mit 300 Jahre alter Musik abspeisen lassen, er hätte Zeitgenössisches gefordert! Und das gibt es an diesem Abend in der Musikbrennerei: Das 1. Streichquartett von Hans-Karsten Raecke und Mozarts Klarinettenquintett. „So…- ein Warnlied“ für Klarinette und Begleitband von Hans-Karsten Raecke, das Trio für Klarinette, Flügel und Violoncello „Avant qu’il disperse le son“ von Diego Uzal und drei Stücke für Streichquartett von Mendelssohn-Bartholdy. Zeitgenössisches damals und heute.
Henning Ruwe (links) und Martin Valenske in Aktion.
Vor rund zwei Jahren ist die Musikbrennerei Rheinsberg in mein Blogger-Leben getreten. Plötzlich bekam ich ihre Veranstaltungshinweise zugeschickt. Meine schon länger währende Partnerschaft mit der Musikkultur Rheinsberg hatte wohl Jane Zahn und ihren Mann Hans-Karsten Raecke dazu ermutigt, mich um Werbung auch für ihre Kulturadresse zu bitten. Was ich seither auch tue, Kulturförderung hört für Strelitzius nicht an der mecklenburgischen Landesgrenze auf.
Seit 35 Jahren ist der Internationale Gesangswettbewerb der Kammeroper Schloss Rheinsberg und das damit verbundene Festival eine Bank in der Entdeckung und Förderung junger Opernstimmen: Das beweist alljährlich der traditionelle Liederabend im malerischen Rokoko-Spiegelsaal des Rheinsberger Schlosses.
Nun ist es am Freitag, 31. Juli, und Samstag, 1. August 2026, jeweils um 18 Uhr wieder so weit: Unter der Leitung der Mezzosopranistin Carolin Masur präsentieren Preisträger*innen des Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg ein facettenreiches Programm. Mit dabei sind die Sopranistin Marie Lina Hanke, die Mezzosopranistin Johanna Götz, der Tenor Mykola Avdieiev und der Bass Maximilian Anger. Am Hammerflügel begleitet Olav Kröger.
Schwierige Zeiten erfordern drastische Maßnahmen. Zum Beispiel einen Gang ins Kabarett am Freitag, 31. Juli, 19.30 Uhr, in der Musikbrennerei Rheinsberg, Königstr. 14 ( Toreinfahrt). Für alle, die noch keine Lust auf Resignation haben, wieder richtig lachen wollen oder meinen, dass der Partner endlich mal vor die Tür muss, gibt es das brandaktuelle Programm „Dumm gelaufen“ der Humorprofis Henning Ruwe und Martin Valenske.
Szene aus dem ersten gemeinsamen Projekt der Musikkultur Rheinsberg und des Opera Collective Ireland im August 2024. Foto: Uwe Hauth
Wie gelingt der professionelle Weg hoch hinauf auf Europas große Opernbühnen? Von solchen Geschichten erzählen aufstrebende Opernsängerinnen und -sänger aus Irland und Deutschland in dem Konzert „Opera Bridge“: Das Programm zeichnet die emotionalen Stationen auf dem Weg von der Hochschule in den internationalen Opernbetrieb anhand ausgewählter Arien von u. a. Händel, Mozart, Wagner, Britten, autobiografischer Texte und Live-Videoprojektionen nach.
Zu erleben ist ein kurzweiliges Programm unter der Leitung von Theatermacherin Sina Schmidt – plant im Anschluss übrigens einen Trinkwettbewerb – an der Schnittstelle von klassischer Musik und digitaler Kunst, das gleichzeitig eine künstlerische (Sinn-)Suche nach Authentizität in einem harten Opernbusiness darstellt. Das kostenfreie Event findet im Rahmen der Kammeroper Schloss Rheinsberg statt: am Donnerstag, 30. Juli, um 19 Uhr, im Schlosstheater.
Foto: Haus Königstr. 14, Copyright Hans-Karsten-Raecke-Stiftung für Neue Musik
Die Zeiger der „Doomsday-Clock“ zeigen bereits 85 Sekunden vor 12 – so nahe schätzen die Internationalen Wissenschaftler gegen den Atomkrieg die Gefahr ein. „Wir von der Musikbrennerei Rheinsberg haben noch Hoffnung, dass die Katastrophe Krieg aufhaltbar ist, und wollen auch anderen mit unserer Musik, unseren Liedern und Texten Mut machen“, heißt es in einer Einladung zur Veranstaltung „12 vor 5 – Frieden ist machbar, Herr Nachbar!“
„Kotzen ist noch kein Gespräch“: Saukomisch und pointiert wie immer, liest die Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser am kommenden Freiag, 24. Juli, in der Musikbrennerei Rheinsberg aus ihrem neuen, noch nicht veröffentlichten Buch. Ihre Erfahrungen mit Kommunikation von der Bühne und anderswo hat Gisela Oechelhaeuser darin zusammengefasst und bühnengerecht aufgearbeitet.
Am Sonnabend, den 18. Juli, um 18.30 Uhr, ist Uli Höhmann mit seinem Presse-Kabarett „Gab’s Tote?“ in der Musikbrennerei Rheinsberg auf – bereits im letzten Jahr begeisterte er mit seiner Performance hier das Publikum.
Uli Höhmann hat DNA – Degenerative Nachrichtenallergie. Eine Verschleißerscheinung, die ihn nachrichtenmüde macht. Was ziemlich semi-ersprießlich ist, denn er ist Journalist. Seit über zwanzig Jahren steht er hinter dem Radiomikrofon und hat eigentlich gedacht, er kann sich auf seine Routinen verlassen wie auf eine alte Scheibe Toastbrot, die so trocken ist, dass nichts mehr schimmelt. Ein schönes Bild für den Redaktionsalltag übrigens. Dann kam die Diagnose.
Davon erzählt er genauso wie von seinen vielen Interviews mit den Kleinen und den ganz Großen, den Normalen und den Absurden. Uli Höhmann grillt die KI, markuslanzt sich an eine missbrauchte Tastatur und erzählt, wie man gelungene Interviews führt, was der Unterschied zu einem Expertengespräch ist und weshalb sämtliche Fragetechniken völlig schnurz sind, wenn man Ministerpräsidenten interviewt. Außerdem erfährt man, was Weihnachten mit der Bundesliga zu tun hat. Er begegnet Krisenreportern, dem Hütehund Pontiusle, der eine Berberitze im heiligen Land ankläfft und und und … Sie alle bringt er zum Klingen – allein mit seiner Stimme. Denn die ist alles andere als müde. Sie will bloß keine Nachrichten mehr sprechen.
Uli Höhmann schreibt, spricht und produziert seit 25 Jahren Glossen, Satiren, Comedies und Szenen für öffentlich-rechtliche Radiosender. Seit 2018 zieht es ihn immer mehr auf die Bühne zu Poetry Slams und vor allem Kabarett. „Gab’s Tote?“ ist sein zweites Solo, mit dem er das Genre Pressekabarett begründet hat. 2021 war Uli Höhmann Stipendiat des ersten Zungenspitzerseminars. 2023 ist er hessischer Landesmeister im Poetry Slam geworden, 2024 Vizemeister.
Nach begeisterter Resonanz bei Publikum und Presse – rbb radio3 resümierte in seiner Kritik: „Nichts wie hin!“ – ist die Rheinsberger Erfolgsproduktion von Giovanni Paisiellos Opernhit „Der Barbier von Sevilla“ in einer letzten Aufführungsserie zu erleben: Im Rahmen des Internationalen Festivals junger Opernsänger*innen 2026 der Kammeroper Schloss Rheinsberg spielt im Schlosstheater die renommierte Kammerakademie Potsdam unter der musikalischen Leitung von Werner Ehrhardt. Regie führt Georg Quander, während Julia Dietrich für die Kostüme verantwortlich zeichnet. Die Sommerpremiere ist am Samstag, 11. Juli, um 19.30 Uhr, es folgen bis zum 25. Juli sechs weitere Vorstellungen.