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Ich habe fünf Jahre lang ein Büstenhalter-Schlüpfer-Trauma mit mir herumgetragen. Bewusst geworden ist es mir erst jetzt. Da stand ich vor einem Männer-Parkplatz. Kein markiertes Revier, in dem ich meinen fahrbaren Untersatz platzieren konnte, sondern ein Rückzugsort für mich höchstselbst. Die erfreuliche Oase habe ich vor „Carolas Miederstübchen“ in der Neuruppiner Bilderbogenpassage entdeckt. Und plötzlich brach das verschüttet Geglaubte wieder auf.

Sommer 2014 – die Holde einschließlich meiner Wenigkeit in Hamburg beim damals noch auswärtigen Kind. Eigentlich war ich ja nur der Chauffeur hin zum Werksverkauf des Unterwäsche-Giganten Hunkemöller irgendwo in der Hansestadt in irgendeiner Lagerhalle. Völlig unvorbereitet, geriet ich mitten auf einen Kriegsschauplatz. Gefühlte 5000 Amazonen rangen um Schnäppchen für Busen und Unterleib. Ich hätte ja die Flucht ergriffen, war als lebender Kleiderständer aber unabkömmlich. Andere Kerle müssen da mehr Erfahrung mit solchen Verkaufsveranstaltungen haben. Mein Geschlecht war so gut wie nicht vertreten.

Umkleidekabinen gab es ja eher auch nicht. So wurden in aller Öffentlichkeit Pullover hochgerollt und Blusen geöffnet, um die ausgewiesene Körbchengrößen AA bis K mit den Zielobjekten zu vergleichen. Andere Wäschejägerinnen aller Kaliber schürzten die Röcke und stiegen in Slips und Schlüpfer, nee, nicht irgendwo in der diskreten Ecke, sondern mitten in der Kassenschlange. Einmal gehortete Stücke wanderten gar nicht erst zurück auf die Ständer, sondern wurden bei Nichtpassen gleich untereinander weitergegeben. Wäschetausch im wahrsten Sinn des Wortes, dazu Kommunikation in Gefechtslautstärke. Frau war ja so ziemlich unter sich, und ich hielt angstschweißig-züchtig die Augen niedergeschlagen, um ja nicht als Spanner identifiziert zu werden. Nicht auszudenken, was mir da hätte blühen können! Dennoch war das Wenige, was mir zu Gesicht kam, schockierend genug, um sich auf meine Festplatte zu brennen.

Fotos: Carolas Miederstübchen

Zurück nach Neuruppin: Ich hätte da noch Vorschläge für den lobenswerten Männer-Parkplatz: kleines Getränkeangebot, ein Schälchen Nüsse, ein paar Zeitschriften, leise Musik… Die lebensgroße Papp-Kameradin neben den Ruhemöbeln darf trotz aufreizend unvollständiger Bekleidung bleiben. Die tut ja nichts.

Ein paralleler Frauen-Parkplatz unter der Fahne der Gleichberechtigung wäre hier wohl abwegig, obwohl der gut sortierte, empfehlenswerte Laden auch Männerwäsche führt. Partnerinnen lassen unsereins komischerweise nicht allein, wenn es um etwas Neues unten und oben drunter geht. Das mit den Geschlechtern ist doch ein weites Feld! Auf dem sich die Neuruppiner Händlerin mit ihrer mehr als 25-jährigen Geschäftserfahrung offenbar bestens auskennt. Die Chefin hält für Begleiter ihrer Kunden zusätzlich im Ladeninneren ein lauschiges Warteplätzchen bereit. Aber ehe ich nach Hamburg 2014 so weit bin…