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Wie versprochen, ein Blick in das neue Programmbuch der Theater und Orchester GmbH, das gestern auf einer Pressekonferenz im Landestheater Neustrelitz vorgestellt wurde. Das 230 Seiten umfassende Paperback besticht schon auf den ersten Blick durch Fotos (Theresa Lange) und Illustrationen (Stephanie Wunder) und wurde bei der Zusammenkunft im Rangfoyer von einer Teilnehmerin als das bisher schönste der TOG gewürdigt. Auf dem Cover wird nach zuletzt 250 Jahren Theater für die Seenplatte nun ein weiteres Jubiläum herausgestellt: 75 Jahre Neubrandenburger Philharmonie.

Ein Zitat aus dem Vorwort von Intendant Sven Müller und dem Kaufmännischen Geschäftsführer Malte Bähr: „Welche Rolle soll Theater in unserer Gesellschaft spielen – heute und morgen? Unsere Antwort geeben wr jeden Abend auf der Bühne. Mit einem Spielplan, der Geschichten erzählt, Fagen stellt, Perspektiven öffnet. Mit Musik, Schauspiel und Musiktheater, die berühren, herausfordern und verbinden.“

Gute Bekannte und Superstars gastieren bei der Philharmonie

An GMD Daniel Geiss war es deshalb auch, die Vorstellung der Vorhaben zu eröffnen. Er leitet nach eigener Aussage „das beste Orchester, das man in Mecklenburg-Vorpommern findet“ und freut sich auf gute Bekannte wie die ehemaligen Dirigenten Jörg-Peter Weigle und Sebastian Tewinkel, die im Jubiläumsjahr als Gäste zurückkehren. Schon das erste von insgesamt zehn Philharmonischen Konzerten dürfte ein Highlight werden. Das Orchester spielt Rachmaninow und Beethoven und erwartet im September den englischen Superstar Isata Kanneh-Mason am Klavier. Mit der Trompeterin Lucienne Renaudin Vary und der Pianistin Julia Okruashvili im 9. Philharmonischen Konzert im Mai kommenden Jahres sind weitere prominente Musikerinnen angesagt. Dann erklingt Musik von Strawinsky, Schostakowitsch, Say und Strauss.

Zum 200. Todestag von Beethoven mit Höhepunkten aus seinem Schaffen erwartet die Philharmonie in der Konzertkirche Neubrandenburg als Special Guest Katharina Thalbach, die rezitieren wird. Zum Abschluss der Saison führt das Orchester im Juni nächsten Jahres im 10. Philharmonischen Konzert neben Beethoven und Mozart das Werk „Carmina Burana“ von Carl Orff auf. Damit wird der Klangkörper auch in der Hamburger Elbphilharmonie gastieren.

Einen hohen Stellenwert für die Neubrandenburger Philharmonie hat die Arbeit mit jungen Zuhörerinnen und Zuhörern. So wird es am 1. November ein von Mitgliedern des TOG-Schauspielensembles moderiertes Konzert „The Best of Anime“ geben. Bereits am 4. Oktober im Schauspielhaus Neubrandenburg gibt es ebenfalls spartenübergreifend das musikalisch-literarische Programm „Der kleine Prinz“. Fortgeführt werden die bereits etablierten Formate „KlangLabor“ und „ZukunftsMusik“, Letzteres in dieser Spielzeit zum Thema Wasser. Unbedingt noch zu erwähnen, dass das kammermusikalische „Bach-Project“ seine zweite Auflage erfährt. Besonders stolz ist die Philharmonie, dass es bereits eine 2026 produzierte CD mit vier Solisten des Orchesters dazu gibt.

Ganz große Oper zum Auftakt

Im Musiktheater können sich die Zuschauer gleich zu Beginn der Spielzeit auf eine ganz große Oper freuen. Mit Pucchinis „La Bohème“ erlebt am 24. Oktober eine der schönsten Liebesgeschichten ihre Premiere im Landestheater Neustrelitz. Operndirektor Sven Müller gesteht, dass ihm angesichts der Tragik immer noch die Tränen kommen. „La Bohème“ zeige alles, was Oper kann. Die Inszenierung übernimmt Isabel Hindersin, die das hiesige Publikum bereits von ihrer Arbeit zu Wagners Märchenoper „Die Feen“ kennt.

Im November erleben gleich zwei Opern Premiere, und das auch noch an zwei Abenden hintereinander: am 20. November zunächst in Neustrelitz die Kammeroper „Marilyn forever“ von Gavin Bryars, es inszeniert und spielt Laura Scherwitzl, während Robert Merwald in insgesamt fünf Rollen Männer im Leben der Film-Ikone verkörpert. Am 21. November kommt im Schauspielhaus die Kurzoper „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell auf die Bühne, laut Sven Müller „ideal für Einsteiger“.

Auch aus aktuellem Anlass hat die TOG das pazifistische Love-Rock-Musical „Hair“ von Galt MacDermont in den Spielplan aufgenommen, Premiere am 30. Januar im Landestheater. Die Musical-Spezialisten David Levi und Amy Share-Kissiov haben sich hierzulande bereits mit „Chicago“ empfohlen. In Kooperation mit dem Theater Vorpommern wird die Oper „The Shining“ von Paul Moravec nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King erarbeitet, hier ist als Premierendatum in Neustrelitz der 20. März 2027 angesetzt. Am 7. Mai schließlich hat „Die Zauberflöte“ Premiere in der Residenzstadt, Mozarts Versuch, die Oper aus dem höfischen Leben unter das Volk zu bringen.

Wieder aufgenommen werden von der TOG unter anderem das Erfolgsmusical „My fair Lady“ und die berühmte Operette „Die Fledermaus“. Die Festspiele im Schlossgarten 2027 bieten die Künneke-Operette „Herz über Bord“, wir dürfen uns auf die Diven Laura Scherwitzl und Laura Albert in den beiden tragenden Damen-Rollen freuen. Und darüber, dass die Deutsche Tanzkompanie auch in der neuen Spielzeit dem Musiktheater zur Seite steht.

Kontinuität garantiert

Schauspieldirektor David Czesienski geht seine zweite Spielzeit bei der TOG an und darf mit einem personell unveränderten Ensemble arbeiten. Kontinuität, die er zu schätzen wisse. Er präsentierte zehn geplante Produktionen, die alle unter die große Klammer „Auf neue Welten einstellen“ passen. Das beginnt mit Laura Neumanns Komödie „Schleuderdrama“ zum Thema KI, ab 14. August in der Inszenierung von Max Radestock auf dem Vorplatz des Landestheaters, ab 2. Oktober auch im Schauspielhaus zu sehen.

Nach dem Roman von Judith Schalansky folgt in einer Bühnenfassung von Karin Herrmann („Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich…“) ab 25. September in Neustrelitz und ab 15. Januar 2027 in Neubrandenburg „Der Hals der Giraffe“. Im Mittelpunkt eine Lehrerin irgendwo in MV, deren Gymnasium kurz vor der Schließung steht und die n0ch immer restriktive Erziehungsmethoden vertritt. Ein böse-komisches und berührendes Psychogramm.

Das Schauspiel plant mit „Egal“ von Marius von Mayenburg und „Der Block“ (Uraufführung) nach dem Kriminalroman von Jérome Leroy sogar eine Doppelpremiere. Zwei unterschiedliche Paar-Konstellationen werden ins Rampenlicht gerückt. Czesienski inszeniert in beiden Fällen selbst und hofft auf die Neugier der Zuschauer. Der 9. Oktober in Neubrandenburg und der 15. Januar in Neustrelitz sind als Premierentermine angesetzt.

Für die Weihnachtszeit ist „Pippi Langstrumpf“ angekündigt. Das beliebte Familienstück von Astrid Lindgren inszeniert Melina von Gagern, es ist ab dem 5. Dezember ganz in Familie zu genießen. Eine weitere Uraufführung steht der TOG mit dem Piraten-Auftragsstück „Durch alle Wasser“ von Josephine Witt ins Haus. „Eine Abenteuerreise, ein Ritt auf der Säbelklinge und eine Ode an das Wilde und den Trotz, ist im Programmbuch zu lesen. Der Deutsche Literaturfonds fördert, Therese Lösch führt Regie. Premiere im Schauspielhaus am 13. Februar und im Landestheater am 16. April.

Die Komödie „Dieses Stück geht schief“ rund um eine überforderte Laientheatertruppe, das britische Original läuft seit seiner Uraufführung 2012 ununterbrochen im Londoner Westend, wird von keiner Geringeren als Johanna Schall inszeniert. Es ist ab 19. Februar in Neustrelitz zu erleben und besticht durch eine extreme Gagdichte. Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ folgt im Schauspielhaus Neubrandenburg ab 9. April, Regie führt Holle Münster. In der Spielzeit 2027/28 soll es dann auch am Landestheater Neustrelitz aufgeführt werden.

Und noch eine Uraufführung: In der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch in der Residenzstadt wird „Botanik des Wahnsinns“ nach dem Roman von Leon Engler in der Inszenierung von Felix Erdmann gezeigt. Der genaue Premierentermin (Mai/Juni) steht noch nicht fest. Zum Sommerspektakel im Schauspielhaus Neubrandenburg wird „Solo Sunny“ von Wolfgang Kohlhaase ah dem Film von Konrad Wolf in der Inszenierung von Tim Tonndorf angeboten. Premiere ist am 21. Mai.

Das üppige Programmbuch in Gänze hier im Anhang.