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Emöke Pöstenyi, noch immer voller Temperament, und Bastienne Voss mit den Mirower Buchhändlern Grit und Peter Schmitt.

Große Emotionen am gestrigen Pöstenyi-Abend in der Remise auf der Mirower Schlossinsel. Es waren vor allem Bilder, die sprachen und wohl keinen der rund 60 Besucher bis hin aus Neustrelitz zur Halbzeit des Literaturherbstes unberührt ließen. Immer wieder brandeten Applaus und Jubel im bis auf den letzten Platz besetzten Saal auf.

Die Gäste, die der Einladung der ob der Resonanz gerührten Mirower Buchhändler Grit und Peter Schmitt gefolgt waren, durften in Anwesenheit des einstigen Stars des Fernsehballetts Emöke Pöstenyi filmisch verfolgen, wie die Chefchoreografin des Ensembles 2002 vom MDR gefeiert wurde. Damals wurde sie 60-jährig in den Ruhestand verabschiedet. Sie hatten aber auch das Privileg auf der Leinwand mitzuerleben, was bei den Proben abging, wenn „Folterfrieda“, so der Kosename, in dem ihr eigenen Perfektionismus eine zuvor im Spiegel der Küchentür daheim entwickelte Choreografie mit den Tänzerinnen und Tänzern einstudierte. Und natürlich gab es Bilder, die die Ausnahmebegabung selbst in Aktion zeigten, darunter an der Seite von Susan Baker.

Gefragte Gesprächspartner: Emke Pöstenyi und Wolfgang Kohlhaase.

Emöke Pöstenyis nicht minder prominenter Ehemann, Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller Wolfgang Kohlhaase, gab den in Mirow präsentierten gebundenen Erinnerungen seiner Frau „Das Fernsehballett. Mein Leben mit dem Tanz“ ein Geleitwort, besser wohl eine Liebeserklärung: „Ich entdeckte nach und nach ihre schöne Seele und ihr gutes Herz, ihre Fantasie, ihren schnellen Zorn und ihre Großzügigkeit, ihren der Welt zugewandten Verstand, ihr Mitgefühl mit Mensch und Tier, ihre Moral in der Arbeit, ihren Eigensinn und ihre Hilfsbereitschaft, alles in allem ein autonomes System namens Emöke, in dessen Nähe ich mich gern aufhalten wollte“, so Kohlhaase. Er hat dem Ballett nach eigener Aussage immer nur „von der Seite“ zugesehen.

Wir haben Emöke Pöstenyi, mit der wir hier im Osten in meiner Altersklasse aufgewachsen sind, gestern Abend in Mirow intensiv erlebt, und wir verehren sie noch immer alle. Wenn ich von uns schreibe, schließe ich auch die Schauspielerin und Autorin Bastienne Voss ein, die den Abend moderierte und schon als Kind Emöke Pöstenyi im Haus der Eltern kennenlernen durfte.

Auf zwei wunderschöne Stunden hatte uns Peter Schmitt eingangs vorbereitet, am Ende waren es fast drei. „Ich bin sehr froh, dass dieses Ballett Teil meines Lebens war, als Tänzerin und als Choreografin“, so die gebürtige Ungarin Emöke Pöstenyi zurückblickend. Und wir waren froh, dass sie den Weg nach Mirow erneut auf sich genommen hat, nachdem sie im Sommer ihren Gatten begleitet hatte (Strelitzius berichtete). Im März kommenden Jahres wird Emöke Pöstenyi 80, und ich wünsche ihr und ihrem Mann Wolfgang noch ein gutes Leben.

Heute erlebt der Mirower Literaturherbst 2021 sein Finale. In der Aula des Unteren Schlosses heißt es um 18 Uhr „Viva la Libertá“ mit Reinhold Joppich, musikalisch begleitet von Mario Di Leo. Strelitzius geht mal das geringe Wagnis ein zu behaupten, dass der was verpasst hat, der nicht hingeht. Es lebe nicht nur die Freiheit, sondern auch die Kultur!