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Zum Wochenende habe ich ein dickes Kuvert aus dem Briefkasten gezogen. Absender ist die Gesellschaft zur Förderung der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburgica. Im Auftrag des Vorstandes macht mich Dr. Bernd Schattinger auf Heft 4 der Schriftenreihe „Aufsätze & Miszellen“ aufmerksam, in dem erstaunliche Forschungsergebnisse zum ersten mecklenburg-strelitzschen Intelligenzblatt, den „Strelitzschen Anzeigen“, und der Beilage „Nützliche Beiträge“ nachzulesen sind. Das Intelligenzblatt, von dessen Existenz ich wenig wusste, und mit mir sicherlich die meisten meiner Leser, wurde von 1765 bis 1849 in Neustrelitz herausgegeben.

Heftautor Bernd Schattinger verweist in einem Anschreiben darauf, dass die unter Herzog Adolf Friedrich IV. gegründeten „Strelitzschen Anzeigen“ das herzogliche Mitteilungs- und Anzeigenblatt waren, mit welchem die Einwohner des Fürstentums über regierungsamtliche Entscheidungen, Gerichts- und Verwaltungsentscheidungen sowie Korn-, Fleisch- und Brottaxen informiert wurden. Darüber hinaus konnten Einwohner des Landes sowie Ausländer gegen kleine Gebühr private Angelegenheiten kund tun. Anders als die Anzeigen, war die vier Seiten umfassende Beilage „Nützliche Beiträge“ ein Bildungs- und Unterhaltungsblatt. Die darin abgedruckten Artikel waren ausgerichtet „auf alles, was zur Glückseligkeit des Landes etwas beytragen“ kann.

Durch verständliche Darstellung und zumeist kurze Abfassung waren die Beiträge für alle des Lesens mächtige Einwohner des Fürstentums verständlich. Mit einer Auflage von 500 Exemplaren wurden etwa 10.000 Menschen durch Lesen und Vorlesen erreicht, was etwa einem Fünftel der damaligen Bevölkerung entspricht. Junge, noch unbekanne Autoren hatten hier die Möglichkeit zu publizieren, auch aufklärerisch gesinnte Gelehrte wussten das weitgehend freie Informations- und Publikationsmedium zu schätzen.

Die bis zum Jahr 1800 in den „Nützlichen Beiträgen“ enthaltenen rund 3100 Aufsätze, Berichte, Prosatexte und Gedichte wurden systematisiert und verzeichnet. Das Manuskript liegt zur Einsichtnahme in der Regionalbilbiothek Neubrandenburg. In den 85 Jahrgängen der „Strelitzschen Anzeigen“ und den 73 Jahrgängen der „Nützlichen Beiträge“ lassen sich noch viele Entdeckungen machen, so Dr. Schattinger. Durch die nunmehr von der Universitätsbibliothek Rostock begonnenene Digitalisierung werden Interessenten dieses Periodikum demnächst weltweit am PC lesen können.

Das Heft 4 der Schriftenreihe wurde von der Stadt Neubrandenburg und dem Regionalmuseum Neubrandenburg sowie von Privaten finanziell unterstützt. Das rund 150 Seiten starke Heft ist für 15 Euro bei der Gesellschaft Mecklenburgica zu erwerben.