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Nach der kleinen Sommerpause wird die Vortragsreihe „Das Haus Mecklenburg-Strelitz und die Fürstengruft: von Regenten, Kavalieren und starken Frauen“ im 3 Königinnen Palais Mirow am Freitag, den 27. September, um 19 Uhr fortgesetzt. Die Neustrelitzer Historikerin Sandra Lembke stellt diesmal zwei weitere Mitglieder des Hauses Hessen-Darmstadt vor, die ihre letzte Ruhe in Mirow gefunden haben. Hier die exklusive Vorschau meiner Blogfreundin:

„In der Fürstengruft sind vier Angehörige dieser Adelsfamilie bestattet. In den 1780er Jahren wurden zunächst die Särge der Prinzessinnen Friederike und Charlotte von Hannover nach Mirow überführt. Die Schwestern waren kurz hintereinander mit Herzog Carl, dem späteren ersten Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, verheiratet gewesen und verstarben beide auf tragische Weise im Kindbett. Von ihnen war bereits im Juli-Vortrag die Rede.

Liebevolle Quasselstrippe

Aber auch die Mutter der Prinzessinnen sowie einer ihrer Brüder wurden in der Johanniterkirche beigesetzt. Marie Luise Albertine, Gräfin zu Leiningen-Dagsburg (1729-1818), heiratete 1748 in die landgräfliche Familie zu Hessen-Darmstadt ein und war für ihre Zeitgenossen fortan die „Prinzessin George“. Heute ist sie den meisten höchstens als Großmutter der Königin Luise von Preußen bekannt. Liebevoll kümmerte sie sich nach dem Tod ihrer beiden Töchter um die Mecklenburg-Strelitzer Enkelkinder. Überall fiel die resolute, aber leutselige Landgräfin als muntere Quasselstrippe auf.

‚Sie schwätzt wie Prinzessin George‘, hieß es damals in Darmstadt, wenn eine Frau ihr Mundwerk nicht unter Kontrolle halten konnte und pausenlos plapperte. Die Landgräfin bewegte sich jedoch sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett und besuchte die Höfe zu Berlin, Wien und Versailles. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Neustrelitz, wo sie auch ihre Tage beschloss.

Landgraf bringt es zum Generalmajor

Ihr dritter Sohn Georg Karl von Hessen-Darmstadt (1754-1830) war eine nicht minder schillernde Persönlichkeit. Gutaussehend, gebildet und liebenswürdig, passte er hervorragend in die galante, höfische Welt seiner Zeit. Der Landgraf brachte es zum Generalmajor und entpuppte sich weiterhin als fortschrittlicher Agronom, der den technischen Neuerungen seiner Zeit aufgeschlossen gegenüberstand.

Georg Karl suchte auch wirtschaftlichen Erfolg, bewies aber auf diesem Gebiet nicht immer ein glückliches Händchen. Sein Leben war daher von Sorgen geprägt. Nicht nur das eigene Finanzwesen bereitete ihm schlaflose Nächte, sondern zudem die Angst um geschätzte Standesgenossen, die in den Strudel der politischen Ereignisse am Ende des 18. Jahrhunderts geraten waren. Der Landgraf lebte als älterer Herr ebenso bei den Mecklenburger Verwandten in Neustrelitz. Warum er überhaupt in Mirow beigesetzt wurde und nicht etwa in Darmstadt – das wird nun am Freitag im Vortrag zu erfahren sein.

Die Recherchen für die Vortragsreihen sind stets sehr umfangreich und zeitintensiv, da überwiegend mit Originaldokumenten gearbeitet wird, die entziffert, gegebenenfalls ins Deutsche übersetzt und umfassend ausgewertet werden. Die Persönlichkeiten, die ich in den Vorträgen vorstelle, begleiten mich daher sehr lange: mit meinen Forschungen zu Georg Karl von Hessen-Darmstadt habe ich beispielsweise schon vor drei Jahren begonnen. Vor allem über ihn kursieren viele Falschinformationen, die durch die Recherchen korrigiert werden konnten.

Die Besucher des Vortrags erwarten also viele interessante Fakten, spannende Lebensgeschichten und manch amüsante Anekdote über die Hessen-Darmstädter Verwandten der Mecklenburg-Strelitzer Herzogsfamilie. Wie gewohnt, ist an diesem Abend auch wieder für eine kleine Überraschung gesorgt.“