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In „normalen Zeiten“ wird der Feiertag „Himmelfahrt“ gern für Ausflüge ins Grüne und geselliges Biertrinken genutzt. Das ist in diesem Jahr nur eingeschränkt möglich. Aber das derzeit dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnete Kulturquartier hat den „Wonnemonat“ Mai zum Anlass genommen, im Karbe-Wagner-Archiv und im Museumsdepot nach Spuren des Bierbrauens in Neustrelitz zu stöbern: „Und voila, wir wurden fündig“, schreibt mir Geschäftsführerin Dorothea Klein-Onnen. „Wunderschöne Tonflaschen mit der Aufschrift ‚Brauerei Janssen Neustrelitz‘ sind uns in die Hände gefallen, und unsere Archivarin hat die spannende Brauereigeschichte anhand von historischen Dokumenten rekonstruiert.“

Beim Spazieren kann man am Ende der Parkstraße ein turmartiges Backsteingebäude entdecken: dies sind die sanierten Überbleibsel der ehemaligen Brauerei Janssen. In der heute ruhigen Wohnstraße ging es im 19. Jahrhundert hoch her, denn seit 1835 betrieb der Gastwirt und Brauer Christian Carl Kaage hier, an der Landstraße nach Mirow, das „Kaagesche Etablissement“, welches Scharen von Neustrelitzern zu Vergnügungen anzog.

1857 verkaufte er das gesamte Grundstück an den Gastwirt Ludwig Janssen, der das Lokal aufgab und die Brauerei vergrößerte, z.B. durch den Ausbau eines Eiskellers, um die Lagerfähigkeit des Biers zu erhöhen. Das benötigte Eis wurde im Winter aus dem Zierker See gebrochen – angeblich soll es im Eiskeller sogar bis zum kommenden Winter gereicht haben. Um seine Brauerei bekannter zu machen, ließ Janssen eigene Flaschen herstellen, auf denen seine Firma namentlich aufgeführt wurde. Er stellte zudem braune Flaschen her, weil das Bier aus braunen Flaschen seiner Meinung nach besser schmeckte.

Adressbuch von 1909

Die Brauerei florierte außerordentlich. Janssen reichte 1860 eine Zeichnung beim Magistrat ein, um eine „Baierische Bierhalle“ zu errichten: mit einem großen Saal und Orchesterbühne, einem Gast- und einem Billardzimmer. Zu der Bierhalle ist es aus unbekannten Gründen jedoch nicht gekommen.

Janssen wohnte unweit von seiner Brauerei in einer prächtigen Villa. Diese musste jedoch 1913 dem Bau des „Großherzoglichen Parkhauses“ weichen und wurde abgerissen. Danach ging es mit der Brauerei bergab: Zwar wechselte sie noch mehrfach den Besitzer und wurde 1907 umgebaut, aber in einem Bericht aus den 1930er Jahren wurde sie als verwahrlost beschrieben, so dass davon auszugehen ist, dass sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr existierte.

Quelle: (u.a.): Harald Witzke: Neustrelitz, Straßen – Häuser – Menschen : Essay, 1999