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Organisatoren, Gastgeber und Referenten des Fachtages: von links Matthias Brandt, Franziska Finke, Norbert Rieger, Marion Schild, Dr. Martin Dokter, Anja Zörner, Dirk Schürgut, Andy Krüger

Gemeinsam mit der Bündnis Kinderschutz – Start gGmbH und mit finanzieller Unterstützung des kreislichen Präventionsrates für Kriminalitätsvorbeugung hat das Jugendamt des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte zum 6. Mal einen Kinderschutzfachtag für Fachkräfte der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit sowie Ehrenamtliche organisiert. Mehr als hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Neuendorf zusammen und wurden vom Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands Mecklenburgische Seenplatte, Norbert Rieger, herzlich mit einigen Eindrücken aus der erfolgreichen Präventionsarbeit der Feuerwehren im Kinderschutz empfangen.

„Körperliche und seelische Gewalt findet überwiegend zu Hause statt und gehört für viele Opfer leider zum Alltag. Zu Hause – das ist eigentlich ein Ort, an dem Kinder Geborgenheit spüren, an dem sie liebevoll aufwachsen, ein Ort, mit dem man viele schöne Erinnerungen verbindet. Was aber fühlen Kinder und Jugendliche, die an diesem vertrauten Ort Opfer von Gewalt sind?“ Mit diesen Worten führte die Jugendamtsleiterin Anja Zörner die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das brisante Thema des Fachtages ein und machte aufmerksam: „Selbst wenn sich die körperliche oder seelische Gewalt nicht unmittelbar gegen Kinder richtet, wenn sie zwischen den Eltern stattfindet, bleibt dieses Erleben nicht ohne Folgen für die Entwicklung dieser jungen Menschen.“

Franziska Finke von der Interventionsstelle Neubrandenburg gegen häusliche Gewalt und Stalking, Quo Vadis e. V., öffnete in ihrem Vortrag am Vormittag den Blickwinkel auf Beziehungsmuster häuslicher Gewalt und informierte über das Beratungsangebot der Interventionsstelle. Anschließend sensibilisierte Dr. med. Martin Dokter die Teilnehmenden in seinem Fachvortrag für die Bedeutung des Erkennens und Dokumentierens von Verletzungsbildern. Das Angebot der Gewaltopferambulanz des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald ist kostenfrei und für jeden zugänglich. Wichtig ist, gleich nach einer körperlichen Verletzung die Gewaltopferambulanz aufzusuchen, da die „Spuren“ der Gewalt schon nach kurzer Zeit verblassen können.

Fachforen vertiefen die Thematik

Am Nachmittag luden die Expertin und der Experte zur Vertiefung ihrer Thematik und zu einem fachlichen Austausch ein. Im Fachforum 3 hat Dirk Schürgut, Hauptsachbearbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes des Jugendamtes für den Regionalstandort Neubrandenburg, das Thema „Gewalt von Eltern aus der Perspektive eines Kindes“ reflektiert und informierte über die Handlungsstandards des Jugendamtes Mecklenburgische Seenplatte bei häuslicher Gewalt. Im Fachforum 4 produzierten die Teilnehmenden unter Anleitung des Medienpädagogen und Medientreckers der Medienanstalt M-V, Andy Krüger, vier Hörbeiträge und Jingles als medienpädagogische Handlungsansätze in der Arbeit mit jungen Menschen und zur Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit über den „Offenen Kanal NB-Radiotreff 88,0“. Die Offenen Kanäle M-V bieten Projektberatung, kostenfreie Ausleihe mobiler Technik sowie die Nutzung von TV- und Radiostudios an.

„Leider konnten wir aufgrund der Kapazität nicht alle Anmeldungen berücksichtigen“, bedauerte die Moderatorin des Fachtages und Sachgebietsleiterin Jugendförderung/Frühe Hilfen des Landkreises, Marion Schild. Das Vorbereitungsteam, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sachgebietes, dem Amtsgerichtsdirektor Matthias Brandt sowie der Kreispräventionsbeauftragten, Sibylle Rönnfeld, hat den Fachtag auf Grundlage der gemeldeten Bedarfe der Fachkräfte thematisch und praxisnah ausgerichtet. Über 130 Anmeldungen und Anfragen waren im Jugendamt für den Fachtag eingegangen. Schon jetzt steht fest: Es wird eine Fortführung des Fachtages im kommenden Jahr geben.

In einem ergreifenden Theaterstück inszenierten sechs Jugendliche der Theatergruppe GELITHEA der Kinder- und Jugendkunstschule Neubrandenburg unter Anleitung von Marlen Fuhrmann verschiedene Formen von häuslicher Gewalt und rührten nicht nur die Moderatorin zu Tränen.