Schlagwörter

, , , , ,

Erde – ein Tanzepos in zwei Akten bildet den Abschluss des Elemente-Zyklus der Deutschen Tanzkompanie. Dieser erstreckt sich nun in sein viertes Jahr. Angefangen mit den Inszenierungen Feuer (2023) und Wasser (2024) von Lars Scheibner kommt die Reihe über Luft (2025) von Gaetano Posterino nun zu ihrem Finale. Für die letztmalige Aufführung von ERDE in dieser Spielzeit am morgigen Freitag, 29. Mai, um 19.30 Uhr, im Landestheater Neustrelitz gibt es noch Restkarten.

In ERDE wird in doppelter Hinsicht „aus der Reihe getanzt“: Zum einen fokussiert sich der Abend auf die Doppeldeutigkeit des Wortes „Erde“. Neben dem Stoff, der Materialität, dem Element erstreckt sich das Konzept auch auf den Planeten, nimmt diesen besonders in den Blick und rückt damit vom Komplex der Elemente konkreter in Richtung von Nachhaltigkeitsfragen, politischen Konflikten und Krisen der Gegenwart. In dieser Weitung des Blicks liegt eine bewusste Entscheidung. Das Wort „Erde“ impliziert in vielerlei Hinsicht „Heimat“, und um die Heimat des Menschen, der von ihr kommt und zu ihr geht, der sie, die Erde, seine Mutter nennt, steht es aktuell vielleicht schlechter denn je.

Gleichzeitig ist die Erde bedeutend größer als wir und unsere Krisen; und in der Beschäftigung mit ihr stellt sich eine existenzielle Ruhe, stellt sich Trost und Geborgenheit ein – und nicht nur das: Unsere Handlungspotenziale, von konkretem Alltagsaktivismus bis hin zur politischen Sphäre, lassen sich von der Erde her denken. So will die Tanzkompanie im Künstlerischen einen Impuls setzen, der emotional nachhallt, der gleichsam besänftigt und aufweckt.

Zum anderen wurden für Erde zwei Choreograph*innen engagiert, um die Multiperspektivität, die den gesamten Elemente-Zyklus über die verschiedenen künstlerischen Handschriften prägt, auch innerhalb seines Abschlusses noch einmal zu unterstreichen. In den stark unterschiedlichen Perspektiven Monica Proenças und Emil Faskis zeigt sich ein dialogisches Moment, das uns anhält, Uneindeutigkeit zuzulassen, Ambiguität auszuhalten – zu reden. Wenn in der Gegenüberstellung der Perspektiven eine Ah-nung von Vielfalt und demokratischem Diskursraum durchklingt, hätte das Konzept seinen Zweck erfüllt.