Schlagwörter

, ,

Dieser Tage ist mir ein Bändchen ins Haus gekommen, das es auf Anhieb vor die Buchrücken in meiner Bibliothek geschafft hat. „Wie fließend Silber funkelte das Meer“ ist im August im Steffen Verlag Berlin herausgegeben worden und vereint unsterbliche Texte von Theodor Storm (1817 bis 1888) mit wunderschönen Aquarellen des Berliner Malers Hans-Jürgen Gaudeck (Jahrgang 1941). Silber im Titel, das pure Gold im Ausstellungsbereich meines Regals, wohin nur die Favoriten unter meinen gedruckten Lieblingen gelangen. Und natürlich ist die Neuerscheinung unbedingt ein Geschenk für liebe Menschen, die ein gutes Buch noch zu schätzen wissen und eine Beziehung zum Norden haben oder dorthin eingeladen werden sollen. Die Begeisterung für Storm kommt von ganz allein, so noch nicht vorhanden.

Erstes Urteil nach dem Auspacken beim Betrachten und vorsichtigen Streichen mit den Fingerspitzen über Decke und Seiten des Bandes: sehr edel, Leinenoptik, hochwertiges Papier. Das Erlebnis vertieft sich beim Anschauen der 40 Küstenlandschaftsbilder Gaudecks, die auf den Spuren des Literaten entstanden sind und dessen Worte so trefflich illustrieren, als hätten Maler und Dichter einander gekannt. Was für eine Liebeserklärung in allen Pastellfarben! Den „Schimmelreiter“ Theodor Storm hat Namensvetter Theodor Fontane bereits mit „einer der drei, vier Besten, die nach Goethe kommen“ geadelt. Da braucht es keine weitere Huldigung an dieser Stelle.

Apropos Fontane: Der Steffen Verlag kann bereits auf eine kleine Reihe „Literatur und Aquarelle“ verweisen. Hans-Jürgen Gaudeck trifft Antonio Vivaldi, Joseph von Eichendorff, Rainer Maria Rilke und eben den Wanderer durch die Mark Brandenburg, aber auch Eva Strittmatter oder in meiner Heimat Mecklenburg-Strelitz Hans Fallada. Die Bücher sind allesamt eine Freude für den Bibliophilen.

Womöglich wird nach der Lektüre von „Wie fließend Silber funkelte das Meer“ bei dem einen oder anderen Leser wieder Deichgraf Hauke Haien angesagt sein. Mir ist Storms bekannteste literarische Figur seit der Schulzeit nicht mehr begegnet. Zeit für ein Wiedersehen, bevorzugt im November, wenn der Wind ums Haus braust wie einst bei der Flut in Nordfriesland. Und dazu immer mal wieder ein Blick aus dem Sessel in Richtung Regal, wo das Cover Gaudecks die trübe Herbststimmung irgendwie aufhellt. „Auf dem hohen Küstensande wandre ich im Sonnenstrahl…“ Passende Sturmbilder sind natürlich auch aufzuschlagen, und selbstverständlich hat der Künstler neben einem Auszug aus der Novelle den Schimmelreiter zu Papier gebracht.

ISBN 978-3-95799-077-8