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Kategorien-Archiv: Glosse

Wie ich bei einer Verifizierung nur knapp einer Identitätskrise entronnen bin

15 Samstag Apr. 2023

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Internet, Leben

Glosse

Zu den Segnungen der Neuzeit gehört, dass sich unsereins jetzt per Internet verifizieren kann. Da steigen Sie schon aus? Also, ich erkläre es mal: Verifizieren bedeutet so viel wie nachweisen. Bei einer Verifizierung müssen Sie also nachweisen, dass Sie wirklich Inhaber von sensiblen Daten sind wie Mail-Adresse, Telefon- oder gar Kontonummer. Aber, ich will hier gar nicht den schlauen Max markieren. Mich hat das Verifizieren zuletzt an den Rand einer Identitätskrise gebracht.

Um 14.30 Uhr klingelt mein Handy. Nette Dame möchte einen Termin machen zwecks „ganz einfacher“ digitaler Unterschrift des Vertrages mit ihrem Unternehmen und anschließender Verifizierung meiner Unterschrift per IDNow-Verfahren. Wie wäre es denn mit 14.50 Uhr? Es bräuchte dann noch meine Konto- und Steuernummern sowie den Personalausweis. Und schon hatte ich eine Mail mit Link im Posteingang, um die zwanzig mir zugemessenen Minuten nicht sinnlos herumzusitzen. „Die meisten unserer Kunden machen das selbstständig bereits vor dem soeben vereinbarten Termin“ war zu lesen. Sollte ich Unterstützung benötigen, könne ich ja gern warten.

Solchermaßen befeuert, habe ich natürlich vor der Zeit losgelegt und war 14.48 Uhr an der Schwelle zur Verifizierung meiner inzwischen geleisteten acht Unterschriften, als nichts mehr ging. Davon konnte sich auch die zwei Minuten später hinzustoßende Fachfrau überzeugen. Sie empfahl nach mehrmaligen Neueintragungen von Daten zunächst einen Browser-Umzug, zum Glück hatte ich zwei Anbieter auf meinem PC. Alles wie gehabt. Deutlich einfacher gehe es ja mit dem Smartphone, sagte die Expertin am Smartphone, ich bräuchte nur aus dem Store eine App herunterladen, und wenn die orangefarben sei, dann sei es die richtige. Sprach es, und wechselte zwecks beidseitiger Entlastung auf mein Festnetztelefon.

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Wenn der Kindersitz klappert: Ich wünsche mir jetzt einen mitwachsenden Dummy

26 Sonntag März 2023

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Kinder, Leben, Verkehr

Glosse

Ich bin ja nicht unbedingt das, was der Norddeutsche gemeinhin als „Pinnschieter“ bezeichnet. In meiner früheren Heimat wurden solche Zeitgenossen übrigens „Krümelkacker“ tituliert. Aber, auch damit fühle ich mich eigentlich nicht gemeint. Obwohl meine Holde jetzt, warum auch immer, breit grinst. Was nicht heißt, dass sich meine Toleranzgrenze im Nirwana befindet. Es gibt schon so Umstände, die kann ich schlichtweg nicht verkraften. Zum Beispiel, wenn mein Auto klappert.

Das tut es von einem Tag auf den anderen. Schuld daran trägt mein knapp anderthalbjähriger, über alles geliebter Enkel. Oder seine nicht minder geliebten Erzeuger. Oder eigentlich ich. Denn wer kommt schon auf die Idee, sich zum Geburtstag einen Autokindersitz zu wünschen. Nach oben gibt es da preislich übrigens keine Grenzen, aber eines haben die Teile wahrscheinlich alle gemeinsam. Richtig, ohne Einsatz des lütten Fahrgastes klappern sie. Und das nicht nur auf Kopfsteinpflaster.

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Ein halbes Schwein aus dem Supermarkt? Ach nee, vielleicht lieber doch nicht

04 Samstag Feb. 2023

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Handel, Leben

Glosse

Als Vertreter der Generation Ü 60 verfüge ich über ein ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis. Es wurde dieser Tage vom Supermarkt meines Vertrauens mal wieder aktiviert. Ich erinnerte mich unmittelbar vor den Fleischkühlschränken an den blöden Witz aus Schülerjahren, wo der Sieger eines Skatturniers gar nicht froh ist über seinen Erfolg, weil das gewonnene halbe Schwein auf dem Balkon immer umfällt. Und mir schoss wieder der Brüller ein, wie zwei Mitarbeiter eines Schlachthofes auf dem Beifahrersitz eines Trabbis ein mit Mantel und Hut verkleidetes Borstenvieh am Pförtner vorbeischmuggeln und der einen Lachkrampf kriegt, weil im Betrieb Kollegen arbeiten, die aussehen wie ein Schwein.

In der Tat wurde mir per Reklametafel in der Kaufhalle auf Vorbestellung ein halbes Schwein angeboten, grob zerlegt und zu einem Kilopreis, von dem ich mal vermute, dass er vorteilhaft ist. Statt die mir ebenfalls eingepflanzte Rechenmaschine anzuwerfen, wetzte ich in Gedanken die Messer und bezog auch mein sonstiges Sortiment an Heimwerkzeugen von der Kreissäge bis zu Hammer, Meißel und Beil ein. Denn nach der Grobzerlegung muss ja logisch die Feinzerlegung folgen. Streng genommen, ist ja ein halbes Schwein schon grob zerlegt. Wer weiß, welche handwerklichen Herausforderungen da noch lauern, da ist bestimmt mehr Virtuosität gefragt als beim Tranchieren der alljährlichen Weihnachtsente.

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Auf dem Weihnachtsmarkt in Dalmsdorf bekommt die Bratwurst noch mal Beine

17 Samstag Dez. 2022

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Dalmsdorf, Essen, Jagd, Märkte, Mecklenburg-Strelitz, Weihnachten

Es ist ja nicht die erste Lanze, die ich für den an jedem der vier Adventswochenenden geöffneten kleinen, feinen Weihnachtsmarkt an der Glasmanufaktur in Dalmsdorf breche. Die Verbindung von schönen Dingen im Haus, ohne Fundstück geht man da nicht raus, und Leckerem auf der Hofseite entbehrt eben nicht einer gewissen Genialität.

Dabei schreibe ich jetzt nicht vom Goldbrand, den man dort alternativ zu Amaretto in den Glühwein geschossen bekommen kann. Wobei die Wiederbegegnung mit dem zu DDR-Zeiten kreierten Schnaps zugegeben rührend war. Dass es ihn noch gibt! Kleine gedankliche Reise in die feuchtfröhliche Vergangenheit. Ich habe, meine Wurzeln verleugnend, trotzdem auf den italienischen Verstärker gesetzt. Man ist ja nun nicht mehr der Risikofreudigste. Die Holde gab sich in der ihr eigenen Zurückhaltung einem ungedopten Apfelpunsch hin, aber das nur der guten Vollständigkeit halber. Meine bessere Hälfte hat Zeit ihres bisherigen Lebens nicht zur Goldbrand-Gemeinde gehört und wird ihr auch künftig nicht beitreten.

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Schweigen ist Gold: Wenn der röhrende Hirsch in Blankenförde keiner ist

10 Samstag Dez. 2022

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Bildung, Blankenförde, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Tiere

Überall qualifiziert mitreden können, von Atomkraftwerk bis Zirrhose, ohne unbedingt über Spezialwissen zu verfügen. Das wurde uns frischgebackenen Journalistikstudenten anno dunnemals in Leipzig als erstrebenswertes Berufsziel mit auf den Weg gegeben. Dann sollte unsereins sich aber im Fall eines Falles auch zurückhalten. Reden ist bekanntlich Silber, Schweigen ist Gold.

Kleines Beispiel gefällig? Dieser Tage haben die Holde und meine Wenigkeit mal wieder einen Gang durch Blankenförde gemacht. Gleich nach Verlassen des fahrbaren Untersatzes machte ich auf waidmännisch und meine bessere Hälfte auf den irgendwo am Horizont röhrenden Hirsch aufmerksam. Was die Zierde meines Heims zunächst interessiert zur Kenntnis nahm. Rothirsch oder Damhirsch, nee, so weit hatte ich mich denn doch nicht aus dem Fenster gelehnt.

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Mit einer Unterperson im Eigenheim liiert: Versorger zwingt zu höherer Mathematik

19 Samstag Nov. 2022

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Energie, Mecklenburg-Strelitz, Wesenberg

Manchmal ist es geradezu unheimlich. Mein Energieversorger scheint herausbekommen zu haben, dass ich mit der Holden über eine sehr schlanke Ehehälfte verfüge. Anders formuliert, bin ich mit einer Unterperson liiert, oder, wie man das nennen will. Dieser Tage hat mir der Strom- und Gaslieferant nämlich seine drastischen Preiserhöhungen damit zu versüßen versucht, dass bei einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von rund 2.500 kWh pro Jahr beim Strom nur Mehrkosten von etwa 297 Euro auflaufen.

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Mit dem Wind auf der Haut freitags nackt in Wesenberg auf den Bus in den Nationalpark warten

01 Freitag Apr. 2022

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Freizeit, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Nationalpark, Wanderung, Wesenberg

Eigentlich wollte ich mich ja heute nackt in die Wesenberger Bahnhofstraße stellen und der Dinge harren, die da auf mich zukommen. Allerdings hat mich ein Blick auf das Thermometer davon abgehalten. Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. Immerhin winken ein besonderes und tiefes Erlebnis sowie das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit.

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Dauerangeln an der B 198: Touristiker schiebt Petri-Jünger für alle Fälle einen Apfel zu

26 Samstag Feb. 2022

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Mecklenburgische Kleinseenplatte, Wesenberg

Foto: Ronald Kraatz

Trotz der schlimmen Zeiten, die wir alle mehr oder weniger durchmachen, dürfen wir nicht vergessen, uns Optimismus und Humor zu bewahren. Einer meiner Interviewpartner hat mir das gestern angeraten, und Recht hat er. Eine Steilvorlage für Frohsinn hat uns dieser Tage ein bislang nicht bekannter Spaßvogel an der B 198 zwischen Wesenberg und Mirow mitten auf dem durchnässten Acker nahe der ehemaligen Nerzfarm beschert. Dort sitzt seit Tagen ein Angler und versucht, einer größeren Pfütze ein Schuppentier abzuringen.

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Ich bin bei Stromausfall fürs Anschreiben: Wenn der Orkan die Geldkarte entwertet

18 Freitag Feb. 2022

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Leben, Leute, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Wesenberg

Während Orkan nach Orkan über die Mecklenburgische Kleinseenplatte braust und der nächste Stromausfall im gefühlt besonders anfälligen Wesenberg nur eine Frage von Stunden (oder Minuten) sein kann, habe ich das dringende Bedürfnis, für das Anschreiben zu plädieren. Zugegeben, es ist ein bisschen aus der Mode gekommen, aber hier kennt doch jeder jeden, und außerdem gibt es ja Personalausweise, die auch im Schein von Handy-Taschenlampen zu entziffern sind.

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Schnappatmung in der Umkleide: Corona treibt seltsame Blüten

23 Sonntag Jan. 2022

Posted by Strelitzius in Glosse

≈ 3 Kommentare

Schlagwörter

Gesundheit, Handel, Mecklenburgische Seenplatte, Neubrandenburg

„Mama hat den Ausweis vergessen“, sagte die russischsprachige Mutter zu ihrer kleinen Tochter, und beide drehten im Eingangsbereich des TK Maxx in Neubrandenburg traurig wieder um. Der Impfstatus reicht hier nicht aus, es ist auch noch unter Beweis zu stellen, dass man der Immunisierte ist.

Die Holde und meine Wenigkeit waren zum Glück nicht nur frisch geboostert zum Shoppen aufgebrochen, sondern wir konnten auch noch unsere Identität belegen. Sonst wäre uns auch echt etwas entgangen.

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71 Jahre, Wesenberg in Mecklenburg-Strelitz, Diplomjournalist, Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband

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