Glosse

Zu den Segnungen der Neuzeit gehört, dass sich unsereins jetzt per Internet verifizieren kann. Da steigen Sie schon aus? Also, ich erkläre es mal: Verifizieren bedeutet so viel wie nachweisen. Bei einer Verifizierung müssen Sie also nachweisen, dass Sie wirklich Inhaber von sensiblen Daten sind wie Mail-Adresse, Telefon- oder gar Kontonummer. Aber, ich will hier gar nicht den schlauen Max markieren. Mich hat das Verifizieren zuletzt an den Rand einer Identitätskrise gebracht.
Um 14.30 Uhr klingelt mein Handy. Nette Dame möchte einen Termin machen zwecks „ganz einfacher“ digitaler Unterschrift des Vertrages mit ihrem Unternehmen und anschließender Verifizierung meiner Unterschrift per IDNow-Verfahren. Wie wäre es denn mit 14.50 Uhr? Es bräuchte dann noch meine Konto- und Steuernummern sowie den Personalausweis. Und schon hatte ich eine Mail mit Link im Posteingang, um die zwanzig mir zugemessenen Minuten nicht sinnlos herumzusitzen. „Die meisten unserer Kunden machen das selbstständig bereits vor dem soeben vereinbarten Termin“ war zu lesen. Sollte ich Unterstützung benötigen, könne ich ja gern warten.
Solchermaßen befeuert, habe ich natürlich vor der Zeit losgelegt und war 14.48 Uhr an der Schwelle zur Verifizierung meiner inzwischen geleisteten acht Unterschriften, als nichts mehr ging. Davon konnte sich auch die zwei Minuten später hinzustoßende Fachfrau überzeugen. Sie empfahl nach mehrmaligen Neueintragungen von Daten zunächst einen Browser-Umzug, zum Glück hatte ich zwei Anbieter auf meinem PC. Alles wie gehabt. Deutlich einfacher gehe es ja mit dem Smartphone, sagte die Expertin am Smartphone, ich bräuchte nur aus dem Store eine App herunterladen, und wenn die orangefarben sei, dann sei es die richtige. Sprach es, und wechselte zwecks beidseitiger Entlastung auf mein Festnetztelefon.
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