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Es ist ja nicht die erste Lanze, die ich für den an jedem der vier Adventswochenenden geöffneten kleinen, feinen Weihnachtsmarkt an der Glasmanufaktur in Dalmsdorf breche. Die Verbindung von schönen Dingen im Haus, ohne Fundstück geht man da nicht raus, und Leckerem auf der Hofseite entbehrt eben nicht einer gewissen Genialität.

Dabei schreibe ich jetzt nicht vom Goldbrand, den man dort alternativ zu Amaretto in den Glühwein geschossen bekommen kann. Wobei die Wiederbegegnung mit dem zu DDR-Zeiten kreierten Schnaps zugegeben rührend war. Dass es ihn noch gibt! Kleine gedankliche Reise in die feuchtfröhliche Vergangenheit. Ich habe, meine Wurzeln verleugnend, trotzdem auf den italienischen Verstärker gesetzt. Man ist ja nun nicht mehr der Risikofreudigste. Die Holde gab sich in der ihr eigenen Zurückhaltung einem ungedopten Apfelpunsch hin, aber das nur der guten Vollständigkeit halber. Meine bessere Hälfte hat Zeit ihres bisherigen Lebens nicht zur Goldbrand-Gemeinde gehört und wird ihr auch künftig nicht beitreten.

Die überaus mundende Wildbratwurst einen Stand weiter war es, die mich jetzt in die Tasten hauen lässt. Der Griller, also der hinter dem Rost, war hüftabwärts unschwer als Jäger zu erkennen. So erlaubte ich mir Plaudertasche die Frage, ob denn sein Fleischprodukt selbst geschossen sei. Na klar, und sein Revier liege bei Pieverstorf, wobei die Grillzange die ungefähre Richtung zum Hochstand angab. Mehr Herkunftsnachweis war eigentlich nicht zu erwarten. Aber, es gab neben Senf und einer auf knusprig gewärmten Brötcheneinfassung noch eine Zugabe. Es könne schon sein, dass die Wurst in ihrer ursprünglichen Form hier auch schon herumgelaufen sei, kreiste der metallene Wegweiser diesmal in und unmittelbar um Dalmsdorf.

Gelegenheit für die Zierde meines Heims, mal ihre Abneigung gegen Wild einzuflechten, das ihr eventuell vor die Motorhaube ihres geliebten Wägelchens laufen könnte. Aus dem umgefahrenen Unfallopfer werde dann vom Asphalt weg auch Wurst gemacht, war von dem Jägersmann zu hören. Ich habe vergessen zu fragen, ob das jetzt ein Scherz war. Aber eigentlich ist es mir auch Wurst. Wenn ich an den erlebten Grill-Genuss denke, ziehe ich schon wieder Geschmacksfäden.