Schade, dass es Deutsch nicht wirklich abgepackt gibt. Kauf dir mal ’ne Tüte Deutsch, ist nur so dahingesagt. Wäre dem nicht so, könnte man das muttersprachliche Angebot gleich neben dem Fundstück unterbreiten, das mir in dieser Woche die Mundwinkel nach unten gezogen hat. Und zwar in der Kaufhalle, wo es all die schönen Sachen gibt.
In Wesenberg sind einem Wegweiser sensationell Beine gewachsen Und, weil dem so ist, benutzte er die Gehhilfen offenbar auch. Der Orientierer wanderte vom Start, wo man ihn eigentlich vermuten sollte, zum Ziel, wo er reichlich überflüssig ist. Sieht man mal davon ab, dass sich solchermaßen kontrollieren lässt, ob man zwischenzeitlich vom Pfad abgekommen ist. Aber, wer braucht denn am Ende sowas?
Mit Schuldzuweisungen soll man ja bekanntlich vorsichtig sein. Das Wissen darum ist allerdings das eine, die Praxis das andere. Ich habe mich dieser Tage mächtig im Autohaus meines Vertrauens in Neustrelitz blamiert. Da war ich wegen Ausfalls der Assistenzsysteme an meinem fahrbaren Untersatz vorstellig geworden. Klarer Garantiefall, dachte ich ich, aber weit gefehlt.
Man hätte mir ja auch seinerzeit bei Übergabe des Neuwagens sagen können, dass der nicht nur überall Abstandssensoren und Kameras vorn und hinten hat. Die ich alle gereinigt hatte. Nee, das Hightech-Stück hat auch noch oberhalb der Stoßstange ein so ziemlich unsichtbares Radar. Und genau da klebte ein Eisklumpen…
Mein geniales Content Management System, also die Plattform, auf der ich meinen Blog betreibe, überrascht mich jeden Morgen mit einer neuen Schreibanregung. Meistens nehme ich mir angesichts des bereits überquellenden Nachrichteneingangs nicht die Zeit, darauf auch nur einen Gedanken zu verschwenden. Aber dieser Tage war ich von der Anregung so was von angeregt, dass sie mich schließlich zu diesen Zeilen geführt hat. Gefragt war, welche Erfindung ich dringend befürworten würde. Ich brauche ein wollenes Lätzchen in Größe XXL mit Ärmeln.
Ich weiß ja nicht, wie Sie zu Ihrem zweiten, dritten und gegebenenfalls auch vierten Vornamen stehen. Meine Wenigkeit jedenfalls stand bislang nicht zu Rolf. Was möglicherweise ein Beleg für mangelnden Respekt ist, denn es handelt sich dabei um meines Vaters Namen, welcher mir schreiendem Bündel ungefragt beigefügt wurde. Wie der Strich über meinem André, nachdem meine arme Mutter gefragt wurde, ob man ihr das Baby, also mich, angedreht habe. Bewirkt hat die nachträgliche Französisierung herzlich wenig. Über meinen Nachnamen will ich gar nicht erst wehklagen. Man findet sich irgendwann damit ab, als Herr Groß und nicht Herr Gross angesprochen oder aufgerufen zu werden.
In Zeiten des unaufhörlichen und beunruhigenden Vormarsches der Künstlichen Intelligenz, kurzum KI genannt, sollte man sich trotzdem Gedanken über die menschliche Intelligenz machen. Und die tierische auch noch. Das ist mir ausgerechnet beim Fahrradfahren aufgestoßen. Was nicht der Tatsache geschuldet ist, dass selbst mein elektrisches Tretmobil inzwischen mit KI ausgestattet ist. Es hat sogar einen Lautsprecher, wofür auch immer. Leider verfügt das Wunderwerk über keine zusätzliche Aufnahmekapazität, herbe Kritik an den Hersteller, sonst hätte ich meinen nachfolgenden geistigen Erguss gleich am Lenker diktieren können. Aber, so halbwegs frisch sollten die Eindrücke noch sein.
Also, bitte jetzt nicht erschrecken, es geht um Krötentunnel im Allgemeinen und im Besonderen. Der Name ist tiefgestapelt, weil die beiden, die mir in meinem Nachbarort im Vorbeipedalieren begegnet sind, ob ihrer Ausmaße theoretisch auch Nichtamphibien wie Fuchs, Dachs und Hase passieren lassen. Weiß der Fuchs, und mein Name ist Hase!
Eigentlich wollte ich ja auch Pferdeflüsterer werden. Aber 1998, als mir Robert Redford als Berufsberater zur Seite stand, war es mit mir schon zu spät, um noch umzukehren. Und so wurde ich halt ein Schreiberling, was ich heute noch bin. Und, in festen Händen war ich ja seinerzeit auch. Umso mehr bin ich beglückt, dass ich jetzt, 26 Jahre später, trotzdem zumindest theoretisch mit Pferden kommunizieren kann. Wenn auch nicht flüsternd. Ich komme einfach nicht nah genug an sie heran. Und wenn ich distanzbedingt all die mir neu gegebene Lautstärke aufbiete, gehen die Pferde höchstens durch. Also, jetzt nicht mit mir. Aber auf der Koppel.
Übrigens kann ich auch Hunde anbellen. Aber, das führt jetzt vielleicht zu weit für den Leser dieser Zeilen. Zumal ich bei meinem sprachlichen Austausch von Mensch zu Tier noch am Anfang stehe. Und ich muss ja auch Rücksicht nehmen auf meine Artgenossen. Wenn ich denen von hinten komme, und die sind auch noch schreckhaft, nicht auszudenken. Es könnte sie glatt aus dem Sattel hauen. Oder aus den Schuhen. Womit wir der Erhellung des Themas ein gehöriges Stück näher gekommen wären.
In meiner neueren Funktion als Großvater, sprich Opi, hat sich mein Blick für Dinge geschärft, die mich bislang eher kalt gelassen haben. Schließlich soll es dem Enkelchen an nichts fehlen. Und es gibt ja nichts, was es nicht gibt für die Lütten. Wie zum Beispiel die Regenhose, die ich dieser Tage in dem Supermarkt in Mirow entdeckt habe, wo es all die schönen Sachen gibt.
Allerdings hat mich das Fundstück jede Menge Gehirnschmalz gekostet. Zunächst habe ich im Geiste die Statur des Knaben abgerufen und bin zu einem positiven Befund gelangt. Davon abgesehen, dass so ein Schlechtwetterbeinkleid ja ruhig ein bisschen legerer sitzen kann. Dann begann ich, das Teil näher zu inspizieren, und schon hagelten die Fragezeichen auf mich nieder. Wo schlüpft man denn hier rein, wozu sind eigentlich die Bänder, sind das Träger? Nee, dann fehlt ja einer. Halte ich die Hose vielleicht verkehrt herum? Also gedreht, ohne tatsächlich zu einer Erleuchtung zu gelangen. Außen und innen kann ich ja nicht verwechselt haben, die eine Seite ist ja eindeutig gegen den Niederschlag beschichtet. Hundertprozentig dicht scheint die Büx ohnehin nicht zu sein, das kann man drehen und wenden, wie man will.
Meine Verunsicherung veranlasste mich schließlich dazu, das schützende Kleidungsstück wieder zurückzulegen, liebender Opi hin, liebender Opi her. Womit ich mich dann instinktiv vor einem Fehlkauf bewahrt habe. Denn irgendwann fiel mein Blick doch noch auf das Etikett der Ware. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, wenn auch im konkreten Fall ein bisschen spät. Es handelte sich bei der Regenhose sogar um einen Regenmantel. Aber für nässeempfindliche Hunde. Nun krabbelt mein Nachfahre zwar auch mal auf allen Vieren, ist aber inzwischen des Laufens mächtig. Und im Regen käme er vermutlich gleich gar nicht auf die Idee, mehr als seine zwei Beine einzusetzen. Das hat er Dackel, Pinscher, Bulldogge und Windhund bereits voraus.
Eigentlich bin ich ja einer von der gütigen Sorte. „Du bist viel zu nett“, zischt mir die Holde oft genug zu, wenn ich mich mal wieder telefonisch mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin eines Kundencenters auseinandersetze. Vorausgesetzt, ich habe keine künstliche Intelligenz am Ohr. Tendenz zunehmend, ebenso wie die Anlässe, sich als Kunde kritisch zu artikulieren. Irgendwie ist vieles aus den Fugen, was gestern noch funktionierte
Am besten, ich fange noch mal von vorn an. Es gibt Ausnahmesituationen, die ich im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt schätze. Dieser Tage dachte ich, an der örtlichen Tanke das Wägelchen meiner Holden einer Grobreinigung zu unterziehen. In die Waschanlage darf es als stoffbedachte Bewegungshilfe nicht. Das hat meine bessere Hälfte so festgelegt, die schonende, ja geradezu liebevolle Handreinigung praktiziert. Wenn die Fahrerin denn da ist, was sie längere Zeit nicht war. Und da gibt es ja an der Tanke einen Kärcher, der zumindest kraftsparend die Illusion eines sauberen Wägelchens schaffen könnte. Von mir nie benutzt, meine robusteren Autos erhalten immer voll die Bürstung.
Jetzt kommt es: Prompt stand ich vor dem Kärcher, wie der berühmte Ochse vorm Tor. Weil nur zu mutmaßen war, ob der nahegelegene graue Kasten mit dem Schlitz darin mit dem Reinigungsgerät in Verbindung steht. Von der vermeintlichen Zahlungshöhe ganz zu schweigen. Also ich, die Freundlichkeit selbst, in die Tanke. Gleich zwei Zielpersonen. Ich mein Problem vorgetragen, und eine Mischung aus „Wie blöd ist der denn?“ und „Will der uns jetzt dumm kommen“ geerntet. Zumindest gab es leicht gereizte Auskünfte. Mit denen ich dann den Kärcher in Betrieb gesetzt habe, der überraschend Seifenlauge von sich gab. Solchermaßen eingeschäumt, bin ich nach Hause gerollt und habe mich redlich bemüht, das Ringe bildende Zeug mit Klarwasser und Schwamm eigenhändig wieder herunterzubekommen.
Die Mecklenburgische Kleinseenplatte, in der wir leben, heißt vielleicht auch Kleinseenplatte, weil sie quasi eine kleine Welt ist. Will sagen, dass hier jeder jeden kennt, und trifft. Wie zum Beispiel meine Holde beim Friseur die Nette aus dem Netto. Die Kaufhalle ist nach Letzterer nicht benannt, verdient hätte sie es aber allemal. Also, die Nette. Das ist die, die vor rund 25 Jahren mal ein Auto gekauft hat, das zuvor meine Holde gelenkt hatte. Den Besitzerinnenwechsel hat der Händler bewerkstelligt, der da gleich gegenüber vom Netto seine Adresse hat. Wie gesagt, kleine Welt. Aber, das nur die Vorrede zur Groborientierung.
Wo waren wir stehen geblieben? Ach so, beim Friseur. Jedenfalls hat meine Holde da der Netten vom Netto zwischen Schnitt, Waschen und Fönen verraten, dass meine Wenigkeit temporär verlassen wird. Von der Holden, die sich auch mal ausschließlich um sich selbst kümmern muss. Und da wäre es doch nett von der Netten, wenn sie sich mal um mich kümmern würde. Also, bei Netto. Da hätte ich trotz sorgfältigster Einweisung seitens der Holden solistisch noch nie zu hundert Prozent bestanden. Was solle das erst werden, wenn ich nun unter gar keinen Fittichen mehr Lenkung fände, vom Auffinden von Bier mal abgesehen. Ich könnte Brötchen bei der Zahnpasta suchen, die Salate im Schnapsregal, oder gar mit der Nase in der Tiefkühlung der völligen Orientierungslosigkeit anheim fallen.
Die Nette vom Netto nimmt die ihr übertragene Aufgabe ernst und hat mich beim jüngsten Gang in die Kaufhalle mehr oder weniger offiziell als meine ganz persönliche Beraterin begrüßt. Allerdings tendierte mein Beratungsbedarf für dieses Mal gegen Null. Dass ich weder Chip noch Münze für einen Einkaufswagen hatte und meine auf den Armen getürmten, eigenständig gefundenen Einkäufe notgedrungen mit dem Kinn fixierte, was das Gespräch mit der Netten vom Netto erschwerte, fiel nun wirklich nicht in deren Aufgabenbereich.
Jedenfalls fühle ich mich einigermaßen geadelt. Wer hat schon eine ganz persönliche Nette bei Netto. Sie wollen jetzt wissen, ob „Roter Netto“ oder „Schwarzer Netto“? Das fällt unter Herrschaftswissen, und dieses wird bekanntlich nicht geteilt.