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Glosse

In Zeiten des unaufhörlichen und beunruhigenden Vormarsches der Künstlichen Intelligenz, kurzum KI genannt, sollte man sich trotzdem Gedanken über die menschliche Intelligenz machen. Und die tierische auch noch. Das ist mir ausgerechnet beim Fahrradfahren aufgestoßen. Was nicht der Tatsache geschuldet ist, dass selbst mein elektrisches Tretmobil inzwischen mit KI ausgestattet ist. Es hat sogar einen Lautsprecher, wofür auch immer. Leider verfügt das Wunderwerk über keine zusätzliche Aufnahmekapazität, herbe Kritik an den Hersteller, sonst hätte ich meinen nachfolgenden geistigen Erguss gleich am Lenker diktieren können. Aber, so halbwegs frisch sollten die Eindrücke noch sein.

Also, bitte jetzt nicht erschrecken, es geht um Krötentunnel im Allgemeinen und im Besonderen. Der Name ist tiefgestapelt, weil die beiden, die mir in meinem Nachbarort im Vorbeipedalieren begegnet sind, ob ihrer Ausmaße theoretisch auch Nichtamphibien wie Fuchs, Dachs und Hase passieren lassen. Weiß der Fuchs, und mein Name ist Hase!

Aber, zurück zu Kröte und Artgenossen. Denen wurden ja nach der Winterstarre früher in mühsamer Kleinarbeit temporäre Folien-Schutzzäune errichtet, die sie so genervt haben, dass sie schlussendlich in ihrem Drang auf die andere Seite in versenkten Eimern landeten. Die mussten dann nur noch von den Naturschützern über die Fahrbahn getragen und wieder ausgekippt werden, und schon konnten die kurzzeitig inhaftierten Wanderer weiterziehen.

Wie das neuerdings funktioniert, ist mir ein wenig schleierhaft. Die moderne Barriere ist ja nun stahlhart, da fangen sich die Umherziehenden schnell eine Brüsche ein. Zumal sie auch noch nachts unterwegs sind. Fällt jetzt der besorgte Kröterich Frau Kröte in den Arm, wenn diese frei geradeaus will, und macht sie auf die Unterführung aufmerksam? Wegweiser dürften ja eher kein Mittel zum Zweck sein. Werden Jungkröten von vornherein im Tunneln geschult? Die Augen stehen immerhin praktischerweise weit genug auseinander, um nach links und rechts zu schauen auf der Suche nach der nächsten Querungshilfe. Was auch erklären würde, warum die übergroß ausgeführt und damit selbst im Dunkeln zu finden sind. Vielleicht weht den Suchenden zwecks Orientierung auch ein kühles Lüftchen aus der Öffnung entgegen…

Apropos übergroß! Alles ist geregelt in diesem Land, bis auf das bisschen Haushalt. Ich zitiere die entsprechende Krötentunnel-Verordnung: „Die lichte Weite der Durchlässe muss bei einer Länge bis 20 Meter mindestens einen Meter betragen. Bei längeren Durchlässen sind größere lichte Weiten erforderlich. Querungshilfen für Amphibien sind in Wanderrichtung der Tiere ca. alle 30 Meter einzubauen und mit einer ebenen Laufsohle im Durchlass auszustatten.“ Andere kennen sich mit Kröte & Co. offenbar besser aus als unsereins.