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Glaßbrenner, Hans-Fallada-Klub, Kulturquartier, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Schattinger, Vortrag
Mit einem Vortrag über den Journalisten, Satiriker und Demokraten Adolf Glaßbrenner erinnert der Hans-Fallada-Klub Neustrelitz am 8. Mai um 16 Uhr im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz an die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen von 1933 und setzt ein Zeichen zur Verteidigung des freien Wortes.
Zu Gast ist Dr. Bernd Schattinger, ehemaliger Leiter der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, der sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit der Geschichte der demokratischen Bewegung und ihrer Presse in Mecklenburg befasst hat und auf zahlreiche Publikationen zu diesem Thema verweisen kann, mit dem Vortrag „Seiner Zeit voraus: Adolf Glaßbrenner (1810-1876). Erst verboten, dann vergessen?“
In seiner Heimatstadt Berlin hatte Adolf Glaßbrenner sich unter dem Pseudonym „Brennglas“ einen Namen als Satiriker gemacht. Bekannt ist die literarische Figur des Eckenstehers Nante. Auch die Redewendung „es ist allerhöchste Eisenbahn“ stammt aus einem seiner Texte. Durch seine kritischen und volkstümlichen Publikationen fiel er beim preußischen König in Ungnade und seine Publikationsmöglichkeiten in der preußischen Hauptstadt verschlechterten sich. Den König ärgerte auch, dass Adele Peroni, Schauspielerin am königlichen Theater, den umtriebigen Humoristen geheiratet hatte. Sie verlor ihr Engagement, wurde aber vom Großherzog Georg an sein Theater in Neustrelitz geholt. Das Ehepaar übersiedelte 1840 nach Neustrelitz und bezog eine Wohnung im Haus des Tischler-Amtsmeisters Carl Herzberg, Glambecker Straße 29.
Mit Daniel Sander befreundet
In der Revolution von 1848/49 war er zusammen mit seinem Freund Daniel Sanders einer der führenden Demokraten im Großherzogtum. Als Vorstandsmitglied des 1848 gegründeten Reformvereins Neustrelitz hielt er Reden in Versammlungen und auf Kundgebungen, mit denen er die oft zahlreichen Zuhörer begeistern konnte. In der radikaldemokratischen Wochenzeitung „Blätter für freies Volksthum“ veröffentlichte Glaßbrenner regelmäßig satirische Beiträge. Bei dem großen Aufzug unzufriedener Landarbeiter, Tagelöhner und Handwerksgesellen vor dem Schloss am 7. September 1848 spielte er eine wesentliche Rolle. Eine unzutreffende Denunziation nahm der Großherzog zum Anlass, den kritischen Demokraten 1850 auszuweisen. Das Ehepaar zog nach Hamburg.
Im Beiprogramm zu Bernd Schattingers Vortrag werden die Arbeiten einiger Künstlerinnen und Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern präsentiert, die vor einigen Jahren Bernd Schattingers Aufruf folgten, Glaßbrenners gegen den preußischen König gerichtetes satirisches Gedicht „Allerhöchste Logik“ zu illustrieren. Neben Schattinger wird auch die Neustrelitzer Künstlerin Cornelia Kestner, die an dieser Aktion beteiligt war, diese Arbeiten erläutern.
Ab 20.15 Uhr zeigt das Kino in der Alten Kachelofenfabrik die DEFA-Komödie „Ein Polterabend“ von 1955 (Regie von Curt Bois). Vor dem Hintergrund einer kurzen Episode aus dem Leben Glaßbrenners werden seine Persönlichkeit sowie der Geist jener Zeit humoristisch beleuchtet.
