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Glosse

Eigentlich bin ich ja einer von der gütigen Sorte. „Du bist viel zu nett“, zischt mir die Holde oft genug zu, wenn ich mich mal wieder telefonisch mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin eines Kundencenters auseinandersetze. Vorausgesetzt, ich habe keine künstliche Intelligenz am Ohr. Tendenz zunehmend, ebenso wie die Anlässe, sich als Kunde kritisch zu artikulieren. Irgendwie ist vieles aus den Fugen, was gestern noch funktionierte

Am besten, ich fange noch mal von vorn an. Es gibt Ausnahmesituationen, die ich im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt schätze. Dieser Tage dachte ich, an der örtlichen Tanke das Wägelchen meiner Holden einer Grobreinigung zu unterziehen. In die Waschanlage darf es als stoffbedachte Bewegungshilfe nicht. Das hat meine bessere Hälfte so festgelegt, die schonende, ja geradezu liebevolle Handreinigung praktiziert. Wenn die Fahrerin denn da ist, was sie längere Zeit nicht war. Und da gibt es ja an der Tanke einen Kärcher, der zumindest kraftsparend die Illusion eines sauberen Wägelchens schaffen könnte. Von mir nie benutzt, meine robusteren Autos erhalten immer voll die Bürstung.

Jetzt kommt es: Prompt stand ich vor dem Kärcher, wie der berühmte Ochse vorm Tor. Weil nur zu mutmaßen war, ob der nahegelegene graue Kasten mit dem Schlitz darin mit dem Reinigungsgerät in Verbindung steht. Von der vermeintlichen Zahlungshöhe ganz zu schweigen. Also ich, die Freundlichkeit selbst, in die Tanke. Gleich zwei Zielpersonen. Ich mein Problem vorgetragen, und eine Mischung aus „Wie blöd ist der denn?“ und „Will der uns jetzt dumm kommen“ geerntet. Zumindest gab es leicht gereizte Auskünfte. Mit denen ich dann den Kärcher in Betrieb gesetzt habe, der überraschend Seifenlauge von sich gab. Solchermaßen eingeschäumt, bin ich nach Hause gerollt und habe mich redlich bemüht, das Ringe bildende Zeug mit Klarwasser und Schwamm eigenhändig wieder herunterzubekommen.

Der Tragödie/Komödie zweiter Teil: Tage später ich mit eigenem Fahrzeug wieder vor der Waschanlage. Und, Überraschung. Tatsächlich stand doch an dem ominösen Kasten jetzt die Aufforderung, einen Euro einzuwerfen. Ob es sich dabei um die Zahlung für den Kärcher oder eine Spendenbox der Caritas handelt, bleibt weiter offen. Immerhin, ein erster Schritt in die richtige Richtung, mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Aber, da bleibt noch viel zu tun. Denn rechts der Einfahrt zur Waschanlage befindet sich ein sogenanntes Vorsprühgerät. Das weiß ich, weil es überraschend dran steht mit der Aufforderung zur Selbstbedienung. Mehr noch, sogar der Einwurfschlitz ist für Doofe wie mich ausgewiesen. Mehr kann unsereins Nichteingeweihter kaum erwarten.

Bleibt nur offen, was diese Dienstleistung nun wieder kostet. Von mir werden Sie es jedenfalls nicht erfahren. Ich werde den Teufel tun, und noch mal den Gang nach Canossa antreten, sprich, vor den Kassentresen der Tanke treten und dämliche Fragen stellen. Und sprechen Sie mich bloß nicht auf den Unterschied zwischen dem Kärcher und dem Vorsprüher an. Vermutlich besteht der in der ausgebrachten Seifenmenge. Finden Sie es doch selbst heraus! Auch, wenn das jetzt wirklich nicht nett von mir ist.