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Glosse

Foto: KI

Mein geniales Content Management System, also die Plattform, auf der ich meinen Blog betreibe, überrascht mich jeden Morgen mit einer neuen Schreibanregung. Meistens nehme ich mir angesichts des bereits überquellenden Nachrichteneingangs nicht die Zeit, darauf auch nur einen Gedanken zu verschwenden. Aber dieser Tage war ich von der Anregung so was von angeregt, dass sie mich schließlich zu diesen Zeilen geführt hat. Gefragt war, welche Erfindung ich dringend befürworten würde. Ich brauche ein wollenes Lätzchen in Größe XXL mit Ärmeln.

Also so einen Kleckerschutz, wie ihn mein vierjähriger Enkel bei Tisch trägt, nur nicht in abwaschbar, dafür in Strick. Weil ich ja nicht kleckere, zumindest nicht im Bett. Stattdessen lese ich dort Abend für Abend vor der Nachtruhe. Wobei die von mir verschlungene Lektüre jahreszeitlich bedingt stark schwankt. Also, was die Anzahl der zurückgelegten Seiten angeht. Während es von späterem Frühling bis früherem Herbst kaum Unterschiede gibt, schwächele ich im Winter doch erheblich. Da kann es sogar zu 50-prozentigem Leistungsabfall kommen.

Wir schlafen nämlich gesund. Was heißt, dass es in der kalten Jahreszeit zu erheblichen Temperaturunterschieden zwischen unter der Bettdecke und über selbiger kommt. Da sind empfohlene 18 Grad schnell gefühlte 12, Schlafanzug hin, Schlafanzug her. Der innere Schweinehund ist auf den Plan gerufen: Noch ein Kapitel bibbern, oder zuklappen und die oberirdischen Körperteile zu den anderen ins Warme bringen?

Ich habe das Problem mit einer ebenfalls belesenen Freundin besprochen. Die hat ähnlich wärmebedürftig eine Art Lediglich-Fingerspitzen-Technik beim Halten des Buches entwickelt. Diese funktioniert aber nur bei dünneren Taschenbüchern. Spätestens bei 600-Seiten-Werken in gebundener Ausgabe muss alles Hand und Arm haben, und das links und rechts außenbords. Sonst laufen Sie Gefahr, dass Sie erlahmen, Ihnen der Wälzer bei orthopädisch bedenklicher Fingerermüdung aufs Gesicht knallt und Sie sich als lebendes Lesezeichen zwischen den Seiten wiederfinden.

Deshalb gehört das Wärmelätzchen für spätabendliche Leseratten dringend erfunden. Gern auch mit umblättergeeigneten Handschuhen dran. Nach dem ersten Augenzufallen Buch ablegen, einfach das Halsbändchen lösen, Leselampe aus, den Halbpullover wohlweislich unter der Decke abstreifen und sich in Morpheus Arme flüchten. Himmlisch! Sollte sich mein Haupthaar weiter lichten, wäre perspektivisch noch eine Bettmütze denkbar. Den Anblick müsste ich allerdings noch mit meiner Holden verhandeln.