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Bei der Werkeinführung: Vinicius da Silva, Axel Rothe, Lukas Storch, Lukas Rosenhagen und Marco Zabel, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Tanzkompanie (vorn von links).

Mit der neuen Produktion „Genesis“ widmet sich die Deutsche Tanzkompanie einem der ältesten und zugleich aktuellsten Texte der Menschheitsgeschichte: dem ersten Buch Mose. In der gut besuchten Werkeinführung am vergangenen Sonntag im Neustrelitzer Borwinheim erhielten die Besucher nun einen eindrucksvollen Vorgeschmack darauf, wie die biblische Schöpfungsgeschichte in Tanz, Musik und Bildsprache neu erfahrbar wird – emotional, kraftvoll und überraschend gegenwärtig.

Bereits die musikalische Auswahl eröffnet einen außergewöhnlichen Spannungsbogen. Musiker Lukas Storch und Dramaturg Lukas Rosenhagen führten das Publikum zunächst in die Klangwelt der Produktion ein: Kompositionen von Dmitri Shostakovich treffen auf Werke aus der brasilianischen Heimat des Choreographen und auf Musik der bedeutenden mecklenburgischen Komponistin Emilie Mayer aus Friedland – und stehen zugleich im spannenden Kontrast zu den Klängen der Einstürzenden Neubauten aus dem Album „Haus der Lügen“. Eine Mischung, die Neugier weckt und deutlich macht: „Genesis“ ist keine klassische Nacherzählung, sondern eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Ursprung, Menschsein und Weltverständnis.

Besonders intensiv dürfte die Atmosphäre der Aufführungen durch die Livemusik werden: Lukas Storch wird die Vorstellungen an Orgel und Klavier live begleiten und dem Tanz damit eine unmittelbare, atmende Klangdimension verleihen.

Denkanstöße für die Gegenwart

In seinen inhaltlichen Ausführungen gab Dramaturg Lukas Rosenhagen dem Publikum Denkanstöße für die Gegenwart mit auf den Weg. Welche Bedeutung haben die uralten Erzählungen heute noch für uns? Welche Bilder und Fragen tragen sie bis in unsere Zeit hinein? In der Interpretation der Deutschen Tanzkompanie wird die Schöpfungsgeschichte zu einer berührenden, zeitlosen Textsammlung über Anfang und Ende, Verantwortung, Gemeinschaft und die Zerbrechlichkeit des Lebens – eine Erzählung, die uns immer wieder neu begegnen kann.

Für Choreograph Vinícius da Silva ist „Genesis“ dabei ein sehr persönliches Projekt. Die Motivation, die Schöpfungsgeschichte tänzerisch zu bearbeiten, begleitet ihn bereits seit vielen Jahren. Schon früh entstand in ihm der Wunsch, diesen Stoff auf die Bühne zu bringen und durch Bewegung eine eigene Sprache für die großen Fragen des Lebens zu finden.

Ausstattung bewusst minimalistisch

Entsprechend konzentriert sich die Inszenierung auf das Wesentliche. Die Ausstattung bleibt bewusst minimalistisch. Gefühle, Ausdruck und die Körpersprache der Tänzerinnen und Tänzer selbst sollen die Geschichte erzählen. Bühnen- und Kostümbild ordnen sich dieser Idee konsequent unter und schaffen Räume, die offen bleiben für eigene Gedanken und Empfindungen.

Wie tief die konzeptionellen Überlegungen reichen, machte Axel Rothe, der für die Bühnenausstattung verantwortlich zeichnet, deutlich. Fast philosophisch beschrieb er die Ideen hinter dem Bühnenbild: Das Große finde sich im Kleinen wieder. Universum, Welt und menschliches Leben seien ein Netzwerk, ein Geflecht, aus dem Dinge und Menschen hervortreten und wieder verschwinden können. Alles sei dehnbar, wandelbar, Teil eines Kreislaufs. Das Leben selbst erscheine als Zyklus – offen für die Frage, wie es weitergeht. Diese Gedanken spiegeln sich in genauso in der Bühnenausstattung des Stückes wieder.

So verspricht „Genesis“ weit mehr als einen Tanzabend. Die Produktion lädt dazu ein, innezuhalten, sich berühren zu lassen und den uralten Geschichten mit neuen Augen zu begegnen.

Uraufführung am 6. Juni um 17 Uhr im Borwinheim
Weitere Aufführung am 14. Juni im Borwinheim

www.deutschetanzkompanie.de