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Kategorien-Archiv: Glosse

Ich bin mal wieder viel zu nett: Kärcher, Vorsprüher, und wie blöd ist der denn?

16 Samstag März 2024

Posted by Strelitzius in Glosse

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Leben, Tankstelle, Waschanlage

Glosse

Eigentlich bin ich ja einer von der gütigen Sorte. „Du bist viel zu nett“, zischt mir die Holde oft genug zu, wenn ich mich mal wieder telefonisch mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin eines Kundencenters auseinandersetze. Vorausgesetzt, ich habe keine künstliche Intelligenz am Ohr. Tendenz zunehmend, ebenso wie die Anlässe, sich als Kunde kritisch zu artikulieren. Irgendwie ist vieles aus den Fugen, was gestern noch funktionierte

Am besten, ich fange noch mal von vorn an. Es gibt Ausnahmesituationen, die ich im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt schätze. Dieser Tage dachte ich, an der örtlichen Tanke das Wägelchen meiner Holden einer Grobreinigung zu unterziehen. In die Waschanlage darf es als stoffbedachte Bewegungshilfe nicht. Das hat meine bessere Hälfte so festgelegt, die schonende, ja geradezu liebevolle Handreinigung praktiziert. Wenn die Fahrerin denn da ist, was sie längere Zeit nicht war. Und da gibt es ja an der Tanke einen Kärcher, der zumindest kraftsparend die Illusion eines sauberen Wägelchens schaffen könnte. Von mir nie benutzt, meine robusteren Autos erhalten immer voll die Bürstung.

Jetzt kommt es: Prompt stand ich vor dem Kärcher, wie der berühmte Ochse vorm Tor. Weil nur zu mutmaßen war, ob der nahegelegene graue Kasten mit dem Schlitz darin mit dem Reinigungsgerät in Verbindung steht. Von der vermeintlichen Zahlungshöhe ganz zu schweigen. Also ich, die Freundlichkeit selbst, in die Tanke. Gleich zwei Zielpersonen. Ich mein Problem vorgetragen, und eine Mischung aus „Wie blöd ist der denn?“ und „Will der uns jetzt dumm kommen“ geerntet. Zumindest gab es leicht gereizte Auskünfte. Mit denen ich dann den Kärcher in Betrieb gesetzt habe, der überraschend Seifenlauge von sich gab. Solchermaßen eingeschäumt, bin ich nach Hause gerollt und habe mich redlich bemüht, das Ringe bildende Zeug mit Klarwasser und Schwamm eigenhändig wieder herunterzubekommen.

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Die Nette vom Netto: In der Kaufhalle werde ich in schwerer Zeit an die Hand genommen

18 Sonntag Feb. 2024

Posted by Strelitzius in Glosse

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Einkaufen, Handel, Leben, Leute, Mecklenburgische Kleinseenplatte

Glosse

Die Mecklenburgische Kleinseenplatte, in der wir leben, heißt vielleicht auch Kleinseenplatte, weil sie quasi eine kleine Welt ist. Will sagen, dass hier jeder jeden kennt, und trifft. Wie zum Beispiel meine Holde beim Friseur die Nette aus dem Netto. Die Kaufhalle ist nach Letzterer nicht benannt, verdient hätte sie es aber allemal. Also, die Nette. Das ist die, die vor rund 25 Jahren mal ein Auto gekauft hat, das zuvor meine Holde gelenkt hatte. Den Besitzerinnenwechsel hat der Händler bewerkstelligt, der da gleich gegenüber vom Netto seine Adresse hat. Wie gesagt, kleine Welt. Aber, das nur die Vorrede zur Groborientierung.

Wo waren wir stehen geblieben? Ach so, beim Friseur. Jedenfalls hat meine Holde da der Netten vom Netto zwischen Schnitt, Waschen und Fönen verraten, dass meine Wenigkeit temporär verlassen wird. Von der Holden, die sich auch mal ausschließlich um sich selbst kümmern muss. Und da wäre es doch nett von der Netten, wenn sie sich mal um mich kümmern würde. Also, bei Netto. Da hätte ich trotz sorgfältigster Einweisung seitens der Holden solistisch noch nie zu hundert Prozent bestanden. Was solle das erst werden, wenn ich nun unter gar keinen Fittichen mehr Lenkung fände, vom Auffinden von Bier mal abgesehen. Ich könnte Brötchen bei der Zahnpasta suchen, die Salate im Schnapsregal, oder gar mit der Nase in der Tiefkühlung der völligen Orientierungslosigkeit anheim fallen.

Die Nette vom Netto nimmt die ihr übertragene Aufgabe ernst und hat mich beim jüngsten Gang in die Kaufhalle mehr oder weniger offiziell als meine ganz persönliche Beraterin begrüßt. Allerdings tendierte mein Beratungsbedarf für dieses Mal gegen Null. Dass ich weder Chip noch Münze für einen Einkaufswagen hatte und meine auf den Armen getürmten, eigenständig gefundenen Einkäufe notgedrungen mit dem Kinn fixierte, was das Gespräch mit der Netten vom Netto erschwerte, fiel nun wirklich nicht in deren Aufgabenbereich.

Jedenfalls fühle ich mich einigermaßen geadelt. Wer hat schon eine ganz persönliche Nette bei Netto. Sie wollen jetzt wissen, ob „Roter Netto“ oder „Schwarzer Netto“? Das fällt unter Herrschaftswissen, und dieses wird bekanntlich nicht geteilt.

Straßenlampen, die uns nicht leuchten: Und die KI lacht sich vielleicht ins Fäustchen

09 Samstag Dez. 2023

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

KI, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Straßenlampen, Wesenberg

Glosse

In letzter Zeit ist so viel von Künstlicher Intelligenz die Rede, dass man sie schier überall wittert. Erst recht da, wo Dinge passieren, die man sich nicht so einfach erklären kann. Beispiel gefällig? Die Holde und meine Wenigkeit sind ja passionierte Fuß- und Spaziergänger und durchqueren unsere Woblitzstadt auch im Dunkeln per pedes. Etwa nach dem Kinobesuch, wie neulich. Sonst wäre sie uns vielleicht gar nicht aufgefallen, die so ganz andere Lampe ausgangs der Lindenstraße kurz vor dem Bahnübergang.

Die ist nämlich offenbar mit einem Bewegungsmelder ausgerüstet, wogegen in Zeiten des Energiesparens ja auch prinzipiell nichts zu sagen ist. Nur geht die kommunale Beleuchterin aus, wenn man sich ihr nähert, und wieder an, wenn man sie passiert hat. Womit sie das ganze Gegenteil von dem tut, was sie eigentlich tun soll. Da kann doch nur KI dahinterstecken, und zwar mit erheblichem Dachschaden, das kann sich doch unmöglich ein Normalo ausgedacht haben. Zumal dieses Phänomen nicht auf Wesenberg beschränkt ist. Auch auf dem Parkplatz vor der Außenstelle des Landratsamtes an der Woldegker Chaussee ist es zu bestaunen. Und das jetzt schon seit mehr als einem Jahr. Offenbar kommt Mensch gegen KI nicht an, sonst wäre das Tohuwabohu doch längst beendet.

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Gedenken an 4990: Mit 9990 kann ich nur noch bei Windstille saugen und blasen

12 Sonntag Nov. 2023

Posted by Strelitzius in Glosse

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Garten, Herbst, Laubbläser, Laubsauger, Leben

Glosse

Dieser Tage habe ich schweren Herzens am Elektroschrott-Container zu Neustrelitz Abschied genommen von meinem Laubsauger. Der auch ein Laubbläser vor dem Herrn war. Viele Jahre hatte er mir Herbst für Herbst im Außenrevier beigestanden, wenn auch nicht unbedingt ohne Beanstandungen. Die Dezibel seiner Arbeitsfreude hätten auch in Rostock-Laage bei der Luftwaffe gemessen werden können, was ihn nicht unbedingt zum Freund der Nachbarschaft machte. Zudem neigte mein Gartenhelfer, also der Saugbläser, auch noch zu Verstopfungen. Und das permanent. Buchenblätter waren ja noch verdaulich, aber spätestens nach drei Mal Ahorn bekam er Würgereiz. Mit Stiel fand er ohnehin zum Kotzen. Ergo war alle drei bis fünf Minuten ein komplizierter Eingriff fällig, wohlgemerkt nur beim Saugen.

Weit seiner Zeit voraus war der nunmehr Entsorgte mit einem Hebel. Dessen simple Betätigung ihn vom Verschlinger zum Verdränger machte, was ich seinerzeit nicht hoch genug zu schätzen wusste. Und den ich unlängst abgebrochen habe. Was das Ende der Partnerschaft bedeutete, in der ich ihm seine große Klappe ebenso verziehen habe wie seinen Hang zur Blockade. Immerhin entstammte er noch der Generation 4990. Was jetzt keine Jahreszahl ist, sondern der Einheitspreis für Gartengerätschaften, die man sich seinerzeit als Häuslebauer eben so leisten konnte. Wir hatten ja nichts, schließlich waren Kredite zu bedienen.

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Wie ich auf dem Hotelflur von einem Schuhputzer angesprungen wurde

14 Samstag Okt. 2023

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Görlitz, Hotel, Saugroboter, Schuhputzmaschine

Glosse

Die denken hier aber auch an alles, war ich dieser Tage einigermaßen begeistert. Ich nächtigte in einem Görlitzer Altstadthotel und entdeckte direkt vor meiner Zimmertür eine Schuhputzmaschine. Der war ich auch sofort zugeneigt, hatte sie doch nur einen einzigen Bedienknopf an der Oberseite. Da wird man auch mit Ü65 noch wagemutig, was soll schon schiefgehen! . Also auf den Schalter gedrückt und erwartet, dass sich die unterseitige Bürste zu drehen beginnt. Was sie wohl auch tat, genau habe ich es nicht gesehen. Denn der Schuhputzer sprang aus seiner Halterung heraus und mich an, der ich meinen beschuhten Fuß schon unter ihn geschoben hatte. Was mich panisch zurückweichen ließ. Außerdem begann das Ding wie zum Hohn auch noch an zu quasseln, und das zu nachtschlafender Zeit. Statt mir das Schuhwerk zu wienern, begann es den Hotelflur zu reinigen. Ich war einem Saugroboter auf den Leim gegangen.

Im Umgang mit den neumodischen Zeitgenossen ungeübt, versuchte ich Robi in ein Gespräch zu verwickeln, um ihn sanft zur Rückkehr an seinen angestammten Platz zu bewegen. Aber auf Hören war der Sauger offenbar nicht ausgelegt. Also Plan B, den Ausreißer einfangen. Das war leichter gedacht als getan. Der Typ nahm mich nämlich als Hindernis wahr und schaffte es immer wieder, meinem Zugriff auszuweichen. Zumal er auf dem Hotelflur jede Menge Möglichkeiten hatte wie ein Hase Haken zu schlagen. Nach längerem Studium seiner Taktik entwickelte ich auch eine und es gelang mir, ihn in eine Ecke zu manövrieren. Auch auf die Gefahr hin, dass mich die Reinigungskraft erneut anhüpft, gelang es mir in einer Art Spagat, mit der Fußspitze an besagten Knopf zu gelangen und diesen erneut zu betätigen.

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Wenn das nichts ist: Beschäftigungsloses Knäblein in Sewekow wird zum Laternenträger

27 Sonntag Aug. 2023

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Brandenburg, Putte, Sewekow, Trinkwasser

Bei unseren brandenburgischen Nachbarn in Sewekow gibt es gleich drei Attraktionen an einer Stelle. In der Mitte des malerischen Dorfes, das der Mecklenburger auf der kürzesten Fahrt nach Wittstock durchquert, gibt es ein Wasserspiel. Was allerdings nicht mit Wasser spielt, sondern trocken liegt. Immerhin gibt es einen Hinweis, dass sich das sprudelnde Nass, wenn es denn sprudelt, nicht zum kühlenden Schluck eignet. Ganz anders eine benachbarte Trinkwassersäule. Hier kann man auf Knopfdruck seinen Durst stillen, dem zuständigen Wasserzweckverband sei Dank. Funktioniert tadellos, auch wenn die austretende Wassermenge sicherlich für ein zu tränkendes Pferd ausreichend wäre, oder auch zwei. Solcherlei Quell, ein, zwei Liter sparsamer, wünsche ich mir auch im Strelitzer Land.

Und dann gibt es im Sewekower Ensemble noch diese Putte. Über Geschmack lässt sich ja streiten. Jedenfalls soll die ja wohl erfreut dem Wasserspiel beiwohnen. Was, wie geschrieben, nicht spielt. Ein Findiger hat sich für die sinnberaubte Skulptur eine Beschäftigung ausgedacht. Nicht direkt eine ABM, aber das Knäblein hat eine ausrangierte Laterne unter den Arm geschoben bekommen. Was dem Jungspund nicht unbedingt zur Zierde gereicht. Wenn die Leuchte wenigstens im Dunkeln leuchten würde! Immerhin hat es die Installation in die „Fundstücke“-Reihe von Strelitzius geschafft. Wenn das nichts ist!

Sozialer Kontakt in der Kaufhalle: Ich habe einen kopflosen Tomatenbauern entblößt

21 Montag Aug. 2023

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Leute, Supermarkt, Werbung

Glosse

So ganz allmählich kommt unsereins in das Alter, wo die sozialen Kontakte spärlicher werden. Da ist es nur logisch, dass der Gang in die örtliche Kaufhalle plötzlich einen nie geahnten Stellenwert bekommt. Nicht nur, dass dort Nachbarn und Bekannte zu treffen sind. Jetzt, in der Urlaubszeit, mischen sich auch jede Menge Auswärtige unter unser überschaubares Kleinstadtvölkchen. Was nicht heißt, dass ich nun jedem einen Schwatz aufdränge. Mir reicht schon das Leutegucken und Leutehören. Bei mir im Garten kann ich nur den Wespen zuschauen, die gerade ein Nest bauen. Auch spannend, aber irgendwann ermüdend.

Ganz anders da der Einkaufstempel. Heute habe ich dort sogar jemanden kennengelernt. Ach, Sie essen keine Rispentomaten? Dann dürfte Ihnen der Name Stephan Apel auch nichts sagen. Stephan Apel begegnete mir gleich im Eingangsbereich. Genauer geschrieben, sein Konterfei. Wenn auch ohne Kopf. Man hatte dem Tomatenbauern von nebenan, der für die regionale Frische des Marktes stehen soll, nämlich ein weiteres Plakat direkt vors Antlitz gehängt. Übrigens mit einem QR-Code über Mund, Augen und Nase. Der allerdings nichts zur Erhellung beiträgt.

Nun kenne ich den Landwirt ja nicht näher, aber eine solche Behandlung hat er mit Sicherheit nicht verdient. Da dürften mir auch Leser zustimmen, die keine Rispentomaten schätzen. So geht man nicht um mit den Leuten, selbst, wenn sie auf Nachtschattengewächse setzen.

Meine hochinvestigativen Zeiten liegen ja auch schon etwas zurück, aber beim Torso von Stephan Apel wollte ich es denn doch nicht belassen. Wenn man Bekanntschaft schließt, dann richtig. Ergo habe ich den Lieferanten der roten Früchte eigenmächtig entblößt, also oben rum. Und fand ihn gleich auf den ersten Blick sehr sympathisch. Allerdings habe ich auch für soziale Kontakte nur begrenzt Zeit, ewig konnte ich das verhüllende Plakat nicht festhalten, und so wird Stephan Apel inzwischen wieder kopflos präsentiert. Vielleicht liest diese Zeilen ja der Zuständige im Markt und legt den Werbepartner endgültig frei. Darauf eine Rispentomate!

Das hat schon was: Per Nachnahme vor anderer Leute Türen aus der Hüfte drucken

11 Freitag Aug. 2023

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Digitalisierung, Nachnahme, Post, Zusteller

Glosse

Ich habe meinem Zusteller 97 Euro in die Hand gedrückt. Nicht, dass ich einen besonders spendablen Tag gehabt hätte. Wobei der gute junge Mann durchaus mal eine Gratifikation verdient hätte. Immerhin belästige ich ihn oft genug bereits vor der Tür meines Nachbarn mit meiner Ungeduld, obwohl ihn zu diesem Zeitpunkt noch eine geschätzt 30-minütige Wendeschleife von meiner Adresse trennt. Wohnen an Straßenkreuzungen verführt dazu. Aber das tut hier nichts zur Sache.

Jedenfalls hatte der Postbote, sorry, das war jetzt ewiggestrig, also der DHL-Bedienstete, eine Nachnahme zuzustellen. Da freut sich der Empfänger erst einmal, dass die Nachnahme auch nach der umbenannten Deutschen Post noch Nachnahme heißt. Und würdigt innerlich, dass selbige nun an der Haustür möglich ist. Immerhin musste man früher mit seiner Benachrichtigung zur Postfiliale stiefeln, um dort in angenommen geschütztem Raum zu blechen, zu löhnen, Kohle abzudrücken, jedenfalls zu zahlen, um die Sendung der Begierde zu empfangen.

Und da steht er nun vor mir, der oben beschriebene Vertreter des Fortschritts. Allerdings hält er mir nicht etwa sein Kartenlesegerät entgegen, sondern die Hand auf. In der anderen hat er doch tatsächlich ein abgeschabtes Portemonnaie. Rückfall in die Steinzeit oder geringfügig später, wo doch heutzutage selbst Monteure nach getaner Arbeit die Karte akzeptieren. Einfach drüber halten oder durchziehen, Rechnung folgt!

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Ich Opfer: Meine Gardi(e)ne mit dem kurzen „i“ wandert jedenfalls nicht in die Box

18 Sonntag Juni 2023

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Gardine, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Rechtschreibung, Wesenberg

Glosse

Ich bin ein Opfer. Also nicht im Sinne der Anrede „Du Opfer“, womit irgendwelche unterbelichteten Jugendlichen unterlegene Altersgenossen betiteln und gegebenenfalls auch körperlich attackieren. Ich bin ein Opfer der Sparzwänge in meiner Zunft. Denn irgendwann gleich nach den Setzern flogen die Korrektoren in den Zeitungsverlagen raus, und wir Schreiberlinge mussten ohne sie auskommen. Was nicht einer gewissen kapitalistischen Logik entbehrte, denn erstens war der Computer samt Rechtschreibprogramm erfunden, und zweitens konnten die Journalisten noch Deutsch. Und nicht nur die. Auch die damals noch überschaubaren Werbeagenturen rekrutierten Personal, dass der hiesigen  Muttersprache mächtig war. Wer jetzt denkt, ich jammere den alten Zeiten nach, das nun nicht.

Aber, ich bin eben ein Opfer. Mein korrigierender Blick hat sich mangels Assistenten so geschärft, dass ich neuerdings selbst im Vorbeifahren Schaum vor den Mund bekomme, wenn ich lesen muss, wofür Leute viel Geld bezahlt haben. Meine Holde meint ja immer, dass das nur mir auffallen würde. Eben, dem Opfer!

Jedenfalls bringt mich der Kleidercontainer auf dem Netto-Parkplatz Ecke Drosedower Weg in Wesenberg immer wieder an den Rand eines Verkehrsunfalls. Da ist nämlich hilfreich alles dran aufgelistet, was einzuwerfen erlaubt ist. Darunter Reihe 5, erster Begriff von links die „Gardiene“. Für die, die diesen Opferbericht nicht lesen, sondern hören: Gardine mit einem langen „i“, also mit „ie“. Bevor das hier noch in eine Gardinenpredigt ausartet. Auch Maschine gehört zur Gattung mit dem kurzen „i“, und das sollen angeblich die Kinder schon in der Grundschule lernen. Hat mir jedenfalls eine Lehrerin verraten, die ich dieser Tage am orthografisch bedenklichen Behälter vorbeichauffiert habe. Und die sich sofort auf die Seite meiner besseren Hälfte schlug. Das könne ja wieder nur mir ins Auge springen.

Um nicht zu sagen, ins Auge stechen. Und so wird das Opfer dann auch noch zum Paria. Was bleibt dem Ausgestoßenen, um sein Gesicht zu wahren? Meine Gardine mit dem kurzen „i“ werde ich jedenfalls dem Sammelbehälter nicht zuführen. Ordnung muss sein! Außerdem könnte mir meine ausrangierte Gardine irgendwann gar doch noch dienen. Ein paar Fenstervorhänge mit dem langen „i“ werden sich im Zuge der neudeutschen Bewegung „Schreibe, wie du es hörst“ bestimmt noch in der wohltätigen Box einfinden.  

Zum Kommentar (oben rechts) meiner Freundin Ulrike Bodinka aus Köln.

Beschissen am Weißen See zu Wesenberg: Enten kann ich einfach nicht leiden

08 Donnerstag Juni 2023

Posted by Strelitzius in Glosse

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Schlagwörter

Baden, Ente, Hund, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Weißer See, Wesenberg

Glosse

Also, ich sage es mal so: Mein Verhältnis zu Enten ist nicht das beste. Dabei nehme ich unsere alljährliche Weihnachtsente mal aus. Meine Abneigung stammt aus Zeiten, als ich noch Hundehalter war. Mit „Sitz“, „Leg dich hin“, „Bleib“ oder „Komm her“ hatte mein Ricky so seine Probleme. Aber bei „Enti“ wusste er sofort, was Sache ist. Wenn es überhaupt des Hinweises bedurfte. Der Münsterländer stürzte sich zu jeder Jahreszeit in die Gewässer der Region und lebte seinen Jagdinstinkt aus.

Nur hatte er jedes Mal die Rechnung ohne die durchtriebenen Enten gemacht. Die ließen den armen Hund bis auf Bissweite heranschwimmen, ehe sie höhnisch schnatternd aufstiegen und den nicht flugfähigen Vierbeiner allein auf weiter See ließen. Was der immer mit einem markerschütternden Jaulen quittierte. Das kann einen schon fertig machen, wenn man nie ein Erfolgserlebnis hat. Wenigstens eine Ente hätte sich ja mal erbarmen können. Ricky tat mir jedes Mal in der Seele leid. Einmal ist der erfolglose Jäger sogar auf einem zugefrorenen See ins Eis eingebrochen und in Lebensgefahr geraten. Alles wegen der Federviecher. Zum Glück konnte er sich allein aus der Misere befreien.

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71 Jahre, Wesenberg in Mecklenburg-Strelitz, Diplomjournalist, Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband

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