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Glosse

Ich habe meinem Zusteller 97 Euro in die Hand gedrückt. Nicht, dass ich einen besonders spendablen Tag gehabt hätte. Wobei der gute junge Mann durchaus mal eine Gratifikation verdient hätte. Immerhin belästige ich ihn oft genug bereits vor der Tür meines Nachbarn mit meiner Ungeduld, obwohl ihn zu diesem Zeitpunkt noch eine geschätzt 30-minütige Wendeschleife von meiner Adresse trennt. Wohnen an Straßenkreuzungen verführt dazu. Aber das tut hier nichts zur Sache.
Jedenfalls hatte der Postbote, sorry, das war jetzt ewiggestrig, also der DHL-Bedienstete, eine Nachnahme zuzustellen. Da freut sich der Empfänger erst einmal, dass die Nachnahme auch nach der umbenannten Deutschen Post noch Nachnahme heißt. Und würdigt innerlich, dass selbige nun an der Haustür möglich ist. Immerhin musste man früher mit seiner Benachrichtigung zur Postfiliale stiefeln, um dort in angenommen geschütztem Raum zu blechen, zu löhnen, Kohle abzudrücken, jedenfalls zu zahlen, um die Sendung der Begierde zu empfangen.
Und da steht er nun vor mir, der oben beschriebene Vertreter des Fortschritts. Allerdings hält er mir nicht etwa sein Kartenlesegerät entgegen, sondern die Hand auf. In der anderen hat er doch tatsächlich ein abgeschabtes Portemonnaie. Rückfall in die Steinzeit oder geringfügig später, wo doch heutzutage selbst Monteure nach getaner Arbeit die Karte akzeptieren. Einfach drüber halten oder durchziehen, Rechnung folgt!
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