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Glosse

Ich weiß ja nicht, wie Sie zu Ihrem zweiten, dritten und gegebenenfalls auch vierten Vornamen stehen. Meine Wenigkeit jedenfalls stand bislang nicht zu Rolf. Was möglicherweise ein Beleg für mangelnden Respekt ist, denn es handelt sich dabei um meines Vaters Namen, welcher mir schreiendem Bündel ungefragt beigefügt wurde. Wie der Strich über meinem André, nachdem meine arme Mutter gefragt wurde, ob man ihr das Baby, also mich, angedreht habe. Bewirkt hat die nachträgliche Französisierung herzlich wenig. Über meinen Nachnamen will ich gar nicht erst wehklagen. Man findet sich irgendwann damit ab, als Herr Groß und nicht Herr Gross angesprochen oder aufgerufen zu werden.
Aber zurück zu Rolf. Schuld trägt die Krankenkasse, die meinen verschüttgegangenen Vatersnamen auf der Zielgeraden meines Lebens ausgegraben und in ihr System eingepflanzt hat. Mit dem Effekt, dass ich beim Doktor immer mal wieder nicht gefunden werde, weil ich nun praktisch zwei Mal existiere – als André und als André Rolf. Nun will ich ja nicht unterstellen, dass es da bei so viel Datenschutz, wie wir täglich erleben, irgendwo ein Datenleck gegeben hat. Aber plötzlich schreibt mich auch meine Kreditkartenfirma mit „André Rolf“ an. Und wer weiß, wer da noch so alles umschwenkt.
Hallo Väterchen da oben, bei aller Liebe, ich zucke nach rund sieben Jahrzehnten ausschließlichen Rufnamens jedes Mal zusammen. Und tue es vorsichtshalber schon mal kund und zu wissen: Sollte Ihnen ein „André Rolf“ unterkommen, ich bin es bloß.