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Ich bin ja ein großer Freund von Apps. Mein ganzes Handy und auch der Rechner sind voll mit den kleinen digitalen Helfern. Selbst beim Autofahren lege ich mein Schicksal zwar noch nicht völlig, aber doch schon in ihre Hände. Wenn sie denn welche haben, die Apps. Also Hände. Eher nicht.

Jedenfalls muss unsereins aufpassen, dass er von den Apps und den Steuerleuten dahinter nicht verappelt wird. So stehen meine Tankstellenapps wegen offenkundiger Irreführung jetzt kurz vor dem Abschuss. Womit ich ihnen möglicherweise Unrecht tue.

Ich billige ihnen durchaus eine gewisse Trägheit zu. So eine App ist ja auch nur ein Mensch, quasi. Jedenfalls toleriere ich großzügig, wenn auf dem Navi-Display meines fahrbaren Untersatzes ein Super-Preis ausgewiesen ist, der von dem abweicht, der dann tatsächlich an der Tanke zu lesen ist. Schließlich fahre ich ja an der Zapfstelle vorbei und kann immer noch meine Entscheidung dafür oder dagegen treffen, abbiegen oder weiterfahren.

Anders verhält es sich schon, wenn ich mit dem Mobiltelefon daheim auf der Couch appe, einen leeren Tank draußen im Carport habe und erfahre, dass vor zwei Minuten ein super Preis für Super an der örtliche Tanke ausgerufen wurde, ich ungekämmt in Schlabberhose und noch in Hauslatschen in mein Auto springe und trotzdem vier Minuten später an der Zapfsäule das Schnäppchen schon wieder Vergangenheit ist. Von der Rufschädigung ob meines Outfits mal ganz abgesehen. Hier im Städtchen kennt schließlich jeder jeden.

Oder die Krönung vorgestern: 1,799 das Navi, viel zu teuer, Auto abstellen. Routinierter Sicherheitsblick auf das Handy, „brandaktuell“ 1,659, Motor wieder an und nichts wie hin. Zieleinlauf an der Tanke, 1,749, Zähneknirschen. Was waren das noch für simple Zeiten, als der Sprit abends billiger war als mittags! Heute wird im 5-Minuten-Takt an der Preisschraube gedreht und der Kunde nach Kräften eigentlich nicht verappt, sondern verar… Die Mineralölkonzerne sind inzwischen offenbar so ausgebufft, dass selbst die ausgeklügeltste App nur schlappmachen kann. Höchste Zeit, dass sich die Politik des zügellosen Treibens annimmt. Und ehe noch einer auf die Idee kommt: Mit Corona kann das nun wirklich nichts zu tun haben. Und mit Kasachstan oder den Scheichen auch nicht.

Ich lasse inzwischen die Tankapps Tankapps sein. Vier Cent pro Liter mehr zum Beispiel sind bei 40 Litern nach Adam Riese auch nur 1,60 Euro. Und das unter Umständen einmal im Monat. Bei knapp zwanzig Millionen deutschen Inhabern einer Pkw-Fahrerlaubnis wären das allerdings satte 32 Millionen abgezockte Euro. Mindestens! Da geht es schon ums Prinzip.