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Moment aus dem Stück von Beatrice Panero. Fotos: Theresa Lange

Dem gestrigen Welttanztag hat die Deutsche Tanzkompanie die zurückliegende arbeitsreiche und nicht wenig beglückende Contemporary-Workshop-Woche und ihr LABOR vom vergangenen Freitagabend gewidmet. „Das mag sehr modern klingen – und das ist es auch. Doch: Der Welttanztag 2024 steht auch bei uns im Zeichen von Tradition!“, schreibt mir Marco Zabel, Geschäftsführender Vorstand der Kompanie. „In dem einwöchigen Workshop arbeiteten unsere Tänzerinnen und Tänzer mit der Choreographin und ausgewiesenen Contemporary-Spezialistin Beatrice Panero und unserem Ensemblemitglied Giorgia Enrico zum Thema zeitgenössischer Tanz und kreierten aus Traditionellem zeitgenössische Tanzgeschichten.“

Die Botschaft der weltweit gefeierten argentinischen Tänzerin Marianela Núñez zum Welttanztag 2024 bringe es durchaus auf den Punkt: „Eine Erinnerung allein reicht nicht aus, um Geschichte zu schreiben. Die Geschichte eines Theaters ist, wie die jedes einzelnen, auch die Geschichte der anderen, wie die Geschichte des Tanzes, der in die verschiedenen Breitengrade einwanderte und wuchs. […] Ich teile das Engagement, das Vermächtnis der Meister:innen, Künstler:innen und Choreograph:innen zu retten und wiederzubeleben, die die Welt des Tanzes bereichert haben und es verdienen, von künftigen Generationen gehört zu werden. Wir sollten wissen, dass wir keine Zuschauer:innen sind, sondern Erben
einer Tradition, die von Kunst, Würde und Aufopferung geprägt wurde und unseren Weg mit Leidenschaft und Liebe zur Schönheit bereichert. Obgleich die Zukunft und die Gegenwart unsere Aufmerksamkeit fesseln, kann ohne das solide Fundament der Vergangenheit, ohne die Fruchtbarkeit
unseres Landes, der Baum des Tanzes nicht gedeihen. Die Wurzeln sind Tradition und gleichzeitig … Nahrung.“

Das Motto des LABORS war „Tradition trifft Moderne“. Kern des anregenden Abends waren zwei
Stücke für das Ensemble, die Vielseitigkeit, Können und Individualität der Tänzerpersönlichkeiten hervorheben – und doch vor allem „Ensemblestücke“ sind. Beatrice Panero hat den bekannten Märchenstoff vom Rotkäppchen (und dem Wolf) zur Grundlage ihrer modernen und psychologisch fein ziselierten Arbeit gemacht. „Labor heißt hier nicht allein Arbeits-, sondern auch Forschungsraum. In diesen Research bezieht sie alle Tänzerinnen und Tänzer ein, die somit selbst zu Forschenden werden – und wahrlich ‚Entdeckungen‘ mit, an und in sich machen“, so Marco Zabel weiter.

Mut und Leidenschaft werden belohnt

Giorgia Enrico konnte das Publikum der Deutschen Tanzkompanie seit zwei Jahren mit ihrem intensiven und ausdrucksstarken Tanz beeindrucken. Interesse und Erfahrung im Contemporary – im zeitgenössischen Tanz – teilte sie schon als Trainerin mit dem Ensemble. Der Schritt, auch selbst
zu choreographieren, war nur naheliegend. Und Mut und Leidenschaft wurden belohnt – so flogen ihr die Herzen der Zuschauer (und der Kollegen Tänzerinnen und Tänzer!) entgegen. Ihr Stück „na mesečini“ (Im Mondschein) verbindet zeitgenössische Tanzsprache und folkloristische Tanzlust, Balkantradition mit aktuellen Tanztendenzen. „Enrico ist mutig „forschend“, sehr authentisch; ihre Arbeit mündet in geradezu entfesselten orgiastischen Tanz. Vor allem weckt sie Lust am und zum Tanz“, würdigt mein Blogpartner.

Schön, dass kein Stuhl frei blieb im ehrwürdigen „Reutergarten“. Das Labor-Publikum, nicht allein aus der lokalen und überregionalen Tanzszene, in jedem Falle neugierig und offen. Unter den Gästen waren
auch Meistertänzer Thomas Vollmer und Bürgermeister Andreas Grund.

Mit dem Labor-Abend ging überdies für die Teilnehmer*innen des deutsch-französischen Jugendaustausches am Tanzhaus der Deutschen Tanzkompanie, initiiert und getragen vom Neustrelitzer Verein STAEDTEBANDE, eine ebenso erfahrungsreiche, an Begegnungen und Workshops
überreiche Woche zu Ende (Strelitzius berichtete). Nicht ganz: Die Tänzerinnen aus dem Tanzhaus waren am Wochenende wieder diszipliniert bei Auftritten (anlässlich der Jugendweihen) zu erleben –
wie die Profis, die erneut in der „Fledermaus“ im Landestheater bestachen.

Szene aus dem Stück von Georgia Enrico.
Moment aus dem Stück von Beatrice Panero.
Marco Zabel (links) im Gespräch mit Georgia Enrico und Vinicius da Silva.
Verdienter Schlussapplaus für Ensemble und Choreografinnen nach der LABOR-Aufführung: Fünfte von links Georgia Enrico, rechts Beatrice Panero.