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Überall qualifiziert mitreden können, von Atomkraftwerk bis Zirrhose, ohne unbedingt über Spezialwissen zu verfügen. Das wurde uns frischgebackenen Journalistikstudenten anno dunnemals in Leipzig als erstrebenswertes Berufsziel mit auf den Weg gegeben. Dann sollte unsereins sich aber im Fall eines Falles auch zurückhalten. Reden ist bekanntlich Silber, Schweigen ist Gold.

Kleines Beispiel gefällig? Dieser Tage haben die Holde und meine Wenigkeit mal wieder einen Gang durch Blankenförde gemacht. Gleich nach Verlassen des fahrbaren Untersatzes machte ich auf waidmännisch und meine bessere Hälfte auf den irgendwo am Horizont röhrenden Hirsch aufmerksam. Was die Zierde meines Heims zunächst interessiert zur Kenntnis nahm. Rothirsch oder Damhirsch, nee, so weit hatte ich mich denn doch nicht aus dem Fenster gelehnt.

Allerdings neigt die Holde zum Widerspruch. Der sich etwa zur Hälfte unseres Dorfspaziergangs regte, als aus dem röhrenden Solisten ein Chor geworden war. Dort könne doch unmöglich ein ganzes Hirschrudel zu Gange sein, meldete sie Zweifel an meiner Expertise an. Zuvor hatte sie, um die Diskussion zu befruchten, bereits alternativ einen möglichen Hirschrufer ins Feld geführt, der für den nächsten Wettbewerb trainiert. Da röhrte es noch unisono.

Irgendwann lichtete sich der Dunst über den Wiesen, und ich war bei aller sicherlich vorhandenen Allgemeinbildung der Blamierte. Schließlich hätte ich ja auch Jäger werden können. Eine Herde Rinder hatte der Begeisterung über ihre Fütterung lautstark Ausdruck verliehen, erst eines, dann alle. „Die freuen sich einfach, dass Herrchen sie nicht vergessen hat“, so der kommunikationsfreudige Tierhalter, zufällig unseren Weg kreuzend, auf die besorgte Frage meiner Gattin nach dem Wohl der nicht ganz Hirsche.