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Nachdem meine geplante Rehkeule zu Ostern wegen Erkrankung des Kochs ausfallen musste, das Reh wartet auf die nächste festliche Gelegenheit, bin ich auf Kartoffeln aus der Region sitzen geblieben. Was wiederum meinem Goldkind anzulasten ist, das eine ordinäre Salztüfte allen anderen Spielereien mit dem Erdapfel vorzieht. Kroketten, Herzoginkartoffeln, eventuell noch TK, nee danke! Da in meiner Küche Lebensmittel nach Möglichkeit nicht weggeworfen werden, gibt es heute vielleicht eine Weltpremiere. Ein afrikanisches Tomatenfleisch kommt nicht standesgemäß mit Reis auf den Tisch, sondern, richtig, mit Kartoffeln. Der schwarze Kontinent trifft Mecklenburg, oder so. Zumindest einen meiner Kochkritiker wird es freuen, der, ganz Einheimischer, regelmäßig mault, wenn mal keine Tüften beiliegen.

Zudem hat an diesem Wochenende die Stunde des Römertopfes geschlagen. Lange genug musste er darauf warten. Seinen Deckel habe ich eine Stunde lang gewässert. In der Zeit wurden vier Zwiebeln geviertelt bis geachtelt, je nach Größe, und acht Knobizehen halbiert. Dann habe ich das wirklich empfehlenswerte Chili-Gewürzöl aus dem Küchenschrank geangelt. Normales Olivenöl tut es auch, dann aber eine getrocknete Chili-Schote mit Kernen hinzugeben. In einer Pfanne das Öl erhitzen, Zwiebeln und Knobi darin anrösten und ein reichliches Pfund Rindergulasch teilnehmen lassen. Das Fleisch unter unablässigem Rühren mit dem Holzlöffel bräunen, üppig salzen und pfeffern.

Jetzt kommt es erst so richtig zur Gewürzorgie! Im Römertopf den Inhalt einer großen Büchse geschälter Tomaten mit einem daumengroßen Stück kleingehackten Ingwers vermengenn. Hinzu kommen je ein halber Teelöffel Kardamom, Kurkuma, Zimt und Piment sowie eine Messerspitze Nelkenpulver. Den Inhalt der Pfanne hinzugeben, alles gut durchrühren, Deckel drauf und den Topf in den auf 220 Grad oben und unten vorgeheizten Ofen schieben. Die Garzeit beträgt zweieinhalb Stunden, also rechtzeitig anfangen oder eben das Mittagessen gegen 18 Uhr einplanen. Wir zum Beispiel frühstücken an Wochenenden nie vor 10 Uhr, dann passt das.

Jetzt bleibt viel Gelegenheit, um unter anderem an diesem Text zu arbeiten, Kartoffeln zu schälen, je eine rote, grüne und gelbe Paprika in Streifen zu schneiden und die dann noch einmal mundgerecht zu teilen. Die Paprika kommen 15 Minuten vor Ende der Garzeit in den Römertopf und bleiben dadurch schön bissig. Zum Finale das Essen auf dem Teller mit den Kartoffeln anrichten. Eine Geschmacksexplosion, Mecklenburg wird es überleben.