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Wesenbergs Marienkirche birgt Berlins älteste Orgel.

Die älteste Berliner Orgel befindet sich in Wesenberg. Ein Kuriosum der Musikgeschichte, das Kantor Benjamin Bouffée im jüngsten Gemeindebrief zum Gegenstand einer Kolumne anlässlich des „Jahres der Orgel“ 2021 gemacht hat. Johann Michael Röder hatte das Musikinstrument 1717 ursprünglich für die Dorotheenstädtische Kirche in Berlin gebaut. Nach 1800 war die Orgel zunehmend durch Nachlässigkeit dem Verfall preisgegeben und 1832 praktisch nicht mehr spielbar. Napoleons Truppen hatten die Kirche zwischenzeitlich als Pferdestall genutzt und zum Schaden an dem Instrument beigetragen. Es wurde im „Berliner Intelligenzblatt“ angeboten, und der Wesenberger Apotheker Erdmann vermittelte den Verkauf in die Woblitzstadt. Hier gab es nach dem Stadtbrand zwar eine wiederaufgebaute Kirche, aber darin keine Orgel mehr, Königin der Musikinstrumente.

Carl August Buchholz sorgte für die Umsetzung des Tasteninstrumentes, das mit neuen Prospektpfeifen rekonstruiert und in der Folge noch mehrmals umgebaut wurde. 1907 wurde die Orgel von Barnim Grüneberg durch eine zweite Tastatur ergänzt und hatte nun 15 Register. Wie der Kantor schreibt, hat der Umzug die Barockorgel vor den Zerstörungen des 2. Weltkriegs bewahrt. Die Dorotheenstädtische Kirche hingegen wurde schwer beschädigt und 1965 abgetragen.

Zwischen 1995 und 2000 wurde die nun Wesenberger Orgel durch eine Dresdner Werkstatt erneut umfassend restauriert mit dem Ziel, den Originalzustand von 1717 nach dem Beispiel anderer Röder-Orgeln wieder herzustellen. Der Wesenberger Organist Paul Schäffer hatte das Projekt maßgeblich befördert.

2017 wurde das 300. Jubiläum der Orgel mit einer Konzertreihe begangen. Strelitzius hatte seinerzeit bereits die bewegte Geschichte des historisch wertvollen Instrumentes anklingen lassen, die man nicht oft genug erzählen kann. Außerdem, wie heißt es so schön: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.