Als weiterer Geschäftsführer verstärkt Christian Günther (40) zum 1. April die Haveltourist GmbH & Co KG. Günther ist ein ausgewiesener Kenner der Campingbranche und genießt innerhalb und außerhalb dieser einen hervorragenden Ruf, national wie international. Der studierte Verkehrswirtschaftler, mit Schwerpunkt Tourismuswirtschaft, sammelte zunächst fundierte Erfahrungen im Tourismusmanagement, ehe er mehr als sieben Jahre den Bundesverband der Deutschen Campingwirtschaft als Geschäftsführer weiterentwickelte.
Dr. Gunter Riechey, geschäftsführender Gesellschafter: „Durch die langjährige Zusammenarbeit auf Verbandsebene haben wir uns gegenseitig kennen und schätzen gelernt. Wir freuen uns sehr, dass wir Christian Günther für unser Unternehmen gewinnen konnten. Gemeinsam möchten wir die starke Position der Haveltourist-Plätze auf dem Campingmarkt in Deutschland weiterentwickeln und viele neue Ideen umsetzen.“
Ich bin ja seit Jahren Fan von Charly Hübner, und damit offenbar nicht allein. Jedenfalls war heute Vormittag im Landestheater Neustrelitz kein Ticket mehr für seinen Auftritt an der Seite von Autor Hans-Dieter Schütt zu haben. Im Gegenteil, es wurden noch ein paar Stühle ins Parkett gestellt. Und kaum war der Ausnahmemime von Schauspieldirektor Maik Priebe angekündigt und Hübner hatte einen Schritt auf das Podium gesetzt, da brandeten auch schon Beifall und Jubel auf. Ein Heimspiel des 1972 in Neustrelitz geborenen Gastwirtssohns aus Carwitz in der Feldberger Seenlandschaft, der felsenfest zu seiner Heimat steht und trotz seiner bemerkenswerten schauspielerischen Laufbahn, trotz seines Formates immer einer von uns und von hier geblieben ist. In aller Bescheidenheit und liebenswerten Kantigkeit.
Was als Lesung aus dem im vergangenen Jahr erschienenen Porträt- und Interviewbuch „Backstage Hübner“ angekündigt war, kam als höchst informative und amüsante Plauderei der beiden Herren auf der Bühne daher, Schütt gab Fragen vor, und Hübner legte los in seiner unnachahmlichen Art, die wir kennen und lieben. Von der Kindheit als Carsten über die Gnade der späten Geburt bis zur Gegenwart mit neuesten Produktionen, von seiner besonderen Beziehung zum Neustrelitzer Theater, vom Unterschied zwischen auf der Bühne und vor der Kamera, von Kommissar Bukows TV-Abgang bis hin zu Heavy Metall und Hübners Erstling von 2021 „Motörhead oder warum ich James Last dankbar sein sollte“. Aus dem Buch hat er am Ende der anderthalb Stunden auch tatsächlich zwei Passagen gelesen. Wen wundert es noch, auch als Schriftsteller ist er mit einigem Talent gesegnet, wenn nicht gar mit Wortgewalt. Heavy eben, der Mann. Lange Schlange im Foyer, als er im Anschluss an den höchstverdienten rauschenden Schlussapplaus noch eine Signierstunde anhängte.
Von Charly Hübner kann man einfach nicht genug bekommen. Eben noch hatte er im Landestheater mit Karen Miosga aus Uwe Johnsons Jahrhundertroman „Jahrestage“ gelesen, eben noch sind „Mittagstunde“ und sein Regiedebüt „Sophia, der Tod und ich“ auf der Leinwand zu erleben gewesen, eben hat er aus diesem grauen einen schönen Sonntag gemacht, und schon freut man sich auf noch mehr von ihm. Er kommt wieder nach Neustrelitz, zurück zu seinen Wurzeln und zu Menschen, die ihn einfach mögen. Da bin ich so was von sicher. Das braucht er auch, das erdet. Danke Charly Hübner, und danke, liebe Theater und Orchester GmbH.
Steffen Franz hat einen Blick auf die gesamte Gemeinde.
Zumindest in Wustrow dürfte es sich schon herumgesprochen haben. Aber nun hat es mir Steffen Franz noch einmal offiziell zu Protokoll gegeben: Er will neuer Bürgermeister der Gemeinde in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte werden, nachdem Amtsinhaber Heiko Kruse bei den Kommunalwahlen am 9. Juni nicht mehr antreten wird.
Steffen Franz kandidiert für das im vergangenen November gegründete Bündnis für die Zukunft der Gemeinde (BZG), dessen Vorsitzender er ist. Die Wählergemeinschaft verzichtet bewusst auf einen Ortsnamen, ist sie doch für die gleichberechtigte Entwicklung aller acht Gemeindeteile angetreten. Das steht auch bei dem 45-jährigen Bürgermeisterkandidaten obenan. So sind nicht von ungefähr im 10-köpfigen BZG-Aufgebot für die neue Gemeindevertretung fünf Orte vertreten. „Wir als Bündnis und ich als Bürgermeisterkandidat erleben viel Zuspruch. Schließlich sind um mich sehr engagierte Leute versammelt.“
Gemeindewehrführer Steffen Franz, gebürtiger Neubrandenburger und durch seine Großeltern schon als Kind mit Wustrow eng verbunden, wirkt jetzt im fünften Jahr in der Gemeindevertretung. Das Mandat hat der Parteilose auf der Liste der CDU errungen. Der gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsmonteur hat das Haus seiner Altvorderen übernommen und schick ausgebaut. Heute teilt er sich als Verwaltungsfachkraft mit Ehefrau Michaela die Geschäftsführung des Pflegezentrums Priepert. Zur Familie gehört Junior Hendrik (14), der in Wesenberg zur Schule geht.
Natürlich ist für den Kameraden Franz, der auch der Führungsgruppe des Amtes Mecklenburgische Kleinseenplatte angehört, die Sicherheit der Gemeinde ein weiteres wichtiges Thema. Es gelte, die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr voranzubringen und das Ehrenamt stärker zu würdigen. Nächster Punkt im Wahlprogramm ist die Verkehrsberuhigung. Kein einfaches Unterfangen, führt doch durch Wustrow und Canow eine Bundesstraße 122. „Mit der von Hunderten unterzeichneten Tempo-30-Petition in Canow ist ein Anfang gemacht, da wollen wir ansetzen“, so der Bürgermeisterkandidat.
Dann gelte es dringend Bauland zu schaffen. „Wir haben in der ganzen Gemeinde kein Angebot mehr, brauchen aber andererseits dringend den Zuzug junger Familien“, so Steffen Franz. „Auch das Thema Jugendklub ist trotz der Schwierigkeiten in der Vergangenheit nicht vom Tisch. Schließlich bietet die ehemalige Schule hervorragende räumliche Voraussetzungen.“
Dr. Kai-Michael Sprenger auf der 7. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz.
Als eine „sehr erfolgreiche Veranstaltung“ hat Dr. Kai-Michael Sprenger aus Frankfurt/M. die 7. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz zu Wochenbeginn (Strelitzius berichtete) bewertet. Sprenger hatte für die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte referiert und unter anderem eine Förderung für die inhaltliche Ausgestaltung des Neustrelitzer Schlossturmprojektes als „Leuchtturm der Demokratie“ in Aussicht gestellt.
„Es war für mich eine besondere erste Begegnung mit Neustrelitz, und ich bedanke mich auf diesem Wege sehr herzlich für Ihr großartiges Engagement und Ihre herzliche Gastfreundschaft“, schreibt Sprenger an die Veranstalter. „Wenn Sie mich wieder einmal für ein Statement oder einen Vortrag brauchen, um Ihr spannendes und wertiges Großprojekt zu unterstützen, so lassen Sie mich das bitte wissen, ich komme sehr gerne wieder. Wir bleiben in Verbindung.“
Mit Ablauf des 31. Januar ist Jan Kuhnert vom Amt des Stadtpräsidenten der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg zurückgetreten. Bis zur Wahl einer neuen Stadtpräsidentin bzw. eines neuen Stadtpräsidenten wird Prof. Dr. Roman Oppermann kommissarisch die Aufgaben übernehmen.
Christian Ehlert, Dr. Nicole Landt und Frank Weißbach (von links).
Großer Bahnhof heute Vormittag im Neustrelitzer Borwinheim. Mehr als 100 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren gekommen, um sich bei Frank Weißbach für 46 Jahre Tätigsein in der Wohnungswirtschaft, davon 22 Jahre im Vorstand der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft (GWG), zu bedanken und ihm alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Der Geschäftsführende Vorstand ist mit Jahresbeginn offiziell in den Ruhestand gegangen und hat den Staffelstab an Christian Ehlert übergeben.
In ihrer Laudatio bezeichnete Dr. Nicole Landt, Aufsichtsratsvorsitzende der GWG, das Ausscheiden Weißbachs als einen Einschnitt, auch wenn es natürlich in der GWG planmäßig und geordnet weitergehe. Frank Weißbach sei über zwei Jahrzehnte auf außerordentliche Weise mit der GWG verbunden gewesen. Mit einem hohen Anspruch an Wohnqualität habe er das Neustrelitzer Stadtbild mit geprägt und für einen attraktiven Wohnungsbestand der GWG gesorgt. Dass er dabei das richtige Händchen gehabt habe, beweise eine Leerstandsquote von unter zwei Prozent.
„Er hat immer eine Vision von der Genossenschaft gehabt und auch den Mut, diese Vision umzusetzen. Nichts hat er dem Zufall überlassen, ihn haben Beständigkeit und Robustheit ausgezeichnet, und wenn es Hindernisse gab, so hat er Wege gefunden, diese Hindernisse zu überwinden, und unseren Wohnbauten zu neuem Glanz verholfen“, betonte die Rednerin. Frank Weißbach sei kein Zauderer gewesen, sondern eher ein Antreiber, ohne ihn sähe die GWG nicht so aus, wie sie sich heute als drittgrößtes Wohnungsunternehmen der Stadt mit 538 eigenen Wohneinheiten präsentiere. Es sei ihr eine Ehre gewesen, so die Aufsichtsratsvorsitzende, Frank Weißbach ein Stück auf seinem Weg zu begleiten.
Simone Oldenburg, Susanne Bowen, Jette Bolz und Dr. Martin Buchsteiner (von links). Foto: Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung MV
In Mecklenburg-Vorpommern sollen Niederdeutsch-Angebote in Kitas und Schulen gestärkt werden. Darauf haben sich die Landesregierung und der Beirat für Niederdeutsch und Heimatpflege in einer außerordentlichen Sitzung verständigt. Das Land erhält dazu erstmalig eine „Niederdeutsch-Botschafterin“, um das kulturelle Erbe weiter zu pflegen, die Angebote bekannter zu machen und besser ins Land zu tragen. Die Schülerin Jette Bolz vom Goethe-Gymnasium Demmin wird diese Aufgabe übernehmen. Bildungsministerin Simone Oldenburg und Kulturstaatssekretärin Susanne Bowen haben ihr heute den Ehrentitel verliehen.
„Die niederdeutsche Sprache lebt, wenn sie gesprochen wird. Jette Bolz verkörpert das auf ganz besondere Weise. Sie selbst ist begeisterte Plattsnackerin und zeigt damit, dass auch junge Menschen Freude an der Niederdeutschen Sprache haben können“, sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg. „Ich freue mich, dass wir sie als Botschaftern für Niederdeutsch gewinnen konnten und hoffe, dass sie durch ihr Engagement auch andere junge Menschen für das Niederdeutsche begeistert. Wir wollen die Niederdeutsch-Angebote durch die Zertifizierung von ‚Plattsnacker-Kitas‛ ausbauen, den Nachwuchs fördern und bereits die Lütten spielerisch an die niederdeutsche Sprache heranführen. Außerdem soll gemeinsam mit dem Heimatverband MV ein Unterstützungssystem außerschulischer Lernpartner und Lernorte aufgebaut werden“, so Oldenburg.
Begeisterung junger Menschen gebraucht
„Das Engagement von Jette Bolz mit dem Titel einer ‚Botschafterin für Niederdeutsch‛ zu ehren, unterstreicht das Bestreben der Landesregierung, Niederdeutsch als Teil unseres kulturellen Erbes lebendig zu halten. Es braucht die Begeisterung junger Menschen, um Niederdeutsch in die Zukunft zu tragen“, sagte Staatssekretärin Susanne Bowen. „2024 wird ein großes Jahr für diese Art der Heimatpflege und den Heimatverband MV, der im 150. Todesjahr von Fritz Reuter hier besondere Akzente setzen kann. Fritz Reuter ist einer der Väter der neuen niederdeutschen Literatur und die langjährige engagierte Arbeit zur Bewahrung seines Werkes, allen voran in der Reuterstadt Stavenhagen, wird in 2024 von vielen Highlights geprägt sein“, so Bowen.
„Plattdeutsch in den Alltag und damit stärker ins Bewusstsein bringen, ist eine unserer Aufgaben“, sagte der Vorsitzende des Heimatverbandes MV, Dr. Martin Buchsteiner. Mit vielen Initiativen, wie den Plattdeutschen Ortszusatzschildern oder den Plattdeutschen Wochen, die 2024 bereits zum 4. Mal stattfinden, sei es gelungen, die Plattdeutsch-Akteurinnen und Plattdeutsch-Akteure im Land zu vernetzen und die Sprache sichtbarer zu machen, freut sich Buchsteiner und hofft über den Ausbau des Unterstützungssystems für Kitas noch mehr Menschen, Kinder wie Eltern, für das Niederdeutsche zu begeistern.
Im Rahmen der Sitzung des Deutschen Städtetages kamen von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche über 100 Mitglieder des Deutschen Städtetages aus ganz Deutschland in Trier zusammen. Im Beisein von Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, wurden verschiedenste Themen wie etwa der Kampf gegen den Fachkräftemangel erörtert. Auch wurde über das Klimageld, den Breitbandausbau, das Bauplanungsrecht sowie Migration und Integration und nicht zuletzt über Hass und Hetze gegenüber Amts- und Mandatsträgerinnen und -trägern diskutiert.
Neben dem inhaltlichen Austausch standen auch Wahlen in den verschiedenen Gremien des Städtetages auf der Tagesordnung. Hierbei gab es erfreuliche Nachrichten für die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg. Nach fünf Jahren im Präsidium des Deutschen Städtetages wurde Oberbürgermeister Silvio Witt vom Hauptausschuss für weitere fünf Jahre in das höchste Gremium gewählt. Damit ist er neben Dr. Stefan Fassbinder, Oberbürgermeister der Universitäts‑ und Hansestadt Greifswald, der einzige Vertreter aus Mecklenburg-Vorpommern im Präsidium.
Trierer Erklärung: Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaat verteidigen
Einen außerordentlichen Tagesordnungspunkt stellte die Verabschiedung einer Trierer Erklärung dar. Auslöser dafür waren das bekannt gewordene Treffen von AfD-Funktionären und Mitgliedern der Identitären Bewegung sowie die dabei diskutierten Pläne zur Abschiebung von Millionen Menschen aus Deutschland.
In der Erklärung bekennen sich der Deutsche Städtetag sowie die Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister zur wehrhaften Demokratie, die die Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit immer wieder neu verteidigen muss. „Unsere Städte gehören allen Menschen, die hier leben. Wir akzeptieren nicht, dass Bürgerinnen und Bürger, dass Familien, dass sogar Kinder in unseren Städten Angst davor haben müssen, von hier vertrieben zu werden“, heißt es in der Erklärung.
Extra für Strelitzius hat sich Frank Weidlich eine Reichsbahneruniform angezogen.
Die riesigen Oleander an der einstigen Fahrkartenausgabe zieren ab dem Frühjahr wieder den Bahnsteig.
„Entweder gibt man auf, oder es fängt irgendwann an Spaß zu machen.“ Und Frank Weidlich macht er nach eigener Aussage trotz aller Rückschläge immer noch Spaß, der denkmalgeschützte Feldberger Bahnhof, den er vor zehn Jahren mit „von nichts eine Ahnung“ von der Deutschen Bahn erworben hat und der „Liebe auf den ersten Blick“ war. Am vergangenen Sonnabend wurde das Jubiläum mit Freunden und Bekannten in der einstigen Bahnhofsgaststätte gefeiert, gestern beging der aus Rendsburg in Schleswig-Holstein stammende und zuletzt 26 Jahre an der Berliner Charité tätige ehemalige Krankenpfleger sein 66. Wiegenfest.
Er feiere „zehn Jahre Irrsinn“, hatte mir mein Leser in der Einladung zur Bahnhofsparty geschrieben. In der Tat ist sein Geschäftsmodell (noch) nicht aufgegangen. Ein ganzer Ordner voller Unterlagen belegt unter anderem die Bemühungen, für die Rettung des Bahnhofsgebäudes Fördermittel zu erhalten, Adressen von der Denkmalbehörde bis zum Bundespräsidenten. Sinnlos, letztlich ist nicht ein Euro geflossen. „Wenn es wenigstens ein Gutshaus wäre“, wurde ihm unter anderem beschieden. Oben drauf gab und gibt es bürokratischen Aufwand ohne Ende, den ein normaler Mensch wohl nicht aushalte. Immerhin konnte Frank Weidlich 23 Fenster und die Tür zum Bahnsteig aus eigener Tasche erneuern. Um allerdings größeren Vorhaben wie der Dach- oder der Fassadensanierung überhaupt eine Chance geben zu können, hat er sich aufs Lottospielen verlegt. „Vielleicht klappt es ja doch mal.“ Denn selbst bei Förderung brauche es eine Eigenkapitaldeckung, zu der momentan noch etliches an Geld fehle.
Gerhard Schneider aus Krümmel ist meinen Lesern spätestens seit den „Gedanken eines alten Mannes“ kein Unbekannter mehr. Ich weiß es zu schätzen, dass er mich und damit alle Mitglieder der Strelitzius-Gemeinde an seinen Überlegungen zum Zeitgeschehen teilhaben lässt. Zum Jahresbeginn hat der Maler, einst an der Spitze der Bürgerinitiative „Freier Himmel“, erneut einen illustrierten Aufsatz verfasst.
Und einmal mehr spricht er mir mit seinen Gedanken aus der Seele. Keine Frage, dass ich Schneiders Zuschrift mit den besten Wüschen 2024 für meinen Blogfreund veröffentliche. Erst recht an einem Tag, wo ich fassungslos erfahre, dass angeblich zwei Drittel der Deutschen Kriegsminister Boris Pistorius lieber zum Bundeskanzler hätten als Olaf Scholz. Wenn auch aus einem Blatt, dass es nur online schafft zu mir durchzudringen.
Gedanken zur Zeit
BÜRGER Nichts bessres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, Wenn hinten, weit in der Türkei, Die Völker aufeinander schlagen. Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten; Dann kehrt man abends froh nach Haus Und segnet Fried und Friedenszeiten.
ZWEITER BÜRGER Ach ja Herr Nachbar, ja, so lass ich’s auch geschehn: Sie mögen sich die Köpfe spalten, Mag alles durcheinandergehn: Doch nur zu Hause bleibts beim alten! (Goethe, Faust I, vor dem Tor)
Goethes Worte gingen mir durch den Kopf, als ich heute meinen Morgentee trank. „Ruhig, zufrieden mit der Welt“ die TAZ las. Denkste! Ich fand die Leserbriefe auf ein Essay von Funke/von der Schulenburg (30.12.23) zum russischen Ukrainekrieg. Die Reaktionen hatte ich erwartet. Der perfekte, voll ausgebildete Beißreflex. Schon beim ersten Lesen des Essays war mir klar, was der Text auslöst. Das war gewiss dem Redakteur bewusst, der diesen Text in die Zeitung aufnahm, denke ich.
Was glauben denn die Briefeschreiber? Glauben sie ernsthaft daran, dass ihre Antwort den Krieg auch nur um eine Sekunde verkürzt? Ihre Gegenrede und Fürworte, wie Baseballschläger auf die anderen schlagend. Wenn jeder jedem, der anders tickt, Lüge oder intellektuellen Abstieg unterstellt, dient das nicht der Wahrheitsfindung. Nichts wird dadurch wahrer, nichts, kein Deut!
Wahr ist, dass in der Ukraine und in Gaza Menschen sterben, täglich, auch in der Minute, in der ich diesen Text schreibe. Wir lesen von „Game changer“, das klingt so harmlos wie die Auswechselung eines Feldspielers. Wir können das „Nachdenken“ über die Atombombe für Deutschland lesen, heute 3.1.24 in der „Süddeutschen“. Lesen im „Spiegel“, dass wohl in naher Zukunft auch deutsche Soldaten gegen Russland kämpfen könnten. Klartext: in den Krieg ziehen und getötet werden könnten. Eine Weihnachtsbotschaft anderer Art.“ Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, bei den Menschen seines Wohlgefallens“. Das war Heiligabend gegen 15 Uhr in der überfüllten Kirche, und das reicht?! Es reicht eben nicht!