Dorothea Klein-Onnen, Geschäftsführerin des Kulturquartiers, gemeinsam mit den beiden Vorständen der Stiftung Mecklenburg, Helmuth von Maltzahn und Henry Tesch (1. und 2. von rechts), Ernst-August von der Wense mit Sohn Viggo und Referent Nico Ruhmer (von links), in der zweiten Reihe von links Dezernent Torsten Fritz als Vertreter des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Stadtpräsident Max Odebrecht sowie Dr. Florian Ostrop, Geschäftsführer Stiftung Mecklenburg und Referent Holger Wilfarth.
Mit einem musikalischen Gruß von Viggo von der Wense am Cello wurde am gestrigen Donnerstag im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz die 9. Schlossbergkonferenz eröffnet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, an der rund 90 Interessierte teilnahmen, stand die Frage nach der künftigen Gestaltung des Neustrelitzer Schlossbergs – insbesondere der geplante Wiederaufbau des Schlossturms sowie eine derzeit geprüfte Alternativvariante.
Andreas Feddersen bei seinem Vortrag vor mehr als 100 Zuhörern im Kulturquartier.Fotos: Moritz König
Henry Tesch bei der Begrüßung.
Von der 8. Schlossbergkonferenz am gestrigen Mittwoch im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz (Strelitzius berichtete kurz) ist eine klare Botschaft ausgegangen. Henry Tesch, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Mecklenburg, hat diese mir gegenüber noch einmal auf den Punkt gebracht. „Die Stadt Neustrelitz muss 2025 entscheiden, was sie in Sachen Schlossberg will, und was sie eben nicht will. Nur dann macht eine 9. Schlossbergkonferenz am 29. Januar 2026 Sinn.“ Die Stiftung hatte gemeinsam mit der Stadtvertretung die Konferenzen initiiert und will den Prozess laut Tesch auch weiter unterstützen. „Wir stehen bereit.“
Henry Tesch regte im Gespräch mit mir an, die Diskussionen nicht auf Turm oder nicht Turm zu beschränken, sondern den Schlossberg ganzheitlich zu betrachten, also mit seinem gesamten Potenzial. Das könnte einen Zugewinn an Interessenten für eine Nutzung nach sich ziehen.
Volles Haus heute bei der 8. Schlossbergkonferenz im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz. Auf besonderes Interesse stieß am Mittag die Vorstellung eines Ausstellungskonzeptes durch Andreas Feddersen, Kurator und Geschäftsführer der musealis GmbH Weimar, für die geplante Rekonstruktion des Neustrelitzer Schlossturms. Mehr von der Konferenz morgen hier im Blog.
Am 29. Januar laden die Stiftung Mecklenburg und die Stadtvertretung Neustrelitz zur 8. Schlossbergkonferenz nach Neustrelitz ein. Die Konferenz beginnt um 10.30 Uhr im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz. Ein Vortrag des Historikers und Archivars Dr. Bernd Kasten über Wahlkämpfe und politische Gewalt in Mecklenburg von 1930 bis 1933 eröffnet das Vormittagsprogramm. Im Anschluss stellt der Schweriner Journalist Andreas Frost die erste demokratisch gewählte Politikerin in Mecklenburg-Strelitz und ihre männlichen Kollegen vor.
Ab dem Mittag richtet sich der Blick dann auf die gestalterische und inhaltliche Zukunft des Schlossbergareals. Andreas Feddersen, Kurator und Geschäftsführer der musealis GmbH Weimar, präsentiert ein Ausstellungskonzept für die geplante Rekonstruktion des Neustrelitzer Schlossturms. Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, hat für die anschließende Diskussion seine Teilnahme sowie einen inhaltlichen Impuls zugesagt.
Dr. Kai-Michael Sprenger auf der 7. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz.
Als eine „sehr erfolgreiche Veranstaltung“ hat Dr. Kai-Michael Sprenger aus Frankfurt/M. die 7. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz zu Wochenbeginn (Strelitzius berichtete) bewertet. Sprenger hatte für die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte referiert und unter anderem eine Förderung für die inhaltliche Ausgestaltung des Neustrelitzer Schlossturmprojektes als „Leuchtturm der Demokratie“ in Aussicht gestellt.
„Es war für mich eine besondere erste Begegnung mit Neustrelitz, und ich bedanke mich auf diesem Wege sehr herzlich für Ihr großartiges Engagement und Ihre herzliche Gastfreundschaft“, schreibt Sprenger an die Veranstalter. „Wenn Sie mich wieder einmal für ein Statement oder einen Vortrag brauchen, um Ihr spannendes und wertiges Großprojekt zu unterstützen, so lassen Sie mich das bitte wissen, ich komme sehr gerne wieder. Wir bleiben in Verbindung.“
Blick in den Konferenzsaal: Erste Reihe von links Wilhelm von Boddien, Ernst August von der Wense, Henry Tesch, Helmuth Freiherr von Maltzahn, Johannes Arlt, Andreas Petters und Torsten Fritz.
Aus dem Schlusswort zur 7. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz zuerst: „Wenn die Hühner lange genug gegackert haben, müssen sie Eier legen, sonst kommen sie in den Suppentopf. Schaffen, nicht schwätzen“ Gesagt hat das Wilhelm von Boddien, Gründer des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, der die Schlossbergkonferenzen von Beginn an bereichert hat und es sich auch diesmal nicht nehmen ließ, in Neustrelitz dabei zu sein. Rund 100 Teilnehmer waren heute am für die Stadt geschichtsträchtigen 29. Januar ins Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz gekommen, weitaus mehr, als die Organisatoren erwartet hatten. Auf den Tag vor 105 Jahren wurde im Gelben Saal des Neustrelitzer Schlosses die erste demokratische Landesverfassung Deutschlands verabschiedet.
Wilhelm von Boddien
An die Adresse von Bürgermeister Andreas Grund sagte von Boddien, dass er bei seinen Haushaltsbetrachtungen die Privatinitiative der Bürger nicht unterschätzen solle. „Treiben Sie zusammen mit der Stadtvertretung das Projekt Schlossturm bis zur Genehmigungsreife voran, dann können Sie zusätzlich Spenden einsammeln. Es ist über alles gesprochen, so viel Anfang war noch nie, es ist zu schaffen, aber es muss jetzt etwas passieren.“ Anderenfalls könnten Bund und Land in diesen Zeiten die zugesagten Fördermitteln zurückziehen. Der Turm sei bezahlbar und seine Errichtung doppelt wichtig, um eventuell einen Prozess hin zu noch mehr Bebauung einzuleiten. In seinen mit Bravorufen bedachten Schlussworten stellte der Gast Neustrelitz ein Uhrwerk für den Schlossturm in Aussicht, dass ihm gerade angeboten worden ist.
Stadtoberhaupt Andreas Grund hatte sich einmal mehr auf die aus seiner Sicht schwierige Neustrelitzer Haushaltslage berufen, aus der heraus er auch den jüngsten Beschluss der Stadtvertretung zum Schlossturm mit einem Veto blockiert hat. „Wir wollen die richtige Bebauung auf dem Schlossberg, es geht um Funktionen, Nutzungen, Wirtschaftlichkeit, lassen Sie uns einen Moment innehalten“, so Grund. In diesem Zusammenhang erinnerte er an den studentischen Ideenwettbewerb 2022 zum Schlossberg, der eine Reihe alternativer Bebauungsvorschläge offeriert hatte (Strelitzius berichtete).
CDU-Fraktionsführer Andreas Petters erwiderte: „Wir müssen die historische Chance etwas zu bewegen jetzt ergreifen, sie bietet sich nicht ewig, und wir dürfen es nicht verbocken.“ Die Christdemokraten hatten die Beschlussvorlage zum Schlossturm in die Stadtvertretung eingebracht. Schweres Geschütz fuhr Dr. Rajko Lippert auf, Vorsitzender des die Konferenzen unterstützenden Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz und Moderator: „Wenn die Verwaltung nicht tut, was die Stadtvertretung beschließt, dann gefährdet das auch unsere Demokratie.“ Der Widerspruch des Bürgermeisters steht am kommenden Donnerstag auf der Tagesordnung der Stadtvertreter.
Für den 29. Januar haben die Stiftung Mecklenburg und die Stadtvertretung Neustrelitz zum siebenten Mal dazu eingeladen, miteinander über die Zukunft des Neustrelitzer Schlossbergareals zu sprechen (Strelitzius berichtete). Als Referenten angesagt haben sich Dr. Kai-Michael Sprenger, Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte Frankfurt a. M., und Dr. Frank Havemann, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin. Konferenzort ist das Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in der Residenzstadt.
Heute ist nun das Programm veröffentlicht worden, das ich dieser Meldung anhänge. Anmeldungen per Mail sind noch möglich unter tagungsbuero.neustrelitz@gmail.com.