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Kulturquartier, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Schlossbergkonferenz, Stadtentwicklung

Mit einem musikalischen Gruß von Viggo von der Wense am Cello wurde am gestrigen Donnerstag im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz die 9. Schlossbergkonferenz eröffnet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, an der rund 90 Interessierte teilnahmen, stand die Frage nach der künftigen Gestaltung des Neustrelitzer Schlossbergs – insbesondere der geplante Wiederaufbau des Schlossturms sowie eine derzeit geprüfte Alternativvariante.
Henry Tesch, Vorstand der Stiftung Mecklenburg, begrüßte im Namen der Stiftung und aller Unterstützerinnen und Unterstützer die Teilnehmenden und Gäste. Gemeinsam mit Vorstand Helmuth von Maltzahn übermittelte er die Grüße der Ratsvorsitzenden der Stiftung Mecklenburg und Landtagspräsidentin Birgit Hesse. Mit Blick auf die bevorstehenden Diskussionen betonte Tesch die Dringlichkeit einer zeitnahen Entscheidung: „Die Impulsvorträge bilden den Stand der vergangenen Jahre ab. Umso wichtiger ist eine lebhafte Diskussion – 2026 muss aus unserer Sicht zu einem Entscheidungsprozess in der Stadtgesellschaft von Neustrelitz führen.“
Stadtpräsident verweist auf finanzielle Situation
Stadtpräsident Max Odebrecht unterstrich, dass er persönlich dem Turmprojekt positiv gegenüberstehe. Zugleich verwies er auf den einstimmigen Beschluss der Stadtvertretung, eine Alternative prüfen zu lassen. Hintergrund sei insbesondere die finanzielle Situation der Stadt. Gleichzeitig bedeute dieser Schritt ausdrücklich keine Ablehnung des Turmprojektes. Parallel werde geprüft, ob zugesagte Fördermittel gegebenenfalls für einen alternativen Ansatz umgewidmet werden könnten.
In drei engagierten Vorträgen stellten die Referenten ihre Perspektiven vor:
Jürgen Haase argumentierte aus Sicht des Denkmalschutzes und sprach sich deutlich gegen die Alternativvariante aus. Der Wiederaufbau des Schlosses bleibe aus seiner Sicht ein wünschenswertes Ziel; da dies derzeit nicht ohne Weiteres möglich sei, könne das Turmprojekt ein erster Schritt in diese Richtung darstellen.
Holger Wilfarth untermauerte seine Position mit Zahlen, möglichen touristischen Nutzungen sowie der bundesweiten Bedeutung der geplanten Demokratieausstellung. Auch er bewertete das Turmprojekt als die aus seiner Sicht beste und realistisch umsetzbare Variante – und warb für einen Bürgerentscheid zum Turmbau am 20. September 2026 im Rahmen der Landtagswahl MV.
Nico Ruhmer, Dezernent für Stadtentwicklung und Bau, stellte hingegen einen Alternativansatz zum geplanten Wiederaufbau vor: Die Idee sieht vor, die Grundmauern des Schlosses wieder zu errichten und zur Stadt sowie zum Schlossgarten hin eine Erinnerungsarchitektur zu schaffen.
Mit einem Augenzwinkern fügte Tesch hinzu, es gebe ja theoretisch noch ein viertes Thema – „Es bleibt alles, wie es ist“ – dafür habe sich allerdings kein Referent gefunden.
Vorschlag: Container als Informations- und Beteiligungsort
Die anschließende Diskussion moderierte Ernst-August von der Wense. Als erster meldete sich der langjährige Begleiter der Schlossbergkonferenz Wilhelm von Boddien zu Wort. Er kritisierte, dass sich die Debatte im Kreis drehe und faktisch Stillstand bedeute. Gleichzeitig rief er dazu auf, dies als Chance zu begreifen – und präsentierte einen pragmatischen Vorschlag: Auf dem Schlossberg könnten kurzfristig Container aufgestellt werden, die als sichtbarer Anlaufpunkt für Stadtgesellschaft, Gäste und Touristen dienen. Dort könnten die bisherigen Entwürfe und Varianten präsentiert, die Demokratieausstellung gezeigt und Anregungen der Besucherinnen und Besucher gesammelt werden.
Moderator Ernst-August von der Wense zeigte sich „geflasht“ von der Idee und betonte, dass der Vorschlag eine echte Möglichkeit eröffne, endlich sichtbare Bewegung in die Debatte zu bringen.
Diskussion um Kellerfrage
In der breiten Diskussion standen am Ende vor allem Zustimmung oder Ablehnung der Alternativvariante sowie Unterstützung und Kritik am Turmprojekt im Fokus. Dr. Rajko Lippert vom Kulturgut Mecklenburg-Strelitz e.V. verwies zudem erneut auf die ungelöste Situation des Schlosskellers und betonte die Notwendigkeit, sich gegenüber dem Land Mecklenburg-Vorpommern dafür einzusetzen, dass dieser beräumt und zugänglich gemacht werde.
Zum Abschluss der Konferenz zitierte Henry Tesch Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

