Schlagwörter
Carolinum, Diskussion, Film, Fleischhauer, Literatur, Mecklenburg-Strelitz, Mirow, Neustrelitz, Schmitt

Zum wiederholten Male haben die Mirower Buchhändler Grit und Peter Schmitt mit dem Neustrelitzer Gymnasium Carolinum zusammengearbeitet. Nachdem bereits vor zwei Jahren Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit hatten, in Mirow mit Autoren und Verlegern ins Gespräch zu kommen, wie man Schriftsteller wird, wie man einen Verlag findet und was es bedeutet ein Buch herauszugeben, war im vergangenen Jahr der inzwischen verstorbene Autor und Regisseur Wolfgang Kohlhaase im Neustrelitz zu Gast und stand dem Auditorium der angehenden Abiturstufe Rede und Antwort.
In diesem Jahr ging es nun um die Verfilmung des Romans „Schweigend steht der Wald“ von Wolfram Fleischhauer. Diese konnten die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe in der Aula des Carolinums erleben. Und Autor Wolfram Fleischhauer war dabei, was diese Begegnung mit Literatur zu einer besonderen Art machte.
95 Minuten verfolgten die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten das Geschehen um die Hauptdarstellerin Anja Grimm, die sich für ein Forstpraktikum in eine Gegend begibt, die sie aus ihrer Kindheit kennt. Die Verknüpfung von drei verschiedenen Zeitebenen, 1945-1979-1999, wird während des Films zu einer Herausforderung, hinzukommt, dass auch die teilweise Nutzung des Dialekts wesentliche Passagen des Films schwer verständlich machen. Was zunächst wie ein Kriminalroman erscheint, wird im Laufe des Films zu einer Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus, wird zu einer Frage des Umgangs mit Schuld, Verantwortung und Verschweigen, und das auf allen drei Zeitebenen.
Zwänge und Kompromisse
Im Anschluss nutzten die Elftklässler die Möglichkeit, dem Autoren Fragen zu stellen, der diese auch sehr offen und ehrlich beantwortete. So sprach er darüber, dass das Ende des Films nicht seinem Roman entspricht, er klärte ebenso darüber auf, wie ein Film entsteht, welchen Zwängen und Kompromissen man sich fügen muss. Die Nutzung des Dialektes sah er aus der Sicht der Rezipienten kritisch.
Die Meinung der Schülerinnen und Schüler deckte sich in vielen Punkten: eine gute schauspielerische Leistung, Auch die Stimmung wurde gut umgesetzt durch die Kameraführungen und die Filmmusik. Eine ganze Reihe der Zuschauenden wurde zum Lesen des Romans angeregt, gerade auch durch die Ausführungen des Autors. Damit wurde ein wichtiger Grundsatz des Literaturunterrichts erreicht – die Inspiration zum Lesen. Und in diesem Fall sogar eines Gegenwartsromans, was sich die Schülerinnen und Schüler immer wieder wünschen.
Die beiden Moderatoren, Lotte Horvay und Luis Süldt, bedankten sich im Namen des Jahrgangs bei den Initiatoren, Schulleiter Henry Tesch und Peter Schmitt aus Mirow, sowie im Besonderen beim Autoren Wolfram Fleischhauer, der signalisierte gern wiederzukommen. Wolfram Fleischhauer selbst war angetan vom Gymnasium, der Ausstattung und den vielen Möglichkeiten, die den Schülerinnen und Schülern geboten werden, von den Fragen, die ruhig und mit Bedacht nach dem Film gestellt wurden und einer Atmosphäre, die dazu führte, dass er sich in der Schule richtig wohl fühlte. Hier wurde die Grundlage gelegt für ein Projekt, das auf Dauer angelegt ist.
Angeregte Diskussion
In Mirow wurde der Film „Schweigend steht der Wald“ in der Aula des Unteren Schlosses gezeigt. Eine gewisse Betroffenheit lag nach der Vorführung in der Luft, wie ebenso viele Fragen zu den Handlungssträngen. Auch hier gab der Autor Wolfram Fleischhauer den Anwesenden die gewünschten Antworten, erzählte, wie er zum Schriftsteller wurde – mit allen Höhen und Tiefen – und wie seine sehr unterschiedlichen Romane entstanden. Und natürlich kam es zu einer angeregten Diskussion über die Handlung des Films und die Passagen, die im Buch für Verständnis sorgten, im Film aber Fragezeichen hinterließen bzw. keine Berücksichtigung fanden. Es war – beide Veranstaltungen betrachtet – Geschichtsunterricht, auch was seine Romane betrifft, nachdenklich und nachwirkend, aber auch interessant und unterhaltsam von einem sehr sympathischen Menschen dargestellt, den wir nächstes Jahr wieder begrüßen dürfen.
Die Zusammenarbeit zwischen den Schmitts und dem Carolinum hat sich zu eben jener besonderen Begegnung mit Literatur entwickelt, die bei jedem von uns einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das große Engagement der beiden Buchhändler, immer wieder Persönlichkeiten der schreibenden und der filmischen Kunst gewinnen zu können, ist bewundernswert. Eine Kooperationsvereinbarung, die diese Verbindung zwischen Buchhandlung und Schule manifestieren soll, ist angedacht.
