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Mir ist vermutlich eine Weltneuheit auf den Teller gekommen. Meine Holde hat wahrscheinlich Gleiches erlebt. Und das fern der Metropolen, in Diemitz! Unter dem Titel „Wildschwein im Reisfeld“ ist hier ein deutscher Waldbewohner in die asiatische Küche eingeführt worden. Beziehungsweise in die surinamische, was ja dann südamerikanisch wäre. Aber der Reihe nach.

Burkhard Lau und seine Frau Gita haben vor gut einem Jahr, aus den Niederlanden übersiedelnd, in Diemitz die eigene Gaststätte „Treffpunkt“ eröffnet. Er IT-Spezialist aus Ueckermünde, sie in Surinam geboren, indische Wurzeln, auch in Thailand gelebt und zumindest schon ein wenig gastronomisch vorbelastet. Aber eigentlich auch Seiteneinsteigerin. Die Frage nach ihren Kochkünsten verwundert die Dame des Hauses. „Kochen ist Teil meiner Kultur. Bei uns kochen alle Frauen. Ich habe es schon im Alter von sieben Jahren getan.“

Was die seit vier Jahren miteinander verheirateten Eheleute eint, ist das intensive Bemühen um den Gast. „Wir möchten, dass unsere Besucher zufrieden wieder nach Hause gehen“, so Burkhard Lau. Und das Gewerbe, für das sie sich bis zur Genehmigung haben schulen lassen, soll auch immer ein bisschen Hobby bleiben. „Wir stehen nicht unter Druck, und dazu soll es auch nicht kommen. Es soll Spaß machen.“

Mit braunen Bohnen…

Lehrgeld mussten die Existenzgründer allerdings auch schon zahlen. Zunächst wurde mit belegten Brötchen ein klassischer Fehlstart hingelegt. Dann wurde zur schnellen Küche umgeschwenkt mit Schnitzel, Hamburger und Chicken Wings sowie Pommes. Letztere wurden ein Renner, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass im „Treffpunkt“ noch mit frischen Kartoffeln gearbeitet wird. Als dann 25 Portionen auf einmal geordert wurden, war es Zeit für den Abschied von der Familienfritteuse und vom Schälmesser. In die gut ausgestattete Küche zog weitere Technik ein, die Pommes werden nach wie vor frisch zubereitet. Ein Markenzeichen! Kräuterbeete wurden angelegt, der eigene Hühnerhof entstand, und dann kam ein einheimischer Waidmann mit einem erlegten Wildschwein des Wegs…

Die Hühnersuppe ist der Kracher

Die leckere Hühnersuppe

Das gibt es nun im Reisbett wahlweise indisch mit Linsenbrei, thailändisch mit Curry und Ananas oder eben surinamisch mit braunen Bohnen. Ein Kracher geradezu die indische Hühnersuppe vorweg. Uns hat es prima geschmeckt, wobei ich mir noch schöneres Geschirr und vielleicht mehr Pfiff beim Anrichten gewünscht hätte. Das Auge isst ja bekanntlich mit. „Learning by doing“ ist die Devise der beiden Neudiemitzer, sie sammeln bereitwillig Erfahrungen im neuen Metier. Die Gewürze, sofern sie nicht im eigenen Garten wachsen, werden übrigens über vietnamesische Händler in Berlin herangeschafft. Kleine Anmerkung: Für die asiatischen Gerichte, es gibt weitere, empfiehlt sich noch eine Anmeldung. Die  Wirtsleute wollen sich diesem Teil der Speisekarte aber in der Perspektive stärker widmen. 

…und mit Thai Curry und Ananas

Eis gibt es jetzt immer, es wird Lübzer Pils gezapft, daneben werden belgisches Flaschenbier und ordentlicher Wein angeboten sowie selbstgemachter Likör. Dieser EM-Tage kann auch Fußball geschaut werden. Einige Stammkunden gibt es bereits, Leute kommen auf Empfehlung, und demnächst wird zum ersten Mal eine Familienfeier ausgerichtet. Schon gibt es ein neues Projekt. In den Wintermonaten wollen Burkhard und Gita Lau in Sri Lanka ein Hotel betreiben. Wie sagte der Chef so treffend? „Es ist doch schön, wenn man zu tun hat.“

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