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Holger Wilfarth bei seinem Vortrag

Das dürfte allen Neustrelitzern heruntergehen wie Öl: Für Landtagspräsidentin Birgit Hesse ist die Residenzstadt „Schrittmacher der Demokratie“. „Wir blicken stolz Richtung Neustrelitz“, sagte die Politikerin in einem Grußwort heute anlässlich der Neustrelitzer Schlossbergkonferenz (Strelitzius berichtete), die aus der Aula des Neustrelitzer Gymnasiums Carolinum ausgestrahlt wurde.

Birgit Hesse

Immer am 29. Januar findet seit vier Jahren die Neustrelitzer Schlossbergkonferenz statt. An diesem Tag wurde 1919 für den Freistaat Mecklenburg-Strelitz die erste demokratische Verfassung Deutschlands im Neustrelitzer Schloss in Kraft gesetzt. „Wie wichtig eine demokratische Verfassung ist, kann man nicht oft genug betonen“, so Birgit Hesse. „Demokratie ist zerbrechlich.“ In diesem Zusammenhang erinnerte die Landtagspräsidentin an Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik, nach dem die Würde des Menschen unantastbar ist. „Das ist aktueller denn je. Es liegt an uns, die wir für die Demokatie stehen“, betonte die Präsidentin.

Sie dankte im Namen des Landtages Henry Tesch und Helmuth von Maltzahn als Organisatoren der Neustrelitzer Schlossbergkonferenzen für das gesellschaftliche Engagement. Zur 5. Konferenz im kommenden Jahr wolle sie gern persönlich kommen, so die Landtagspräsidentin. Unterstützt wird die Konferenz durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, den Kulturgut Mecklenburg-Strelitz e.V. sowie den Residenzschlossverein Neustrelitz e.V.

„Einen besonderen Ort der Demokratie erlebbar machen“, das war dann auch das Thema von Holger Wilfarth vom Büro für Nachhaltigkeit in Neustrelitz. Wilfarth, Schlossberg-Aktivist von Beginn an, trägt seit 2018 das Projekt der virtuellen Wiedererstehung des untergegangenen Neustrelitzer Residenzschlosses gemeinsam mit dem Residenzschlossverein. „Uns geht es auch darum, dem Ort der Verfassung von 1919 einen würdigen baulichen Rahmen zu geben“, begründete er die Bemühungen um den Turmbau. Es gelte die Kräfte zu bündeln. Jedes Jahr seien es mehr Menschen, „die gegen alle Widerstände das Vorhaben vorantreiben“. Wer Stadtentwicklung meine, der müsse „ein klares Bekenntnis zu diesem Ort, zum Schlossberg und seinem Schloss abgeben“.

Wilfarth kündigte an, nach der unmittelbar bevorstehenden kompletten visuellen Wiederrichtung des Neustrelitzer Schlosses digital auch ins Innere vordringen zu wollen. Von besonderem Interesse sei natürlich die Etage, in der der Landtag Mecklenburg-Strelitz von 1919 bis 1934 getagt hat. Er würdigte in diesem Zusammenhang ausdrücklich Torsten Foelsch, Autor des Bandes „Das Residenzschloss zu Neustrelitz – Ein verschwundenes Schloss in Mecklenburg“, der eine gute Vorarbeit geleistet habe.

Seltenheitswert dürfte die Teilnahme von Dr. Rajko Lippert an der Tagung gehabt haben. Der Wesenberger Zahnmediziner hatte eben noch in ehrenamtlichen Diensten des Carolinums die Corona-Schnelltests im Vorraum der Aula vorgenommen, als er auch schon als Referent aufgerufen wurde. Lippert ist zugleich Vorsitzender des Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz und fasste in dieser Funktion Meinungen und Befragungen zum Schlossberg zusammen. In sämtlichen Foren habe es eine überwältigende Mehrheit für eine Wiedererrichtung des Neustrelitzer Schlossturms in seiner historischen Gestalt und für die öffentliche Nutzung von Turm und Keller gegeben, so der Experte für die Geschichte von Mecklenburg-Strelitz. „Meinungen in jede Richtung müssen gehört und diskutiert werden“, betonte Lippert. Seine Präsentation hänge ich unten an.

Zu den Höhepunkten der 4. Neustrelitzer Schlossbergkonferenz gehörte der Auftritt von Andreas Krumme, Geschäftsführer der AGS GmbH & Co. KG Groß Quassow. Krumme hat vom Land den Zuschlag für das Großherzogliche Palais in der Parkstraße erhalten, das er in ein Gesundheitszentrum mit Schwimmbad verwandeln will. Außerdem sind ein Café, Büros und Wohnungen vorgesehen. Mehr dazu morgen früh im Strelitzius Blog.