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„Im September ist die Zahl der Arbeitslosen in der Seenplatte auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren gesunken. Und dank vergleichsweise moderater Corona-Zahlen befindet sich der Arbeitsmarkt auch weiter auf Erholungskurs. Dabei sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht überwunden. Einige Unternehmen leiden etwa unter Material- und Lieferengpässen und sind dadurch auf das Kurzarbeitergeld angewiesen“, sagte der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

Im September waren in der Seenplatte 344 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im August. Insgesamt 10.228. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent. Im Vergleich zum September des Vorjahres sind es 962 Arbeitslose oder 9 Prozent weniger.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im September hat für den Arbeitsagenturchef drei wesentliche Gründe: Erstens halten Unternehmen an ihrem Personal fest. Statt ihre Mitarbeitenden zu entlassen, nutzen sie interne Personalanpassungsstrategien, vor allem durch Kurzarbeit, Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit, Abbau von Überstunden und eine Reduzierung der Guthaben auf den Arbeitszeitkonten. Das führte zu einem deutlichen Rückgang des Zugangs in die Arbeitslosigkeit. So mussten sich insgesamt 1.237 oder 19 % Menschen weniger neu oder erneut arbeitslos melden, als im September 2020. Diese Verbesserung schlägt sich in einem tendenziell sinkenden Zugangsrisiko nieder. 

Zweitens: Wegen der Sommerferien verschieben viele Unternehmen die Aufstockung ihrer Belegschaft auf den Frühherbst. Davon profitieren insbesondere junge Fachkräfte, die nach ihrer Ausbildung – aus unterschiedlichen Gründen – nicht übernommen und daher kurzfristig arbeitslos wurden. Der Ausbildungsbeginn führt jedes Jahr zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahl bei den unter 20-Jährigen. Und drittens haben arbeitsmarktpolitische Maßnahmen – dazu gehören beispielsweise berufliche Weiterbildungen – stärker entlastet. So ist die Zahl der Menschen, die an arbeitsmarktpolitischen Programmen teilnehmen, zum Vormonat (+206) gestiegen.“

Besse unterstreicht: „Seit den Öffnungsschritten in der Corona-Pandemie – die zu einem deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit führten – werden strukturelle Probleme wieder klarer sichtbar.“ Dazu gehört etwa, „dass Arbeitslose mit ihrer Qualifikation oft nicht zu den Bedarfen der Betriebe passen. Auch weist ein beträchtlicher Teil der Arbeitslosen sehr lange Zeiten ohne Beschäftigung auf“, so der Agenturchef.

Für Besse liegt „das Risiko, arbeitslos zu werden, vor allem bei Menschen, die keine ausreichende Qualifikation haben. Die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte mit dualer Ausbildung lag im September hingegen weiter unter dem Niveau des Vorjahres (minus 734)“. Während der Markt für Fachkräfte eng ist – die Unternehmen versuchen auch bei schlechter Auftragslage ihre Fachkräfte zu halten, kann eine wirtschaftliche Schwächephase für ungelernte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Aus in einem Unternehmen bedeuten: „Wir werben bei den Unternehmen dafür, dass sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterqualifizieren. Viele sind schon lange im Betrieb, absolut zuverlässig und loyal. Wir wollen gemeinsam mit den Arbeitgebern Wege finden, das Potenzial dieser Menschen für die Unternehmen zu nutzen.“

Abschließend betonte Besse: „Ich gehe davon aus, dass wir auch im kommenden Monat Oktober einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit melden können.“ „Ohne Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit deutlich höher“, sagt der Agenturchef. Im September wurde für 26 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Mai 2021, 6.861 Mitarbeitende aus 1.108 Unternehmen in Kurzarbeit.