Von links Lehrerin Jane Dietel, Emma Grunert, Wanda Frankiw, Lena Dumke, Emilia Nethe, Dr. Helmut Gold, Udo Michallik, Emil Weidhase, Fritz Backhaus und Mirows Bürgermeister HenryTesch.
Der Kultur- und Literatursommer der Mirower Buchhändler Grit und Peter Schmitt hat einen stark beeindruckenden Auftakt erlebt. Mit der gestern offiziell eröffneten Ausstellung „Abgestempelt. Judenfeindliche Postkarten“ im Unteren Schloss (Strelitzius berichtete kurz) werden neue Wege beschritten, und es wird zugleich ein hochklassiges Angebot unterbreitet, das man so schnell auf dem flachen Land bzw. in einer Kleinstadt nicht finden wird. Viele haben dazu beigetragen, die Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung nach Mecklenburg-Strelitz zu holen, bzw. das Projekt anderweitig unterstützt. Sie sind auf dem Werbebanner ganz unten zu finden.
Die Rheinsberger Friedensrunde lädt ein zum Gedenken an den Tag der organisierten Pogrome, den 9. November 1939. Treffpunkt zum gemeinsamen Spaziergang ist am 9. November um 17 Uhr in der Schlosstraße 9 in Rheinsberg. Von dort geht es zu den Stolpersteinen in der Langen Str. 19 und in der Berliner Str. 12, bevor es auf dem Kirchplatz eine kleine Abschlusskundgebung gibt. An den Stolpersteinen werden Blumen abgelegt, gegangen wird mit Teelichtern oder Grablichtern in stillem Gedenken an das Unrecht, das in Rheinsberg an den jüdischen Mitbürgern begangen wurde.
Morgen, am 9. November, werden in Mirow wieder die Stolpersteine im Gedenken an die Familie Rosenberg gereinigt. Um 12 Uhr wird in Mirow in der Mühlenstraße/Ecke Schlossstraße an die Geschehnisse der Pogromnacht 1938 und die Verfolgung jüdischer Einwohner Mirows erinnert werden.
„Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ Max Mannheimer (Shoa-Überlebender, 1920-2016)
Zur Erinnerung an die sogenannte „Reichspogromnacht“ vor 85 Jahren werden am 9. November um 12 Uhr die „Stolpersteine“ zum Gedenken an von den Nazis vertriebene jüdische Mitbürger an der Ecke Mühlenstraße/Schlossstraße symbolisch gereinigt. Gemeinsam laden die Stadt und die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Mirow dazu ein. Barbara Lange hat einen kleinen Text erarbeitet. Darin plädiert sie für einen weiteren „Stolperstein“.
„Ein solch heillos, durchböset, durchgiftet, durchteufelt Ding ist’s um die Jüden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind.“ Der Satz stammt von Martin Luther. Zu lesen war er im Juli 1935 im „Niederdeutschen Beobachter“, der mecklenburgischen NSDAP-Zeitung. Der dazugehörige Artikel trug die Überschrift „Dr. Martinus Luther Wider die Jüden und ihre Lügen“. Sein Text war „einer lesenswerten kleinen Schrift“ des „Pastors Joachim Noack zu Mirow“ entnommen, wie die Zeitung verriet. Noack war von 1935 bis 1945 Pfarrer in Mirow.
Als sein Heftchen „Luther und die Juden“ pünktlich zum 450. Geburtstag des Wittenberger Reformators im Jahr 1933 erschien, war Noack noch Theologiestudent in Berlin. Als Motto stellte er seiner Publikation einen Absatz aus Hitlers Mein Kampf voran, der mit dem Satz endete: „Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“
Zur gleichen Zeit wie Joachim Noack, wenngleich nur für zwei Semester, war ein gewisser Heinz Röthke, Lehrerssohn aus Mürow bei Angermünde, als Theologiestudent an der Berliner Universität eingeschrieben. Röthke wurde letztlich Jurist und machte ab 1942 als Leiter des „Judenreferats“ der Gestapo in Frankreich Karriere. Er war es, der darauf drang, dass in südfranzösischen Lagern internierte Juden wie Gerhard Moses aus Mirow nach Auschwitz deportiert werden sollten. Er unterzeichnete die Meldung an das KZ Auschwitz und das Büro von Adolf Eichmann, dass der Transport Nr. 20, in dem in Waggon 10 Gerhard und Gertrud Moses eingepfercht waren, „am 17.8.1942, 8.55 Uhr, den Abgangsbahnhof Le Bourget-Drancy in Richtung Auschwitz mit insgesamt 1000 Juden verlassen hat“.
Für Gerhard Moses gibt es noch keinen „Stolperstein“, wohl aber für seine Verwandten Ruth und Herbert Rosenberg und dessen Ehefrau Hertha vor ihrem ehemaligen Haus in der Mühlenstraße/Ecke Schlossstraße.
MV-Bildungsministerin Simone Oldenburg, Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, die am Projekt „Als junger Mensch in der Shoah“ mitgewirkt haben, trauern um den Holocaust-Überlebenden Sally Perel. Der als „Hitlerjunge Salomon“ bekannt gewordene Perel starb mit 97 Jahren in Israel.
Ich hatte als Journalist Gelegenheit, Sally Perel 2008 im Neustrelitzer Carolinum kennenzulernen. Er trat damals bei der 2. International Summerschool des Gymnasiums auf. Die Sommerschule stand seinerzeit unter dem Titel „Lebensbilder als Vorbilder“, wie sich Schulleiter Henry Tesch noch an den Gast erinnert. Er hatte Perel bereits zuvor in Israel getroffen und an seine Schule eingeladen.
Am kommenden Freitag, den 27. Januar, findet in Neustrelitz eine Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktages statt. Um 10 Uhr gibt es eine Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in der Marienstraße.
Anschließend sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, die Stolpersteine in der Augustastraße 27 vor dem ehemaligen Wohnhaus von Henriette und Salomon Rosenthal sowie am Töpferberg 4 vor dem ehemaligen Wohnhaus von Moses Rosenbaum zu besuchen. Schülerinnen und Schüler der Nehru-Schule tragen dort ein kleines Programm vor.
In Erinnerung an die Pogromnacht 1938 werden am 9. November in Mirow die Stolpersteine gereinigt. Sie wurden 2018 für Ruth, Herbert und Herta Rosenberg verlegt. Ihnen gelang die Flucht nach Palästina und nach Chile. Im Rahmen der Veranstaltung von Stadt und Ev.-luth. Kirchengemeinde Mirow um 12 Uhr in der Mühlenstraße/Ecke Schlossstraße wird auch wieder an die jüdischen Opfer aus Mirow erinnert, für die keine Stolpersteine in der Stadt verlegt werden können, weil sie zur Zeit der Verfolgung an anderen Orten lebten.
Die Kirchengemeinde Strelitzer Land und die Stadt Neustrelitz laden am Mittwoch, den 9. November, um 17 Uhr, zum Gedenken an die Pogromnacht des Jahres 1938 ein. Die Veranstaltung am Synagogengedenkstein am Alexanderplatz in Alt-Strelitz wird von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Carolinum Neustrelitz mitgestaltet.