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Abgestempelt, Alte Feuerwehr, Ausstellung, Bürgerbegegnungszentrum, Juden, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Mirow, Postkarten, Unteres Schloss

Der Kultur- und Literatursommer der Mirower Buchhändler Grit und Peter Schmitt hat einen stark beeindruckenden Auftakt erlebt. Mit der gestern offiziell eröffneten Ausstellung „Abgestempelt. Judenfeindliche Postkarten“ im Unteren Schloss (Strelitzius berichtete kurz) werden neue Wege beschritten, und es wird zugleich ein hochklassiges Angebot unterbreitet, das man so schnell auf dem flachen Land bzw. in einer Kleinstadt nicht finden wird. Viele haben dazu beigetragen, die Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung nach Mecklenburg-Strelitz zu holen, bzw. das Projekt anderweitig unterstützt. Sie sind auf dem Werbebanner ganz unten zu finden.
Höhepunkt der Eröffnung war die Festrede des Generalsekretärs der Kultusministerkonferenz der Länder, Udo Michallik. Der aus Waren stammende Schirmherr der Ausstellung betonte mit Dank auch an das Jüdische Museum Frankfurt am Main und das Museum für Kommunikation Frankfurt am Main, dass die gezeigten Postkarten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammen. Antisemitismus sei also nicht mit dem Dritten Reich verknüpft, sondern, wie die Israelis selbst sagen, ein 5000 Jahre altes Phänomen, das bis heute bestehe. Der historischen Dimension müsse man sich bewusst werden, und der müsse man sich stellen.
„Ja, diese Ausstellung ist unbequem, und sie soll unbequem sein. Sie zeigt Antisemitismus nicht am Rand, sondern als Alltagssprache auf Postkarten, einem Massenmedien seiner Zeit, verschickt, gelesen, belächelt, aufbewahrt. Diese Karten waren keine harmlosen Späße, sie machten aus jüdischen Menschen ein Kollektivbild, körperlich verzerrt, moralisch verdächtig, wirtschaftlich dämonisiert, kulturell verspottet, stigmatisiert und gesellschaftlich ausgegrenzt.“
Antisemitismus aktueller denn je
Die stärkste Lehre dieser Ausstellung in Zeiten von Social Media laute, so Michallik, dass Bilder nie unschuldig seien, wenn sie Menschen auf ein Merkmal reduzieren. „Bilder können erklären, aber auch festlegen, verkürzen und vergiften.“ Antisemitismus sei mit dem Staat Israel, der fast ausschließlich auf den Nahost-Konflikt reduziert werde, aktueller denn je. „Deshalb ist diese Ausstellung keine historische Pflichtübung. Sie sprich direkt in unsere Gegenwart. Ich wünsche dieser Ausstellung viele Besucher, gute Gespräche und den Mut zur genauen Betrachtung. Denn politische Bildung beginnt dort, wo Menschen lernen, genauer hinzusehen.“ Den kompletten Wortlaut der Rede hänge ich dem Text an.
Die Ausstellungseröffnung bot noch einen überraschenden Höhepunkt. Und der fand sich an der Stirnwand des Bürgerbegegnungszentrums Alte Feuerwehr, in dem die Ausstellungseröffnung festlich eingeleitet wurde. Vier Texte der Carolinum-Absolventin 2026 Lieselotte Rosenow. Verfasst unter dem Eindruck eines Besuches mit Klassenkameraden im KZ Auschwitz, vorgetragen von Carolinerinnen nach ihr (Lena Dumke, Emma Grunert, Wanda Frankiw, Emilia Nethe) und musikalisch am Flügel umrahmt von Emil Weidhase. Die Texte haben mich so bewegt, dass ich sie hier anhängend abbilde. Ich weiß nicht, welchen Weg Lieselotte geht, aber eine solche Gabe sollte nicht verschwendet werden.
Historiker erhellen den Kontext

Unbedingte Anerkennung den Historikern Dr. Helmut Gold und Fritz Backhaus, die zur Eröffnung den Kontext zur Ausstellung erhellten. Sie machten unter anderem mit dem Berliner Sammler Wolfgang Haney bekannt, der fast 1.000 antisemitische Postkarten zusammengetragen hat, von denen eine Auswahl in der Wanderausstellung „Abgestempelt“ dokumentiert sind.
Mein Fazit, erst recht als Absolvent der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel: Die Ausstellung erhält meine uneingeschränkte Empfehlung. Die muss man einfach gesehen haben, geöffnet ist das Untere Schloss montags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr.
Zurück zu den Schmitts, die mit Junior Oliver Schmitt noch ein Ass aus dem Ärmel zogen. Der Koch aus Frankfurt/Main servierte den Besuchern der Ausstellungseröffnung Schälchen und Becherchen, deren delikater Inhalt hierzulande auch nicht alltäglich ist. Kompliment!!! Jenseits aller Schleichwerbung: Den Küchenchef kann man sogar mieten…













