Unter großer öffentlicher Anteilnahme sind heute Morgen in Wesenberg drei Stolpersteine verlegt worden. Vor der Bäckerei in der Hohen Straße erinnern sie an das Schicksal der Eheleute Johann und Frieda Winks, die als Zeugen Jehovas von den Nationalsozialisten verfolgt und inhaftiert wurden, und von Paul Kracht, der als Mitglied der KPD wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ Gefängnis und KZ erleben musste und 1938 in der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt“ Domjüch an den Folgen verstarb. Johann und Frieda Winks erlebten wegen ihres Glaubens später in der DDR weitere Repressalien und reisten schließlich in den Westen aus.
Der Künstler Gunter Demnig, der das Projekt Stolpersteine 1992 ins Leben gerufen hat, ließ auch vor dem Geburtshaus der Geschwister Paul und Frieda die Gedenktafeln ins Pflaster ein. Johann und Frieda Winks lebten später in der Tiergartenstraße. Inzwischen sind von Demnig und seinen Vertretern weit über 100.000 Stolpersteine in Deutschland und anderen europäischen Ländern verlegt worden.
Die Stadt Mirow und die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde laden herzlich zur Reinigung der Stolpersteine am 9. November um 12 Uhr in Mirow, Mühlenstraße/Ecke Schlossstraße, ein.
Am 9. November 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte wurden zerstört und geplündert, Menschen jüdischen Glaubens gedemütigt, geschlagen, verhaftet und ermordet. Zu diesem Zeitpunkt hatten die letzten jüdischen Einwohner Mirows die Stadt bereits verlassen. Den jungen Geschäftsleuten Herbert und Herta Rosenberg gelang damals die lebensrettende Flucht aus Deutschland.
Steffen Rissmann mit Hans Jürgen Behrens (rechts) und Falk Bersch (links) gestern vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Winks in der Tiergartenstraße in Wesenberg. Foto: privat.
Auf Initiative der AG Kriegsgräber der Europaschule in Rövershagen werden am 10. März 2026 die ersten Stolpersteine in Wesenberg verlegt. Stolpersteine erinnern europaweit an Verfolgte des Naziregimes – in Wesenberg nun an die Schicksale von Paul Kracht, Frieda Winks und Johann Winks, die Zeugen Jehovas waren bzw. der Religionsgemeinschaft nahestanden.
Am Montag, den 27. Januar, jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 80. Mal. Aus diesem Anlass lädt die Stadt Neustrelitz zu einer Gedenkveranstaltung ein, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr am Mahnmal für die Opfer des Faschismus in der Marienstraße. Bürgermeister Andreas Grund wird Worte des Gedenkens sprechen und zusammen mit dem Stadtpräsidenten Max Odebrecht Blumen niederlegen.
Wie jedes Jahr lädt die Rheinsberger Friedensrunde auch diesmal zum Erinnern an den Pogrom vom 9. November 1938 ein, mit einem Gedenkspaziergang zu den Stolpersteinen in Rheinsberg. Da am 9. November dieses Jahr die Lange Nacht der Künste in Rheinsberg stattfindet, wird auf den nächsten Tag ausgewichen, also Sonntag, den 10. November. Um 17 Uhr ist Treffpunkt vor dem Gebäude Schlossstr. 9 (Stolperstein für Ida Hirschfeld). „Dort erinnern wir mit einer kurzen Rede an Frau Hirschfeld und legen Blumen ab“, schreibt mir Jane Zahn.
Zur Erinnerung an die sogenannte „Reichspogromnacht“ vor 85 Jahren werden am 9. November um 12 Uhr die „Stolpersteine“ zum Gedenken an von den Nazis vertriebene jüdische Mitbürger an der Ecke Mühlenstraße/Schlossstraße symbolisch gereinigt. Gemeinsam laden die Stadt und die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Mirow dazu ein. Barbara Lange hat einen kleinen Text erarbeitet. Darin plädiert sie für einen weiteren „Stolperstein“.
„Ein solch heillos, durchböset, durchgiftet, durchteufelt Ding ist’s um die Jüden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind.“ Der Satz stammt von Martin Luther. Zu lesen war er im Juli 1935 im „Niederdeutschen Beobachter“, der mecklenburgischen NSDAP-Zeitung. Der dazugehörige Artikel trug die Überschrift „Dr. Martinus Luther Wider die Jüden und ihre Lügen“. Sein Text war „einer lesenswerten kleinen Schrift“ des „Pastors Joachim Noack zu Mirow“ entnommen, wie die Zeitung verriet. Noack war von 1935 bis 1945 Pfarrer in Mirow.
Als sein Heftchen „Luther und die Juden“ pünktlich zum 450. Geburtstag des Wittenberger Reformators im Jahr 1933 erschien, war Noack noch Theologiestudent in Berlin. Als Motto stellte er seiner Publikation einen Absatz aus Hitlers Mein Kampf voran, der mit dem Satz endete: „Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“
Zur gleichen Zeit wie Joachim Noack, wenngleich nur für zwei Semester, war ein gewisser Heinz Röthke, Lehrerssohn aus Mürow bei Angermünde, als Theologiestudent an der Berliner Universität eingeschrieben. Röthke wurde letztlich Jurist und machte ab 1942 als Leiter des „Judenreferats“ der Gestapo in Frankreich Karriere. Er war es, der darauf drang, dass in südfranzösischen Lagern internierte Juden wie Gerhard Moses aus Mirow nach Auschwitz deportiert werden sollten. Er unterzeichnete die Meldung an das KZ Auschwitz und das Büro von Adolf Eichmann, dass der Transport Nr. 20, in dem in Waggon 10 Gerhard und Gertrud Moses eingepfercht waren, „am 17.8.1942, 8.55 Uhr, den Abgangsbahnhof Le Bourget-Drancy in Richtung Auschwitz mit insgesamt 1000 Juden verlassen hat“.
Für Gerhard Moses gibt es noch keinen „Stolperstein“, wohl aber für seine Verwandten Ruth und Herbert Rosenberg und dessen Ehefrau Hertha vor ihrem ehemaligen Haus in der Mühlenstraße/Ecke Schlossstraße.