
Ich riskiere, einen meiner geschätzten Leser zu verlieren. Der hatte mich dieser Tage im Neustrelitzer Parkstadion freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam gemacht, dass ihm die Fleischration in den von mir veröffentlichten Rezepten zu gering ist. Seine Frau koche das von Strelitzius Empfohlene 1:1 nach, und da komme er hinsichtlich der tierischen Einlage zu kurz. Da ist es schon fast eine Provokation, heute fleischlos daherzukommen. Also, ich meine jetzt mein Mahl des Wochenendes, ich selbst habe da schon noch Überschüsse rund um den Unterleib und überhaupt. Vielleicht kompensieren ja Loblieder aus der Vegetarier-Fraktion den vermuteten Konflikt mit dem Fleischlustigen.
Also, dritte Auflage der Zucchini-Wochen in meiner Küche, diesmal die Kürbisähnliche an Pilzen. Das überwiegend triefende Wetter erinnert ohnehin an den Herbst, und da ist ein edles Süppchen mehr als willkommen. Es soll ja auch Pfifferlinge geben, warum auch nicht. Aber, erstens fehlt mir die Bestätigung aus der Nachbarschaft, und zweitens sammele ich gar keine Pfifferlinge, weil ich einmal einen ganzen Korb voller falscher Pfifferlinge vor Pilzkundige gestellt habe und mich seitdem mangels Erfolg auf Marone, Steinpilz und im Glücksfall Krause Glucke zurückziehe. Stinkefinger an die irritierende Natur! Wir ernten unsere Pfifferlinge bei Edeka, der Preis ist allerdings momentan so ziemlich Schweigen.
Hat schon jemand Hunger? Wir gehen in die Strelitzius-Küche. Der Garten wirft ein knappes Kilo Zucchini ab. Und wo ich schon mal da bin, bleibe ich gleich hier: ein halbes Bund Thymian, ein Dutzend Basilikum-Blättchen und zwei Stengel Knoblauchkraut verlassen das Hochbeet.
Der Supermarkt erreicht bei 300 Gramm Pfifferlingen die Schmerzgrenze, ich nehme noch eine 250-Gramm-Packung braune Champignons zwecks pilziger Auffüllung mit. Zwei Kartoffeln sind da überpreisig auch noch zu haben. Die einzeln preiswert zu kaufen für einen zu 50 Prozent tüftenfeindlichen Haushalt, ist nicht unbedingt einfach.
Attacke! Die Zucchini werden gewürfelt, die Kartoffeln nach dem Schälen fein und eine Zwiebel noch feiner geschnitten. Jetzt arbeiten wir mal mit guter Butter, wie meine Großmutter selig sagte. Zwei Esslöffel Butter in einen mittleren Topf, zunächst Kartoffeln und Zwiebel andünsten, dann die Zucchini dazugeben und ständig rühren. Mit 100 Millilitern Weißwein und 500 Millilitern Gemüsebrühe bändigen, zum Kochen bringen. Jetzt Salz, Pfeffer, Muskat und Cayennepfeffer zum Einsatz bringen. Sieht man mal vom Salz ab, so kenne ich da keine Zurückhaltung. Deckel drauf, acht Minuten das Ganze bei niedriger Temperatur sich selbst überlassen. Pürieren, 200 Milliliter Kochsahne dazugießen, gezupften Thymian einrühren, nochmals erhitzen und Pause. Also, ich nehme an der Stelle immer ein Bier.
Nächste Runde: Pfifferlinge klein schneiden und je nach Größe Champignons vierteln oder halbieren. Ja Oma, die gute Butter habe ich nicht vergessen. Wieder zwei Esslöffel davon erhitzen und die Pilze darin anschwitzen, das Rühren mit dem Holzlöffel nicht vergessen. Majoran, Muskat, Salz, Pfeffer und Cayenne-Pfeffer sorgen auch hier für das gewisse Etwas.
Essen ist fertig! Die Zucchini-Suppe mit den Pilzen anrichten, mit Sonnenblumenkernen bestreuen, mit Olivenöl beträufeln, einen Klecks Sprühsahne oben drauf und mit den übrigen Kräutern, das Knobikraut in Röllchen, garnieren. Zweites Bier, erstes Weinchen für die Holde, und der Tellerinhalt Kelle für Kelle ein Volltreffer.




