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Die Nachhaltigkeit ist ein zweischneidiges Schwert. So mussten sich die Holde und meine Wenigkeit dieser Tage von einem noch sehr gut erhaltenen, weil wenig betriebenen und nach Art des Hauses gut gepflegten Kaminofen trennen. Ihm fehle ein Filter, was den staatlich beauflagten Schornsteinfeger ein Ultimatum verkünden ließ. Und Nachrüsten käme teurer als Neubeschaffen.

Was tut man nicht für die Umwelt, da beugt man sich der Diktatur. Möge der unfreiwillig von uns gegangene Wärmespender ökologisch präzise entsorgt werden. Man hat ihn einfach von uns genommen, und es ist ja nur zu hoffen, dass sich die Gewissenhaftigkeit bis zur Deponie fortsetzt. Irgendwie beglückte es unsereins ja auch, aus gefühlt mindestens hundert Öfen einen neuen auswählen zu können, der dann nicht nur ordnungsgemäß, sondern auch noch optisch zu neuen Ufern führt.

Da hatten wir die Rechnung zwar nicht ohne Wirt, aber ohne Loch gemacht. Die Bohrung ist nun mal da in der Wand, aus statischen Gründen auch unverrückbar, sagte ernüchternd der Ofenauswechselspezialist. Und so blieben der Kandidaten ganze zwei. Der eine Bewerber hätte unser nordisches Eigenheim in eine bayerische Berghütte verwandelt. Mit dem anderen leben wir nun in aller Bescheidenheit durchaus zufrieden. Wobei der Gekürte fast aussieht wie sein Vorgänger. Wir brauchten zwar bei der Umrüstung unverhofft noch den Fußbodenleger, aber das ist eine andere Geschichte. Ich will ja hier niemanden ermüden.

Das neue Wärmekraftwerk verbraucht tatsächlich bedienungsanleitungsgemäß für mehr Plusgrade weniger Holz. Hoffentlich jubelt der Planet, aber lasst euch bloß nicht alles erzählen. Zum Beispiel die Mär von der nicht verrußenden, da luftüberfluteten Scheibe. Womit wir, zugegeben reichlich spät, zur eigentlichen Botschaft kommen. Für die ich nunmehr wieder weiter ausholen muss.

Also, der Neue in unserem Wohnzimmer rußt wie sein Vorgänger gegen sein Sichtfeld. Mag sein, es ist das falsche Holz, aber ich habe mehrere Sorten gestapelt und gut abgelagert. Ausnahmslos alle verdunkeln uns die Feuershow. Also, ich in den Neustrelitzer Baumarkt meines Vertrauens, wie gewohnt Reiniger kaufen. „Was wollen Sie denn damit?“, so ein offenbar nicht gewinnorientierter Fachberater. Auf den war ich bisher nicht getroffen. „Mit angefeuchteten, in Asche gestippen Küchentüchern geht das auch.“

Gesagt, getan, hier das Ergebnis: Alle Chemie kann wegtreten. Ich hatte, vom zweistelligen Preis des Wundersprays ohnehin einigermaßen geschockt, noch skeptisch einen Sonderpostenmarkt in Neustrelitz aufgesucht. Aber auch das dort hoch einstellig bezahlte Produkt wird wohl in unserem Keller ein ungebrauchtes Leben fristen. Kaminscheibenputzen kann so simpel sein. Und nachhaltig auch noch.