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Kocht Strelitzius denn gar nicht mehr? Die bange Frage hat mich dieser Tage aus der kleinen, aber feinen Gemeinde der Fans meiner Küchenexperimente erreicht. Ich bin richtig heiß darauf, wieder an Herd und Ofen zu treten. Aber heute ist schon wieder Restfleischgrillen mit den Kindern angesagt, morgen beköstigt mich die TSG zum Heimspiel gegen die Neuruppiner, kurzum, auch der spätere Herbst hat noch schöne (Koch)Tage. Überall in den Auslagen lachen mich schon die Kürbisse an, kommt Zeit, kommt Strelitzius.

Immerhin habe ich die vergangenen zwei Wochen genutzt, um mich ausgiebig bei den Nachbarn in Polen zu beköstigen. Diesmal hat es uns nach Jahren des Verliebtseins in Ustka mal wieder nach Mielno an der Ostseeküste getrieben. Eigentlich tolles Hotel „Molopark“ mit noch tollerer Frühstücksaussicht vom Dachgarten und schönem Zimmer, aber schwer auszumachen, was da nun coronabedingt, was nachsaionbedingt und was eventuell einfach echt kritikwürdig ist. Jedenfalls waren leichte Abstriche zu machen, soll jetzt aber nicht das Thema sein.

Nachsaison an der polnischen Küste heißt auch, dass pünktlich Anfang September rund ein Drittel der Kapazitäten in Gastronomie und Handel in den Tourismusorten dicht machen, Tendenz fortlaufend. Grund ist wahrscheinlich die hohe Präsenz an Schülern und Studenten bis hin zum Alleinmanagement, die plötzlich nicht mehr zur Betreuung der Gäste und Kunden zur Verfügung stehen. Da wird es schnell öde links und rechts der Bummelmeilen.

Imbissküche ist nicht unser Ding

So haben die Holde und meine Wenigkeit an 14 Abenden es auch nur auf acht Lokale gebracht. Natürlich gab es mehr ansehnliche Adressen, aber die an Polens Wasserkante weit verbreitete Imbissküche Pizza, Pasta, Burger, Fisch, Fritten, Beilage ist nicht unser Ding. Auf jeden Fall mal ein Hoch auf Polens Innenarchitekten, die uns in der Ausstattung von Gaststätten um Lichtjahre voraus sind.

Bei den „Faulen Katzen“ mit Blick auf den Boulevard fühlt man sich echt wohl.

Drei der Gaststätten haben wir ob ihrer exzellenten Küche mehrfach besucht. Auf Platz 1 landete „Leniwe Koty“ (Die faulen Katzen) direkt am Hauptzugang zur Strandpromenade. Weiß der Fuchs, wie die auf den abgefahrenen Namen gekommen sind. Immerhin gibt es im hinteren Bereich ein Wandbild, auf dem tatsächlich Stubentiger herumlümmeln. Meine bessere Hälfte ist jedenfalls fast ausgeflippt, als sie den Sommersalat auf dem Tisch, und noch mal, als sie die fruchtreiche Komposition vertilgt hatte. Mir ging es ähnlich, als nach angemessener Wartezeit eine sensationelle Sushi-Platte serviert wurde. Dann hatte ich bei den Faulen Katzen“ noch feinste Ochsenbäckchen und Chili con Carne. Daumen ganz hoch!

Ein bisschen mehr suchen muss man die 100 Meter entfernte „Knajpa“ an der Rückseite der Strandpromenade in der Uliza Nadbrzezna, mehrfach ausgezeichnet und bei uns auf Platz 2. Kneipe ist tief gestapelt, hier hat man sich nicht nur der polnischen Küche bis hin zum Herstellen von Süßigkeiten verschrieben, sondern zu Fleisch und Fisch gibt es auch gleich den Nachweis, woher die Bio-Produkte aus der Umgebung stammen. Wobei ich bei Blutsuppe gepasst habe. Wieder die Holde in Ekstase mit einem Salat an Entenbrust. Ich war ja fleischlustig der Meinung, Schnitzel sei Schnitzel, aber die „Knajpa“ setzt auch da Maßstäbe. Der Burner war aber das als Kartoffelpuffer getarnte Omelett, randvoll mit Schinken gefüllt. Da habe ich mich schon verbeugt. Und auf Verlangen nach mehr Pfeffer eine uralte Kaffeemühle neben den Teller zu setzen, setzt der Kreativität noch ein Häubchen drauf.

Sehr gediegen: Das „La Palma“ muss man ein bisschen suchen.

Die vorletzte Strophe des Lobliedes gilt dem „Medusa“ direkt am Meer. Hier haben wir vor gefühlt 20 Jahren schon bestens logiert und wurden auch diesmal gastronomisch nicht enttäuscht – die Bronzemedaille. Allerdings, der Zahn der Zeit nagt am Hotel.

Gut versteckt, doch entdeckt

Und dann gibt es noch das „La Palma“, sehr versteckt in der Wojska Polskiego 1, kurz vor der Heimreise per Schlenker auf dem Weg ins Hotel aufgespürt. Wunderschönes Ambiente, Polen machen auf Italiener ohne Palme, noch ein geiler Salat und ein Dorsch in Chili, dem leider die Beilagen fehlten. Weil ausgerechnet die waren im Gegensatz zu allen anderen Fischgerichten extra zu bestellen. Die Holde hat sich dafür durch drei Stockwerke mit Geflügel besetztes, obstvermischtes Grünzeug gekämpft, rekordverdächtig die Komposition, die genug für mich mit abgeworfen hat. Für polnische Verhältnisse der Laden etwas preisintensiver, für deutsche immer noch mehr sehr günstig, was da auf der Rechnung (Rachunek) stand. Im Gegensatz zum „Dune Resort“ direkt am Meer, ein paar hundert Meter weiter in Richtung Nachbarort Uniescie. Schickes Haus, aber viel Geld für wenig Essen auf dem Teller, und das auch noch niveaulos. Die Sitzecke direkt vor dem Tresen ist aber für einen Absacker unbedingt zu empfehlen.

Heute in einer Woche wird wieder bei Strelitzius die Küchenschürze umgebunden und gekocht, versprochen. Animiert und inspiriert worden bin ich in Mielno reichlich.