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Klaus Salewski übergibt den Preis an Anke Ortlieb, hinten Marco Zabel.

Der Fritz-Reuter-Literaturpreis 2019 ist am gestrigen Donnerstag in der Reuterstadt Stavenhagen an Anke Ortlieb aus Rehna verliehen worden. Sie erhielt die Auszeichnung für ihr im Demmler Verlag Ribnitz-Damgarten erschienenes wunderbares plattdeutsches Kinderbuch „Mäh! Maa! Möh! Versteihst?“. Die alljährliche Preisverleihung hatte 2019 einen besonderen Strelitz-Bezug, wie mir der Leiter des Reuter-Literaturmuseums Stavenhagen, Marco Zabel, verriet.

„Unter ihrem Mädchennamen Anke Ringel ist die gebürtige Neustrelitzerin gewiss manchen in der Residenzstadt bekannt. Ihre Mutter war es, die ihr schon in Altstrelitzer Kindertagen die Liebe zum Plattdeutschen einpflanzte, die in ihrem ersten Buch nun so schönen Ausdruck findet“, so mein Blogpartner Zabel.

Johannes Groh

Da sei aber auch Johannes Groh gewesen. Dem Neustrelitzer Cellisten und Musikpädagogen, Musikschul- und Orchesterleiter Groh sei ein großer Spagat gelungen. „Fein ziseliert und mit viel Verve erfüllten Bachsche Notenklänge den Saal, ebenso wie ein sitzender Stehgreif-Chor aus allen Gästekehlen, die zum Cello das bekannte Tüdelband-Lied sangen“, schwärmt der Neustrelitzer Zabel.

Der Saal des Schlosses musste mehrfach zusätzlich bestuhlt werden, um die Gäste aus nah und fern aufnehmen zu können. An die hundert Reuter-Verehrer und Freunde der Literatur up Platt, Preisträger, Vertreter aus Kultur und Politik konnten begrüßt werden, unter ihnen der stellvertretende Landrat der Mecklenburgischen Seenplatte, Kai Seiferth, der Präsident der Fritz Reuter Gesellschaft, Dr. Hans-Jörg Grundmann, der Vorsitzenden der Johannes Gillhoff Gesellschaft Hartmut Brun und natürlich viele Stavenhagener.

„Mäh! Maa! Möh! Versteihst?“ ist anrührend, komisch, hintersinnig, hat Anklänge an Märchen und Fabel. Es ist in Sprache, Bild und Themenlage, ja, „im besten Sinne modern“. Die Leser werden ernstgenommen, junge wie „alte“ Leser. Wie alle guten Kinderbücher ist das Buch von Anke Ortlieb eines, das man auch als Erwachsener zur Hand nehmen möchte. Es ist fantasievoll und läßt Raum für eigene Gedanken. Und wie der Leser ernst genommen wird, so geht es auch den Figuren des Buches, den Menschen wie den Tieren.

Die Laudatio hielt der Stavenhagener Stadtpräsident Klaus Salewski: „Wir müssen natürlich noch über die Liebe der Geehrten zum Plattdeutschen sprechen. Sie kommt von ihrer Mutter. Als Deutschlehrerin wird Anke Ortlieb später Niederdeutsch unterrichten. Und da bemerkt sie, daß es nur wenige moderne Bücher für Kinder und Jugendliche in niederdeutscher Sprache gibt. Im mecklenburgischen Platt gleich gar.

Also schreibt Anke Ortlieb selber eins. Die Buchidee entsteht im September 2018. Die Textautorin ist in nur einer Woche fertig. Die Bildautorin und Gestalterin braucht tatsächlich etwas länger. Ebenso schnell müssen der Demmler-Verlag und die Lektorin Ulrike Stern gewesen sein, denn im Sommer liegt das Buch vor, feiert Anfang Oktober in Rostock und Stavenhagen Premiere.“

Von Anke Ortlieb könne man heute behaupten, so der Stadtpräsident, dass sie Reuter nahezu komplett gelesen habe. Und wer ihr Kinderbuch ganz aufmerksam lese, der werde es spüren, heraushören. „Dieses Plattdeutsch ist – bei aller Korrektheit – kein Rehnaer oder Rostocker oder Strelitzer Platt. Es ist – wie soll es anders sein – ein sehr persönliches Platt. Eines das Lust macht und gut verständlich ist, dies nicht wegen der ebenso schönen hochdeutschen Übersetzung im Buch. Bei Anke Ortlieb findet Reuter Nachhall.“ Man dürfe gespannt sein auf ihre nächsten Bücher – für Kinder oder Erwachsene.