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Nach dem erfolgreichen Start der neuen Vortragsreihe im 3 Königinnen Palais Mirow im vergangenen Monat steht nun schon der zweite historische Abend ins Haus. Am kommenden Freitag, den 28. Juni, wird Sandra Lembke diesmal die Lebenswege der Geschwister der britischen Königin Sophie Charlotte nachzeichnen. Beginn ist um 19 Uhr. Strelitzius-Leser kommen wie immer in den Genuss einer ausführlichen Vorschau:

Zu Mirau, so die Schreibweise des Ortes Mirow in vielen Dokumenten des 18. Jahrhunderts, kommen sie alle zur Welt – die zehn Sprösslinge des Herzogs Carl Ludwig Friedrich zu Mecklenburg und seiner Gattin Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen. Vier von ihnen sollten jedoch schon Stunden bis Monate nach ihrer Geburt versterben.

Auf die sorgfältige Erziehung der verbliebenen Kinderschar wird besonderes Augenmerk gelegt, wissen die Eltern doch, dass sie den zwei Prinzessinnen sowie vier Prinzen außer einer umfassenden Bildung und guten Umgangsformen für ihr weiteres Leben nicht viel mitgeben können. Die herzoglichen Nachkommen werden daher von bekannten Wissenschaftlern, Komponisten und gelehrten Damen unterrichtet. Die Prinzen vervollkommnen zudem ihre Ausbildung auf Reisen durch die Schweiz, Frankreich, England oder Italien.

Chaotische Zustände: 14-Jähriger kommt an die Regierung

Doch das Jahr 1752 bringt große Veränderungen für die Mirokesen: zwei Todesfälle in der Familie sind zu beklagen, die das gewohnte Gefüge gründlich durcheinander wirbeln. Plötzlich avanciert der gerade einmal 14 Lenze zählende älteste Prinz Adolph Friedrich erst zum Thronfolger und schließlich zum regierenden Herzog von Mecklenburg-Strelitz. Der Weg dahin ist jedoch steinig und beschert dem Land für eine gewisse Zeit chaotische Zustände. Elisabeth Albertine, die Mutter des jungen Herrschers, tut aber alles, um ihrem Kind den Thron zu erhalten; sie versichert sich der Unterstützung ausländischer Mächte und sorgt letztlich für Ruhe und Frieden im Herzogtum. In den Folgejahren tritt sie als patente Regentin in Erscheinung, die ihrem Ältesten hilft, wo sie nur kann und natürlich auch auf das Wohl ihrer anderen Kinder bedacht ist. Noch kurz vor ihrem Tod korrespondiert Elisabeth Albertine mit der Mutter des britischen Königs George III., um die prestigeträchtige Ehe ihrer Tochter Sophie Charlotte mit dem Monarchen anzubahnen.

Ihren Geschwistern bringt die royale Standeserhöhung natürlich viele Vorteile, und wenn es nur ein äußerst großzügiger Kredit bei Kaufleuten und Bankiers ist. Dank der königlichen Verwandtschaft gelangen auch die Brüder der Queen in herausragende Positionen. Prinz Ernst hinterlässt als langjähriger Gouverneur von Celle Spuren, die noch heute sichtbar sind. Der Mecklenburg-Strelitzer geht unter anderem als Schöpfer eines entzückenden Palais sowie des Prinzengartens in die Geschichte der niedersächsischen Stadt ein. Der jüngste Prinz Georg August finden wir zunächst in der Royal Navy und dann als hochrangigen Offizier in kaiserlich-österreichischen Diensten. Derweil bilden die älteren Geschwister Adolph Friedrich IV. und Prinzessin Christiane den gesellschaftlichen Mittelpunkt in Mecklenburg-Strelitz, wo sie abwechselnd in Neustrelitz oder Neubrandenburg residieren und viel Geld ausgeben, das sie jedoch nicht besitzen.

In der Kreide stehen sie alle Zeit ihres Lebens

Doch der Aufstieg von Sophie Charlotte beeinflusst das Leben ihrer Geschwister nicht nur positiv. Mit Ausnahme von Bruder Carl (dem der nächste Mirower Vortrag im Juli gewidmet sein wird!) bleiben alle unvermählt, obwohl sie in manchen Fällen einer Eheschließung wirklich nicht abgeneigt sind. Dass der Gang zum Altar dann nur ins Auge gefasst wird, um die immensen Schulden der Kinder zu Mirau zu tilgen, ist dabei kein Geheimnis. Denn in der Kreide stehen sie alle mehr oder weniger Zeit ihres Lebens, so dass es nicht wunder nimmt, dass einigen von ihnen der Schuldenberg sogar über den Kopf wächst.

Aber wie die Schwester und die Brüder der britischen Queen mit dem leidigen Geldproblem umgingen, welche Dinge sie kauften und wie ihr alltägliches Leben aussah – dies werden nur einige Themen des Vortrages sein.

„Auch hierfür habe ich viele Originaldokumente ausgewertet“, so die Neustrelitzer Historikerin. „Einen Teil davon musste ich erst ins Deutsche übersetzen, denn die Geschwister korrespondierten bevorzugt in französischer Sprache. Oder sie kritzelten ihre Zeilen rasch aufs Papier, so dass es oftmals gar nicht so einfach ist, diese zu entziffern. Doch gerade das ist es, was mich an den Recherchen so reizt. In den mehr als 200 Jahre alten Briefen und Dokumenten begegnen uns die Mirokesen wirklich ganz privat. Manche Schriftstücke lassen mich in den Archiven schon einmal schmunzeln, andere wiederum sind so berührend, dass sie mir sehr nahe gehen. Ich muss gestehen, dass ich die Mirokesen inzwischen sehr lieb gewonnen habe.“