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Dies ist eine Mitteilung an den Fahrer des Busses der Linie 116, wenn ich mich nicht verguckt habe. Ich will mich überhaupt nicht beschweren, zumal Sie sich nicht wirklich haben etwas zuschulden kommen lassen. Soweit ich das beurteilen kann. Auf jeden Fall kamen wir ohne Probleme aneinander vorbei.
Gleichwohl mache ich mir Sorgen. Ich weiß nicht, ob Sie diese Mitteilung erreicht. Auch nicht, was noch viel schwerer wiegt, in welcher Entfernung vom Mecklenburg-Strelitzer Land Sie diese Zeilen lesen. Es sind ja Stunden seit heute Morgen vergangen. Offenbar hatten Sie ein riesiges Problem, und ich kann nur die Daumen drücken, dass sich alles zum Guten gewendet hat.
Vielleicht kommen Sie sogar in die Zeitung. Schon wieder bin ich besorgt. Denn wenn das Ihr Arbeitgeber erfährt, beziehungsweise liest, sind Sie möglicherweise Ihren Job los. Die pflastern Ihnen noch eine fette Schlagzeile über Ihr Elend. Obwohl Sie in diesem Fall eventuell nur einer technischen Panne aufgesessen sind. Das Navi hat schon ganz andere Dinge angerichtet. Für eher unwahrscheinlich halte ich, dass Sie sich auf Ihrer Jungfernfahrt befunden haben und ansonsten bisher in Südtirol oder Ostfriesland zu Hause waren.
Ich male mir gerade aus, dass Sie vielleicht, irgendwo in den Weiten unseres Bundeslandes verschollen, gerade jetzt einen Freund suchen, nachdem Ihnen der Blick aus dem Busfenster nicht mecklenburgisch, aber unter Umständen spanisch vorgekommen ist. Sollten Sie noch vor Schleswig-Holstein sein, wir sind hier freundlicher, als man uns gemeinhin nachsagt. Fragen Sie einfach nach dem Weg. Von dem Sie gewaltig abgekommen zu sein scheinen. Wie sonst hätte an Ihrem Bus das Fahrziel Blankensee stehen können, wo Sie doch heute gegen 7 Uhr im Berufsverkehr, kurz vor Wesenberg aus Neustrelitz kommend, in die Gegenrichtung unterwegs waren?

